Ein Piks in den Finger, ein Bluttropfen – Carolyn Kunze macht einen Zuckertest. Die ärztliche Leiterin hat im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Burgbernheim eine Schwerpunktpraxis für Diabetologie verankert, eine von nur wenigen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.
Vor eineinhalb Jahren ist das MVZ von Geschäftsführer Mathias Krause von der Grünen Baumgasse in das von der Stadt neu errichtete Gebäude am Marktplatz/Ecke Rodgasse gezogen. Seitdem hat Carolyn Kunze mit ihrem Team dort richtig etwas aufgebaut. Mit rund 1000 Patienten im Quartal ist die Praxis umgezogen, mittlerweile betreuen Kunze und ihr Team – drei weitere Ärzte, acht medizinische Fachangestellte und eine Auszubildende – knapp 1700 Patienten im MVZ und einmal wöchentlich bei Hausbesuchen. Noch ist das MVZ eine der wenigen Allgemeinarztpraxen im Umkreis, das keinen Aufnahmestopp für Patienten hat, erzählt die Medizinerin.
Darauf, dass die Anzahl der Patienten in der kurzen Zeit um so viel gestiegen ist, ist die 52-Jährige schon stolz, sagt sie und darauf, dass sie es geschafft hat, das MVZ zu einer Lehrpraxis der Universität Würzburg zu machen. Studenten können nun hier in Praxissemestern ausgebildet werden. „Für Burgbernheim ist das einfach super“, sagt Carolyn Kunze.
Einen „Herzenswunsch“ hat sich die Allgemeinmedizinerin, die seit 2010 die Zusatzausbildung zur Diabetologin hat, zum 1. März erfüllt: das MVZ ist nun eine diabetologische Schwerpunktpraxis. Diabetiker der Typen 1 und 2 – die beiden häufigsten Formen der Stoffwechselerkrankung –, Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes, aber auch seltener Zuckerkrankheiten, wie Diabetes im Volksmund genannt wird, werden hier betreut.
Betroffene Patienten werden nicht nur regelmäßig untersucht und getestet, sie lernen vor allem auch in Schulungen oder Gesprächen, was ihr Diabetes für eine Krankheit ist und wie sie gut damit leben können. Wie erkennt man Symptome eines Unterzuckers, was muss bei Urlaubsreisen bedacht werden, darauf gibt es Antworten, erklärt Carolyn Kunze.
Und auch, welche Insuline es für Diabetes mellitus, also die Autoimmunerkrankung, Typ 1, gibt. Erkrankte des Typs 2 erfahren, was sie tun können, um ihren Blutzuckerspiegel zu senken. Die Medizinische Fachangestellte Jessica Frühauf wird gerade zur Diabetischen Assistentin ausgebildet und steht kurz vor dem Abschluss, danach wird sie eine Weiterbildung zur Diabetischen Beraterin machen und Carolyn Kunze unterstützen.
Der Schwerpunkt auf Diabetologie ermöglicht dem MVZ nun, auch Patienten aus anderen Praxen zu betreuen. Freilich nur im Bezug auf die Diabetes-Erkrankung, betont Carolyn Kunze. Ziel sei es nicht, den Kollegen die Patienten wegzunehmen, sie können diese aber bei Diabetes an das MVZ überweisen.
Ein Mediziner im Landkreis nehme diese Möglichkeit bereits wahr und es klappe super. Weitere Kooperationen wünscht sich Kunze, die in ihrem Haus noch einige Kapazitäten sieht. Allein im MVZ Burgbernheim betreut das Team gut 300 Patienten mit Diabetes. Ärztlich betreut zu werden bei dieser Krankheit ist wichtig, betont die Medizinerin. „Es ist nicht nur das bisschen Zucker. Es steckt viel dahinter, es fällt halt erstmal nicht auf: Die Quittung kriegt man erst viel später.“