Ob auf dem Fahrersitz des Lasters oder als Disponenten im Büro: Wolfgang Schneider und Hans Lindner kennen das Speditionsgewerbe aus dem Effeff. Beide sind viele Jahrzehnte bei der Firma Oppel im Ansbacher Ortsteil Elpersdorf beschäftigt. Was finden sie nach so langer Zeit nach wie vor spannend im Beruf?
Hans Lindner (59) blickte jüngst auf 40 Jahre Betriebszugehörigkeit zurück. Wolfgang Schneider (65) könnte nach 47 Jahren seinen Ruhestand genießen. Seit Januar 2023 ist er offiziell Rentner, doch er arbeitet weiter. Die drei Jahre Lehrzeit vorher sind bei den zweien gar nicht einmal eingerechnet.
„Beide haben als Kfz-Mechaniker angefangen“, erinnert sich Thomas Oppel (61), geschäftsführender Gesellschafter der Firma. Lindner habe schon bei Oppel begonnen, Schneider noch beim damaligen Mercedes-Vertreter Dallhammer in Ansbach, den Oppel 1979 übernahm. Beide hätten später als Fahrer in der Spedition weitergemacht.
„Irgendwann wurden sie von mir aus dem Lkw herausgeholt – ins Speditionsbüro“, erzählt Thomas Oppel heute lachend. Wie kam es ausgerechnet zu diesem neuen Karriereweg? „Ein Fahrer, der sich intelligent verhalten hat, hat alles gewusst und war nach einem Jahr ein guter Disponent.“ Ein „Fremder“ habe dazu zehn Jahre gebraucht. Heute sei dies alles nicht mehr so wichtig. Der Kollege Computer spuckt inzwischen zum Beispiel aus, wie viel Zeit der Fahrer von A nach B braucht. „Diese Erfahrungswerte hat man früher sammeln müssen“, hebt Thomas Oppel hervor.
Wolfgang Schneider nimmt des Weiteren zum Beispiel Bezug auf das Wissen um Warte- und Arbeitszeit oder um die Straßenlage. „Wichtig war auch, dass man weiß, wo die Fahrer sind.“ Seinerzeit habe man ja nur seine Landkarte gehabt, klinkt sich Hans Lindner ein.
Beide Mitarbeiter arbeiten nun seit Jahrzehnten im Speditionsgeschäft. Was ist das Besondere daran, das so lange Zeiten in den jeweiligen Berufen möglich macht? „Es wird dir nie langweilig“, bemerkt Hans Lindner augenzwinkernd.
Sicherlich herrsche eine gewisse Routine, doch es komme immer irgendetwas dazwischen. Wenn man schließlich meint, man wäre fertig, dann komme es garantiert anders. „Es geht halt nichts nach der Stechuhr“, legt er dar, „und du hast immer das Gesetz im Genick.“
Chef Thomas Oppel pflichtet ihm bei: „Ich war zuerst begeisterter Fernfahrer und dann begeisterter Disponent.“ Kam er als junger Mann morgens in die Firma, fühlte er sich, als spielte er Monopoly.
Lkw waren schon immer Wolfgang Schneiders Passion – bereits in der Lehrzeit als Kfz-Mechaniker. Große Laster „zu fahren, hat mich eigentlich immer fasziniert“. Auch als Disponent habe er nie ganz aufgehört, die Lkw zu lenken.
Disposition bedeutete und bedeutet für beide nicht nur, im Büro zu planen, sondern eben auch als Fahrer einzuspringen, Laster zu reparieren oder sie abzuschleppen. „Das ist auch nachts gelaufen“, unterstreicht Wolfgang Schneider.
Und die Mythen um das Leben als Fernfahrer? „Diese Cowboy-Romantik war damals schon noch ein bisschen gegeben“, schildert Thomas Oppel. Man sei in Bezug auf die Fahrzeiten gesetzlich nicht ganz so „geknebelt“ gewesen. Wenn man mal mit Kollegen zusammensaß, habe man auch einmal eine Stunde länger bleiben können – und habe halt später weitergearbeitet.
Das Speditionsgewerbe plagt heute Nachwuchsmangel. „Der Führerschein ist extrem teuer geworden“, gibt Wolfgang Schneider zu bedenken. Auch der Verdienst eines Fahrers rage gegenüber anderen Berufen nicht mehr so heraus. Früher hätten viele bei der Bundeswehr den Lkw-Führerschein erworben, fügt Thomas Oppel hinzu. Seitdem die Wehrpflicht ausgesetzt ist, sei dies vorbei. Wie Hans Lindner betont, sind außerdem viele Arbeitnehmer heute anders eingestellt. „Sie wollen nach acht Stunden am Band heimgehen.“
Wolfgang Schneider arbeitet im offiziellen Ruhestand nicht mehr als Disponent, aber er fährt weiter Lkw – auch im Fernverkehr –, repariert und erledigt, was anfällt. Warum macht er weiter?
„Ein Muss war die Arbeit für mich eigentlich noch nie, weil ich schon immer gern arbeite“, merkt er an, „aber es wäre der größte Fehler, von heute auf morgen von 100 auf null runterzugehen – geistig und auch körperlich.“