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Veröffentlicht am 09.06.2025 07:07

Abi mit FOS und BOS: Was zwei junge Leute in Ansbach am „exotischeren“ Weg mögen

Bayerns Abiturjahrgang ist kleiner als sonst. Bei den Gymnasien führen dieses Jahr nur wenige Schulen zur Hochschulreife – wegen der Übergangsphase vom acht- zum neunjährigen Gymnasium.Aber es gibt ja zum Beispiel Fach- und Berufsoberschulen (FOS und BOS). Wie es für zwei junge Menschen in Ansbach zu diesem Weg kam.

Die Fach- und die Berufsoberschule schließen beide an den mittleren Schulabschluss an. Bei der BOS ist noch eine abgeschlossene Berufsausbildung nötig. Wenn man die anderen Zugangsvoraussetzungen noch nicht hat, lassen sie sich über eine BOS-Vorklasse erwerben, wie Gernot Helmreich deutlich macht. Er leitet die Beruflichen Oberschulen Ansbach und Triesdorf (jeweils Fach- und Berufsoberschule).

Wer die FOS oder die BOS mit der zwölften Klasse abschließt, erwirbt die allgemeine Fachhochschulreife, also das Fachabitur. Alle, die dann noch erfolgreich die 13. Klasse besuchen, können die fachgebundene oder die allgemeine Hochschulreife draufsetzen, also das Abitur, je nachdem, ob sie eine zweite Fremdsprache nachweisen können.

Dieses Jahr vielleicht stärker im Vordergrund

Dies gilt zum Beispiel für Lea Schüttler (20) aus Langfurth und Justin Barclay (19) aus Ansbach. Sie besuchen beide die 13. Klasse der Fachoberschule in Ansbach und paukten noch zwei Jahre Spanisch. Lea Schüttler erwarb voriges Jahr das Fachabitur an der BOS und Justin Barclay an der FOS.

Kommen sich die beiden in einem Jahr der wenigen Abi-Zeugnisse im Freistaat nun besonders vor? „Mit einem Abschluss an einer Fach- oder Berufsoberschule ist man eh immer so ein bisschen ein Exot“, findet Lea Schüttler.

Viele wüssten gar nicht, dass man hier auch die allgemeine Hochschulreife, also das klassische Abitur, erhalten kann. Wenn jemand in ihrem Umfeld in den vergangenen Jahr vom Abi sprach, war eigentlich immer das am Gymnasium gemeint.

Dies kennt auch Justin Barclay. Weil es an den Gymnasien nur einen kleinen Abi-Jahrgang gibt, stehe der an der FOS und der BOS dieses Jahr vielleicht stärker im Vordergrund, meint der 19-Jährige.

Ein Einblick schon vor dem Berufsleben

Lea Schüttler ließ sich vor der BOS und der FOS zur Industriekauffrau ausbilden. „Die Ausbildung in der wirtschaftlichen Richtung hat mir an sich gefallen, aber es hat mich noch nicht so zufriedengestellt, auch mit den Weiterbildungsmöglichkeiten“, blickt die 20-Jährige zurück.

Sie wollte sich alles offenhalten. Dass sie die allgemeine Hochschulreife anstrebt, war für sie von vorneherein klar; „wenn, dann ganz“. Justin Barclay wusste zu Beginn der zehnten Klasse noch nicht genau, was er vorhat. „Etwas zu haben oder nicht zu haben, ist ein großer Unterschied“, dachte er und entschied sich für die FOS. Vor allem in der zwölften Klasse war ihm klar, dass ihm am klassischen Abi gelegen ist.

Sehen die beiden Vorteile an ihrem „exotischeren“ Weg zum Abitur? „Bei uns geht es auf jeden Fall schon ein bisschen mehr in Richtung Arbeitswelt“, stellt Lea Schüttler fest. Justin Barclay pflichtet ihr bei. Die jungen Menschen bekommen hier vor dem Berufsleben schon einen Einblick, was ihnen liegt oder nicht liegt, wie der 19-Jährige hinzufügt.

Der Ansbacher möchte sich nach dem Abitur der Spielewelt widmen – und Game Design studieren. Seine Schulkollegin Lea Schüttler hatte jetzt drei Abschlüsse in drei Jahren in Folge und will deshalb zunächst wieder ein Jahr arbeiten. Danach steht für die junge Langfurtherin Psychologie oder International Business auf dem Plan.

Der Leiter der Beruflichen Oberschulen Ansbach und Triesdorf, Gernot Helmreich, tauscht sich mit der Absolventin Lea Schüttler und dem Absolventen Justin Barclay aus (von links). (Foto: Oliver Herbst)
Der Leiter der Beruflichen Oberschulen Ansbach und Triesdorf, Gernot Helmreich, tauscht sich mit der Absolventin Lea Schüttler und dem Absolventen Justin Barclay aus (von links). (Foto: Oliver Herbst)
Der Leiter der Beruflichen Oberschulen Ansbach und Triesdorf, Gernot Helmreich, tauscht sich mit der Absolventin Lea Schüttler und dem Absolventen Justin Barclay aus (von links). (Foto: Oliver Herbst)

Oliver Herbst
Oliver Herbst
... schreibt seit seinem 16. Lebensjahr für die Fränkische Landeszeitung. In über 30 Jahren lernte er dabei viele Menschen und ihre Geschichten kennen - von Burghaslach bis Mönchsroth und von Windsbach bis Schnelldorf. Seit 2014 gehört er zum Team der Lokalredaktion Ansbach.
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