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Ansbach: Auch auf der Intensivstation geht es um Würde

Am 23. Mai feiert die Bundesrepublik Deutschland den 75. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es im ersten Artikel der Verfassung. Die FLZ hat Menschen in der Region gefragt, was dieser Satz für sie bedeutet.

Carina Nefzger ist Gesundheits- und Krankenpflegerin am Klinikum Ansbach. Die 39-Jährige arbeitet seit 2007 auf Intensivstationen, seit 2012 in Ansbach. Wenn es um die Würde des Menschen geht, bezieht sich die Burgoberbacherin auf den Philosophen Immanuel Kant (1724 bis 1804). Für ihn hätten Menschen immer einen Wert.

Dies bedeutet, wie sie betont: Sie haben eine Würde. „Ein Mensch bleibt immer wertvoll, egal ob er zum Beispiel krank oder alt ist“, sagt Carina Nefzger. Diese Sichtweise gefällt ihr. Sie passt dazu, wie sie zu ihrem Beruf steht: „Jeden Menschen, der hereinkommt, behandle ich gleich und auf Augenhöhe.“

Blickkontakt und Begrüßung sind wichtig

Wenn sie Patienten gegenübertritt, sucht sie den Blickkontakt und begrüßt sie, wenn sie wach sind. Die Menschen sind teilweise hilflos oder verängstigt. In deren unterschiedlichen Lebenslagen auf der Station bemüht sie sich, die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen, wahrzunehmen und zu würdigen. Dazu zählt, ein Stück Privatsphäre zu schützen, indem sie zum Beispiel die Tür schließt, wenn sie sie wäscht.

Gewalt und Übergriffe schließen sich ohnehin aus. Allerdings gilt es für sie überdies, den Patienten nicht ihren Willen aufzuzwingen – etwa „wenn sich jemand am Morgen nicht waschen lassen will“. Doch es gebe Situationen, „in denen Patienten renitent und aggressiv zu uns auf Station kommen“. Sie müsse man ebenso mit Würde behandeln, auch wenn man ihnen Grenzen setzt.

Rücksicht auf Angehörige

Immer ist Carina Nefzger wichtig, „dass die Patienten schmerzfrei sind, keine Angst haben, sich gut aufgehoben fühlen und sicher sind“. Der Tod spielt auf der Station eine besondere Rolle. Ihr Blick ruht aber genauso auf den Angehörigen, die vielleicht das letzte Mal mit der Patientin oder dem Patienten zusammen sind.

Würde ist der 39-Jährigen über den Tod hinaus ein Anliegen. Wenn sie Menschen nach ihrem Ableben in den Keller des Krankenhauses bringt, hält sie hier noch einen Moment inne, sieht sich die Verstorbenen bewusst an und wünscht ihnen noch einmal alles Gute.

Carina Nefzger arbeitet im Krankenhaus. (Foto: ANregiomed/Tyler Larkin)
Carina Nefzger arbeitet im Krankenhaus. (Foto: ANregiomed/Tyler Larkin)
Carina Nefzger arbeitet im Krankenhaus. (Foto: ANregiomed/Tyler Larkin)

Oliver Herbst
Oliver Herbst
... schreibt seit seinem 16. Lebensjahr für die Fränkische Landeszeitung. In über 30 Jahren lernte er dabei viele Menschen und ihre Geschichten kennen - von Burghaslach bis Mönchsroth und von Windsbach bis Schnelldorf. Seit 2014 gehört er zum Team der Lokalredaktion Ansbach.
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