In einem Ansbacher Supermarkt hat es einen Schusswechsel infolge eines Amoklaufs gegeben – 15 Patientinnen und Patienten werden innerhalb kurzer Zeit ins ANregiomed-Klinikum Ansbach eingeliefert. Das ist die Ausgangssituation einer digital gesteuerten Simulation, der sich die Notfallärzte und ‑Pflegekräfte stellen mussten.
Auch andere Szenarien wären laut einer Pressemitteilung von ANregiomed denkbar: Was passiert, wenn viele Menschen nach einem Großfeuer, einer Massenkarambolage auf der Autobahn oder einem Zug- oder Busunfall von Rettungsdiensten im Minutentakt ins Klinikum Ansbach eingeliefert werden? Wie laufen Erstversorgungen und Schmerzbehandlungen in den Schockräumen ab?
Wie sich das ANregiomed-Team verhalten soll, wenn es mit einer Vielzahl von Verletzten zu tun hat, konnten die zuständigen Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte digital simuliert üben. Das Programm ist noch in der Entwicklung und wurde in Ansbach erstmals außerhalb des Entwicklungskonsortiums an einem Klinikum getestet. Gearbeitet wurde in zwei Teams aus jeweils fünf Mitgliedern: zwei Ärzte, zwei spezialisierte Pflegekräfte und ein Notfallkoordinator. Die Fachkräfte waren an den digitalen Endgeräten live dabei, als Avatare mit sichtbaren Verletzungen von Rettungsdiensten eingeliefert wurden. Sie mussten entscheiden, wer, wie und mit welcher Dringlichkeit versorgt wird.
„Wir trainieren im Echtzeitverlauf mit Patienten, die zwar nur digital bluten, aber die Schockraumteams müssen die gleichen Entscheidungen treffen wie in der Wirklichkeit. Das sind außergewöhnliche Stresssituationen, in denen es aufs perfekte Teamverhalten ankommt“, wird Dr. Tobias Hübner, Chefarzt der Notaufnahme, zititert.
Das simulierte Vorgehen erspart der Pressemitteilung zufolge Aufwand und Kosten gegenüber einer realen Simulation. Eine Übung mit Menschen, die Verletzte darstellen, und einem tatsächlichen Einsatz in der Notaufnahme koste rund 50.000 Euro. Bei der Simulation hingegen fällt nur die Arbeitszeit der Teilnehmenden an. Denn das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Weiterhin beteiligt am Projekt „Digitale Dynamische Patienten- und Lagesimulation“ sind die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt, der Malteser Hilfsdienst, das Klinikum Nürnberg und der Software-Entwickler nVista technologies aus Nürnberg.