Groß feiern will Kommando Grimm nicht. Seit zehn Jahren gibt es die Theatergruppe. Es spielt zum kleinen Jubiläum lieber ein Stück, dessen Titel gut zu den erfolgreichen Märchen-Aktivisten passt: „Hans im Glück“. Pünktlich am ersten Advent hat die Produktion in den Ansbacher Kammerspielen Premiere. Sonntag, 30. November, um 15 Uhr.
Die Idee, „Hans im Glück“ zu inszenieren, diskutierten die Theaterleute immer einmal wieder. Thorsten Siebenhaar war lange dagegen: „Bitte nicht, das ist so undramatisch“, meinte der. Natürlich hat er recht. Es gibt keinen klassischen Konflikt. Dramaturgisch ist das Märchen eine Herausforderung und weit weg von der Haltung der meisten: „Welcher Zuschauer wird sagen: Na klar, tausche ich Gold gegen Kuh und Schwein und zum Schluss habe ich gar nichts mehr?“, fragt Siebenhaar rhetorisch.
Katja Schumann hingegen gefällt das Märchen. „Das ist eine schöne Geschichte“. Das Publikum, dem Kommando Grimm im Frühjahr drei Stücke per soziale Medien zur Wahl stellte, sah es ähnlich wie die Schauspielerin und Regisseurin. „Hans im Glück“ also. Damit daraus ein Familienstück mit Musik wird, musste Heiner Bomhard, der Hausautor der Gruppe, ans Werk.
Sein Ausbau-Auftrag war klar: Es sollte keine „stumpfe Übergabe“ von Dingen und Tieren werden. „Wir können ja nicht eine junge Darstellerin engagieren und dann spielt sie nur das Schweinchen und eine Bäuerin“, erklärt Schumann. Also „irgendeine Art von Liebesgeschichte” sollte mit rein. Siebenhaar stimmt zu: „Die brauchen wir ja auch für die zentrale Ballade, die die Kochs komponieren.” Ulrike und Thomas Koch haben, wie in den Jahren zuvor, die Musik geschrieben. Zusammen mit dem Saxophonisten und Klarinettisten Matthias Zippel werden sie die in jeder der rund 50 Vorstellungen auch live aufführen.
Die Interpretation des Stoffes geht dabei tiefer als der Märchentext, der sich vordergründig nur als Schwank verstehen lässt. Schumann liest in dem Märchen die „Reduktion auf immer weniger und weniger”. Bis Hans am Ende nichts mehr hat. „Aber bei uns findet er Freunde und vielleicht auch die Liebe – das würden wir jetzt mal offen lassen.”
Den Titelhelden der Geschichte sieht sie als jemanden, „der ein bisschen anders ist als die anderen Kinder“. Er sei jemand, der vielleicht langsamer denke, aber dafür gerne teile, sagt Schumann. Es gebe ja auch Menschen, die so seien wie der Hans.
Schumanns Regie-Ansatz ist das „Spiel im Spiel“: Vier Personen treffen sich und beschließen: „Komm, wir spielen ,Hans im Glück‘’“ Alle tragen ein Grundkostüm, das sich je nach Episode wandeln kann, um etwa Pferd, Kuh, Schwein oder Gans darzustellen. Josa Butschkau, das tapfere Schneiderlein der vergangenen Saison, ist nun der Hans im Glück. Friederike Neutze ist neu im Ensemble, altgedient sind Peter Huber und Thorsten Siebenhaar. Letzterer freut sich, dass er unter anderem ein Tier spielen darf, das er noch nie gespielt hat. Welches? Ist bis zur Premiere ein Geheimnis.
Apropos Tiere: Vor denen, beruhigt Katja Schumann muss sich niemand fürchten. Während das wilde Wildschwein im „Tapferen Schneiderlein” manche im Publikum verschreckt hat, versichert sie fürs neue Stück: „Alle Tiere sind ganz süß.”