Der bundesweite Tag des offenen Denkmals steht in Rothenburg dieses Jahr ein bisschen im Schatten der Reichsstadttage, findet er doch am Reichsstadttage-Sonntag, 8. September, statt. Ein genauer Blick auf das Programm lohnt sich aber – und sich ein paar Stündchen Zeit abzuzwacken auch. Sogar der Oberbürgermeister gestaltet eine Führung.
Drei historische Gebäude stehen im Fokus: das RothenburgMuseum, das Franziskanerkloster und die Jakobskirche. Eine vierte Runde führt „in den Stadtraum“, wie es der Tourismus Service (RTS) nennt.
Den Beginn macht gleich der bereits erwähnte Oberbürgermeister. Dr. Markus Naser startet seine Führung um 10 Uhr in der Herrngasse am einstigen Franziskanerkloster. Dazu schreibt das RTS: „Die Kirche gilt als eines der Wahrzeichen Rothenburgs, prägt die Stadtsilhouette beim Blick aus dem Taubertal.“
Doch am 8. September soll es aber um die weiteren Anlagen des Klosters gehen: Der Oberbürgermeister – „Historiker und einst Vorsitzender im Verein Alt -Rothenburg“ – gehe in der Führung „speziell auf die wechselhafte Nutzung der angrenzenden Klostergebäude als Schule oder Lager ein“.
Nachgefragt beim OB, meint dieser, dass es für ihn eine Herzensangelegenheit sei, sich beim Aktionstag einzubringen – auch wenn es ein stressiges Wochenende sei wegen den gleichzeitig stattfindenden Reichsstadttagen.
Naser: „Ich habe mir ein Objekt ausgesucht, bei dem wir nicht wissen, wie es in Zukunft damit weitergeht. So ehrlich muss man sein.“ Und wo man normalerweise nicht reinkomme: das ehemalige Goethe-Institut in der Herrngasse, das auch schon Schule war.
Unter anderem deshalb haben Naser zufolge einige Einheimische auch einen Bezug dazu. Der Oberbürgermeister hat ungefähr 45 Minuten für seine Führung veranschlagt, abhängig ist das auch ein bisschen von den möglichen Fragen der Teilnehmenden.
Eine Stunde später, um 11 Uhr, führt Stadtheimatpfleger Gustaf Weltzer unter dem Titel „Geheim, unerwartet, offensichtlich – Zeitzeugen im Stadtbild“ ab dem Brunnen am Marktplatz durch die Altstadt: „Er blickt genauer auf bekannte Wahrzeichen wie das Plönlein und entdeckt eher unbekannte wie Wappensteine in kleinen Nebengassen.“
Auf „die Suche nach Wahrzeichen“ macht sich auch Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann in der Jakobskirche. Ab 14 Uhr nimmt er „den Heilig-Blut- und Zwölfboten-Altar, die reich geschmückten Fenster im Ostchor sowie weitere christliche Symbole in der Stadtkirche unter die Lupe“. Treffpunkt ist in der Kirche in der vordersten Bankreihe.
Die „Zeugnisse jüdischen Lebens“ bringt Lothar Schmidt im RothenburgMuseum ab 16 Uhr näher. Während das einstige Dominikanerinnenkloster an sich schon ein Denkmal ist, zeugen in seinem Kreuzgang die jüdischen Grabsteine vom einstigen Friedhof von der jüdischen Gemeinde. In der Judaika-Sammlung wird Schmidt die Bedeutung der Gemeinde für die Entwicklung Rothenburgs erläutern.
Alle Führungen im Rahmen des Tages des offenen Denkmals sind kostenfrei. Eine Anmeldung unter stadtarchiv@rothenburg.de wird erbeten.