Bier aus Uffenheim: Das Ende des Brauer-Ödlands? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 23.08.2024 18:55

Bier aus Uffenheim: Das Ende des Brauer-Ödlands?

Christian und Sabrina Konyen stehen hinter der Marke „Uffni-Bräu“. Schon am Uffenheimer Kirchweihfreitag dürfen alle Bierfreunde den neuen Tropfen erstmals probieren. (Foto: Johannes Zimmermann)
Christian und Sabrina Konyen stehen hinter der Marke „Uffni-Bräu“. Schon am Uffenheimer Kirchweihfreitag dürfen alle Bierfreunde den neuen Tropfen erstmals probieren. (Foto: Johannes Zimmermann)
Christian und Sabrina Konyen stehen hinter der Marke „Uffni-Bräu“. Schon am Uffenheimer Kirchweihfreitag dürfen alle Bierfreunde den neuen Tropfen erstmals probieren. (Foto: Johannes Zimmermann)

Uffenheim ist gewissermaßen Bierbrauer-Ödland. Nachdem die Brauerei Geuder 1988 ihre Pforten schließen musste, wird im Städtchen kein Bier mehr produziert. Doch einer macht sich nun auf, die Uffenheimer Gerstensaft-Ehre zu retten. Sein Name: Christian Konyen. Seine Mission: traditionelle Braukunst. Er will seine Privatbrauerei „Uffni-Bräu“ etablieren.

Christian Konyen ist nicht unbedingt der Brauer aus dem Lehrbuch, erst viele Umwege haben die Bier-Passion im 39-Jährigen geweckt. Im Brotberuf heizt der Uffenheimer mit bis zu 250 Sachen kreuz und quer durch die Republik. Nein, Konyen ist kein Rennfahrer, sondern vielmehr ICE-Lokführer. Deshalb pendelt er auch immer wieder zwischen Uffenheim und München.

Traum vom Bierstüberl

Menschen sicher von A nach B zu bringen, das taugt Christian Konyen auch nach wie vor. Aber mittlerweile gibt es da einen Stern am Berufshimmel, der sogar noch ein bisschen heller strahlt: der Traum vom eigenen Bierstüberl, mitten in Uffenheim. Aus den Zapfhähnen fließt die Heimatreihe des Uffni-Bräu. Auf den Tellern werden Bierbratwürste mit Treber-Holzofenbrot serviert, beide Rezepte aus der Feder von Konyen und von seinem Gaumen höchstselbst freigegeben.

Flitterwochen als Gärkeller-Reise

Der September 2020 darf dabei als Samen jener Pflanze gesehen werden, die sich Uffni-Bräu nennt. Alles begann mit einer Brauereiführung samt Verkostung. Zwar war Christian Konyen auch zuvor Bier durchaus nicht abgeneigt, „aber ich habe mir keine großen Gedanken gemacht, was da eigentlich dahintersteckt“. Aber dieses große Sudhaus, die Zutaten aus der Region, das Zauberwerk des Brauens. „Ich bin mehr und mehr auf den Geschmack gekommen.“ Und plötzlich wird der Uffenheimer zum Bier-Sommelier.

Brauereien abgeklappert

„Wir haben zahlreiche Brauereien in München und Oberbayern abgeklappert“, sagt Konyen. Immer an seiner Seite: Ehefrau Sabrina. Sie unterstützt ihren Christian, sogar die Flitterwochen nach der Hochzeit – wie sollte es anders sein – führten das Paar in Brauereien. Von Garmisch bis Bayreuth dürften sie so ziemlich jeden Gärkeller im Freistaat gesehen haben. „Wir haben uns von Brauereiführung zu Brauereiführung gehangelt“, sagt Sabrina Konyen und lacht. Christian Konyen zeigt auf ein Wandregal: Beide Ebenen sind randvoll mit Krügen – Souvenirs von jedem Bierausflug.

Eine Szene, die zusammenhält

Mit jedem Tropfen Qualitätsbier erwacht im Mittlerweile-Bier-Profi die Sehnsucht, selbst Bier zu brauen. Er absolviert Seminare, nimmt an Hobbybrauwettbewerben teil. Er wälzt Bücher, recherchiert im Internet, knüpft Kontakte in die Brauer-Szene. „Der Zusammenhalt ist wirklich enorm“, sagt Christian Konyen. Wenn er eine Frage hat, klingelt er einfach bei Brau-Kollegen durch und hält ein Fachpläuschchen. Vor allem bei der Gärführung ist das beim 39-Jährigen immer wieder der Fall.

