Astrid Natho kleidet am Theater Ansbach Pinguine ein | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 27.12.2024 17:40

Astrid Natho kleidet am Theater Ansbach Pinguine ein

Von Astrid Nathos Schultern baumelt ein Maßband. An der Pinnwand hängt eine Zeichnung mit drei tanzenden Pinguinen – oder vielmehr mit drei Schauspielern in Pinguin-Kostümen. Astrid Natho hat die Kleidung entworfen und genäht. Die 55-Jährige ist Schneiderin am Theater Ansbach.

Vom Theater fasziniert war Astrid Natho schon als Gymnasiastin in Dieburg bei Darmstadt, wo sie für Schulaufführungen Kostüme konzipierte. Nach dem Abi machte sie eine Schneiderlehre, die Gesellenzeit absolvierte sie am Staatstheater in Wiesbaden. Es folgte eine Weiterbildung an der Deutschen Meisterschule für Mode in München, die Natho als Schneidermeisterin und Modegestalterin abschloss. „Danach war ich einige Jahre selbstständig und dann zwölf Jahre Handarbeitslehrerin an der Waldorfschule in Erlangen“, erzählt Astrid Natho, die in Zirndorf wohnt. „Ich habe zwei Kinder, und die Arbeit als Lehrerin ließ sich mit der Familie gut vereinbaren.“

Von der Schule zur Bühne

An der Schule gestaltete sie „die Kostüme für die Klassenspiele“, zudem baute sie einen Kostümfundus auf. „Nach den zwölf Jahren als Lehrerin wollte ich aber wieder so richtig ans Theater“, sagt Natho. „Und am Theater Ansbach wurde eine Schneiderin gesucht.“ Gemeinsam mit ihrer Kollegin Christina Wachendorff ist Natho nun für die Bereiche Schneiderei, Fundusverwaltung und Requisite zuständig.

Als Garderobiere steht sie außerdem bei Vorstellungen bereit, um den Schauspielerinnen und Schauspielern beim schnellen Umziehen zu helfen. Besonders wichtig war diese Unterstützung bei der Erfolgsproduktion „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“; in dem Handke-Stück kamen mehr als 250 Kostüme zum Einsatz, so dass sich die Darsteller ständig am Bühnenrand umzukleiden hatten.

Auch wenn Kostüme bis zur nächsten Vorstellung frisch gewaschen und gebügelt sein müssen, kümmert sich das Schneiderei-Team darum. Die Arbeitszeit wird somit stets an die Aufführungstermine angepasst, viel Flexibilität ist daher nötig. „Weil meine Kinder inzwischen erwachsen sind, kann ich das möglich machen“, erklärt die 55-Jährige.

Gummihandschuhe an den Füßen

Ihr Arbeitsplatz ist die Theater-Werkstatt in der alten Post, wo auch der Fundus untergebracht ist. Zuletzt sind hier die Kostüme für jene drei Pinguine und die Taube im aktuellen Weihnachtsstück „An der Arche um Acht“ entstanden. Wer das Stück schon gesehen hat, konnte die originellen Details entdecken: Die Füße der Pinguine bestehen aus orangefarbenen Baumarkt-Gummihandschuhen, mit denen die Schauspielerinnen und der Schauspieler prächtig watscheln können, an einer goldenen Halskette hängt ein kleiner Eisbär, und ein Pinguin trägt zum Frack eine Schwimmweste.

Die Fräcke aller drei Pinguine sind übergroß, zudem hat Natho die Ärmel nochmals verlängert, so dass sie wie Flügel herabhängen. Die Beine stecken in weißen Hosen mit tiefem Schritt – „Rapper-Hosen“ nennt sie die Schneiderin. Für die überkandidelte Taube, die auf der Theater-Arche ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, hat Natho einen barock anmutenden, ausladenden Tüllrock und einen Rüschenkragen überm grauen Federkleid geschneidert.

Theater-Kostüme seien nie nur optische Gestaltungselemente, sondern „haben natürlich auch Auswirkungen auf die Bewegungsmuster der Schauspieler“, erläutert Natho. Logisch – mit den langen Handschuh-Füßen gehen die Darsteller ganz anders als mit Turnschuhen. „Gerade bei unserem Weihnachtsstück wurde schon sehr früh mit den Kostümen geprobt, um sie in die Bewegungsabläufe zu integrieren.“

Bei „An der Arche um Acht“ sowie bei dem Stück „Der Fiskus“, das im Januar wiederaufgenommen wird, zeichnete Natho fürs Kostümbild verantwortlich. Bei anderen Produktionen setzt sie die Ideen des Ausstatters handwerklich um – bei der Freilicht-Komödie des vergangenen Sommers nähte sie zum Beispiel Kostüme im Zwanziger-Jahre-Stil.

Die Personen vor Augen

„Wenn ich ein Stück lese, habe ich sofort die Personen vor Augen“, sagt Natho. „Wenn ich dann mit eigenen Entwürfen arbeiten kann, in Abstimmung mit der Regie, ist das toll. Und für mich als Schneidermeisterin ist es immer am schönsten, wenn ich ein Kleidungsstück selber nähe.“ Oft werden für neue Produktionen allerdings Kleider aus dem Fundus verwendet und umgearbeitet.

Großen Spaß macht der Kostüm-Künstlerin der Kontakt mit all den Theaterleuten – mit denen, die spielen, Regie führen oder für die Ausstattung zuständig sind. „Die Arbeit am Theater ist absolut abwechslungsreich, das liebe ich. Bei jeder Produktion herrscht eine bestimmte, ganz eigene Stimmung.“

„An der Arche um Acht“ steht noch bis Samstag, 28. Dezember, auf dem Spielplan, Karteninfo unter theater-ansbach.de

Astrid Natho in der Theater-Schneiderei: Häufig werden Kleidungsstücke aus dem Fundus umgearbeitet, am liebsten näht die Schneidermeisterin aber neue Kostüme nach eigenen Entwürfen. (Foto: Lara Hausleitner)
Astrid Natho in der Theater-Schneiderei: Häufig werden Kleidungsstücke aus dem Fundus umgearbeitet, am liebsten näht die Schneidermeisterin aber neue Kostüme nach eigenen Entwürfen. (Foto: Lara Hausleitner)
Astrid Natho in der Theater-Schneiderei: Häufig werden Kleidungsstücke aus dem Fundus umgearbeitet, am liebsten näht die Schneidermeisterin aber neue Kostüme nach eigenen Entwürfen. (Foto: Lara Hausleitner)

Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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