Ziemlich „kreatief”: Was Carmen Hiller in Rothenburg zu bieten hat | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 04.09.2025 09:15

Ziemlich „kreatief”: Was Carmen Hiller in Rothenburg zu bieten hat

Carmen Hiller will in ihrer Ausstellung die Prozesse hinter kreativen Projekten erfahrbar machen. Links auf dem Bild hält die Künstlerin einen Linoldruck, aus dem später das rechte digitale Werk entstand. (Foto: Irmeli Pohl)
Carmen Hiller will in ihrer Ausstellung die Prozesse hinter kreativen Projekten erfahrbar machen. Links auf dem Bild hält die Künstlerin einen Linoldruck, aus dem später das rechte digitale Werk entstand. (Foto: Irmeli Pohl)
Carmen Hiller will in ihrer Ausstellung die Prozesse hinter kreativen Projekten erfahrbar machen. Links auf dem Bild hält die Künstlerin einen Linoldruck, aus dem später das rechte digitale Werk entstand. (Foto: Irmeli Pohl)

„Für mich war das Zusammenstellen der Werke ein Stück Selbsterkenntnis.” Carmen Hiller ist Grafikdesignerin, Illustratorin und Autorin und blickt in der Ausstellung auch auf die letzten Jahre ihres künstlerischen Schaffens zurück. Sie findet vom Freitag, 19. September, bis Sonntag, 12. Oktober, im Fleischhaus statt.

Die Vernissage, die am Donnerstag, 18. September, ab 19 Uhr stattfindet, ist für alle Interessierten offen. Danach ist mittwochs bis sonntags zwischen 16 und 19.30 Uhr geöffnet. Und: Hiller bietet immer freitags ab 18.30 Uhr halbstündige Lesungen mit anschließender Gesprächsrunde an.

Ausstellung soll zum Nachdenken anregen

In der Schau werden nicht nur Hillers Werke zu sehen sein – sie nimmt mit auf den Weg des kreativen Schaffens und soll zum Nachdenken anregen, sagt die Künstlerin am Telefon gegenüber der Redaktion. Besuchende erwarte eine bunte Mischung aus Illustrationen, Büchern, Spieleprototypen und Objekten, die Einblick hinter die Kulissen des Schaffensprozesses geben sollen. Wie es zu der Einzelausstellung kam?

„Damals war ich noch Vorsitzende beim Künstlerbund”, erinnert sich Hiller. Da sei die Idee entstanden, für die Mitglieder des Vereins Einzel- und Doppelausstellungen möglich zu machen. Bis dato waren es immer Gemeinschaftsausstellungen gewesen. Eigentlich habe sie bereits im vergangenen Jahr ihre Werke ausstellen wollen, so die Grafikdesignerin. Aber da sei etwas Privates dazwischengekommen.

„Im Nachhinein hat das perfekt gepasst”, freut sich Hiller. Denn: Sie begeht in diesem Jahr ihr fünfjähriges Jubiläum als Selbstständige. Mit der Ausstellung möchte sie einen Überblick geben über ihr Schaffen in diesen Jahren, aber auch davor. Was ihre Werke ausmacht? „Ich bin fasziniert vom Menschsein und der Kreativität des Menschseins.” Und damit hätten immer Projekte etwas zu tun. Projekte, die teilweise verworfen werden, in Schubladen verschwinden.

Aber auch Projekte, die in der Stadt Anklang gefunden haben: Dazu gehören ein Bildband des Festspiels mit dem Namen „Retro – Gegenwart 1631“ und der „Meistertrunk Comic”, so die Künstlerin. Den Prozess hin zu einem Projekt, zu Kunst, den möchte sie erfahrbar machen. Und auch dazu inspirieren, sich zu trauen, es anderen Menschen zu zeigen: „Mach, was dir am Herzen liegt und zeig´s dann auch.”

Der oft unsichtbare Weg zum fertigen Produkt

Dafür habe sie beispielsweise Linoldrucke ausgestellt. Originale als Linolschnitte herzustellen, das sei bei manchen Projekten der erste Schritt, erklärt Hiller. Danach überträgt sie den Druck ins Digitale. So entstehe dann das finale Ergebnis, „aber der Weg bis zum fertigen Produkt ist oft unsichtbar”. Obwohl sie viel im digitalen Bereich arbeite, hat das händische Arbeiten für Hiller einen hohen Stellenwert. „Für mich hat echtes Handwerk eine Seele, eine Tiefe, die die digitale Welt nicht bieten kann.” Sie stelle sich das als eine Art Werkzeugkoffer vor, gefüllt mit analogen und digitalen Fähigkeiten. „Ich schöpfe gern aus beidem.”

Sie habe schon immer viele eigene Projekte gehabt. Dazu zählt auch ein Spiel für Kinder, das sie im Rahmen ihrer Bachelorarbeit entwickelte und das ebenfalls ausgestellt wird. Auch ihr Buch „Des Apfels Kern” ist ein zentrales Element der Ausstellung. Es ist ein Buch über Weiblichkeit, über das Miteinandersein, darüber, dass man Hand in Hand viel mehr schafft. Dafür wird sie zum Beispiel eine Ecke gestalten, die Szenen aus ihrem Buch widerspiegelt. Dabei spielt auch ein Sessel eine Rolle, in den man sich bequem hineinsetzen und einfach mal im Buch stöbern könne, erklärt sie. So entstehe ein Raum für Begegnung und Austausch. „Die Ausstellung soll zum Verweilen einladen”, sagt Hiller.

Die Künstlerin wird den Großteil der Zeit vor Ort sein. „Ich freue mich darauf, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.” Und: „Ich hoffe, dass möglichst viele Menschen mir das nachmachen.”


Irmeli Pohl
Irmeli Pohl
Volontärin
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