Passender Hopfen

Er schaut nach passendem Hopfen und Malz. Und dann stellt sich nichts geringeres als die Frage der Fragen: „Wie fängt man eigentlich an?“ Im Kochtopf in der heimischen Küche? „Ich war da mehr fürs Handwerkliche.“ Schließlich spielt ihm das Glück in die Karten: Just in dieser Zeit überweist die Bahn die Corona-Bonuszahlungen. „Davon habe ich mir meine eigene Brauerei-Anlage gekauft – und es ging endlich los.“

Mai 2022: Einen Tag vor seinem Geburtstag steht der erste Sud auf der Tagesordnung. Mittlerweile kamen natürlich noch einige dazu. Nur zwei davon musste er letztlich im Abguss entsorgen. Irgendetwas stimmte mit der Hefe nicht, „das hat geschmeckt wie Essig“. Ein Tag Arbeit versaut. Ärgerlich, „aber man lernt aus solchen Fehlern“. Generell ist die Hygiene beim Brauen das A und O, betont Konyen. „Ich bin mehr mit dem Putzen als mit dem Brauen beschäftigt.“ Ab und an macht der Uffenheimer auch Doppelsude. „Dann steht man 16 Stunden an der Anlage, da merkt man abends doch den Rücken.“

Der heimatlichen Tradition verbunden

Nach den ersten geglückten Braudurchgängen fehlt eigentlich nur noch ein Name. „Uffni-Bräu“ wird geboren. Schließlich fühlt sich Christian Konyen den heimatlichen Traditionen verbunden und bekommt viel von Stammtischen mit. Solche gibt es viel zu wenig, findet der 39-Jährige. Alt und Jung müssten häufiger zusammenkommen, mit mehr Stammtischen wäre die Welt eine bessere, davon ist Konyen überzeugt.

Würzburger Torturm als Heimatbekenntnis

Logo, Behörden-Bürokratismus, Abfüller: Wer eine eigene Privatbrauerei führen will, der braucht Zeit. Mittlerweile ziert das Zwiebeltürmchen des Würzburger Torturms als das Uffenheimer Erkennungszeichen schlechthin die ersten Flaschen. Denn Konyen hatte eine Idee: Heuer stehen in Uffenheim gleich mehrere Jubiläen an – 675 Jahre Stadtrecht und 50 Jahre Verwaltungsgemeinschaft. Wieso zu diesem Anlass also kein Festbier brauen?

Wie ein dunkler Bernstein ist es in der Farbe, malzbetont, eine Bitterhopfung, ungefiltert. 5,5 Prozent Alkohol stehen auf dem Etikett. 9,5 Hektoliter sind es geworden, eine Neuauflage des Festbieres wird es in der Zukunft nicht mehr geben. Eine solche Menge schafft Konyen allerdings nicht selbst auf seiner Uffenheimer Garagen-Anlage. Lohnbrauen heißt des Rätsels Lösung. Der Bier-Erfinder kann sein Rezept einreichen, die engagierte Brauerei setzt es in die Tat um – in Konyens Fall waren das die Drei Kronen in Memmelsdorf (Landkreis Bamberg).

Auf dem Wochenmarkt

Bisher hatten nur diese Zeitung und die Uffenheimer Stadträte – neben Familie und Freunden von Konyen – die Gelegenheit, das Uffni-Bräu zu verkosten. Aber keine Sorge: Das wird sich schon bald ändern. Am Kirchweihfreitag wird das neue Uffenheimer Bier auf dem Wochenmarkt von 14 bis 17 Uhr seine Premiere feiern. Auch auf dem Vereinsfest am 7. September und auf dem Marktfest am 13. September sind die Konyens mit einem Stand vertreten.

Beim Vereinsfest dann vielleicht sogar schon mit einer weiteren Uffni-Bräu-Spezialität: der Bierbratwurst. Und auch zu Musikern sucht Christian Konyen Kontakt. Denn: „Musik und Bier verbinden.“ Spätestens bei seinem ersten eigenen Bockbierfest – Ort und Datum stehen noch nicht – soll auch seine Musi aufspielen, die Hochzeitsband der beiden.

Christian Konyen hat außerdem schon zwei Bierfilz-Variationen in Auftrag gegeben, durchnummeriert als Sammlerstück. Außerdem plant er eine Heimatbier-Reihe. 2025 soll das Uffni-Bräu-Helle den Markt erobern, ein Weizen soll es geben sowie verschiedene Bockbiere. Es werden ausschließlich Lagerbiere sein, „weil ich ein großer Fan davon bin“. Aber beispielsweise könnte sich der Uffenheimer ebenfalls ein spezielles Maienköniginnen-Bier gut vorstellen. Schließlich hat das Walpurgi-Fest in Uffenheim eine lange Tradition.

Ein Nebenjob für die Hobby-Finanzierung

Doch bevor aus seinem Hobby das Geld fließt, muss erst einmal kräftig investiert werden. Um das zu finanzieren, hat Christian Konyen neben seiner Lokführer-Tätigkeit noch einen Nebenjob als Schankwirt in den Münchner Stuben angenommen und wird als solcher heuer auch Wiesn-Premiere feiern. „Die kompletten Einnahmen daraus fließen in Uffni-Bräu.“

Das Festbier ist abgefüllt, das Logo steht, der Weg für Uffni-Bräu scheint geebnet. Nun hoffen die Konyens, dass den Uffenheimern ihr Bier schmeckt. Christian Konyen träumt schon vom eigenen Uffni-Bräu-Bierstüberl in Uffenheim. Damit die bierischen Ödlandzeiten im Städtchen endgültig der Vergangenheit angehören.

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