Mit den eigenen Händen Dinge schaffen und erschaffen – das machen zahlreiche Handwerkerinnen und Handwerker jeden Tag. In einer Serie stellt die FLZ erfolgreiche Nachwuchstalente aus Westmittelfranken und ihre Berufe vor. Diesmal geht es um Orgelbauer Christoph Lachmann.
Orgeln sind für viele junge Menschen nur komisch klingende Klaviere, auf denen Kirchenlieder gespielt werden. Nicht so für Christoph Lachmann. Der 22-jährige Stübacher (Gemeinde Diespeck im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) hat sein Hobby zum Beruf und eine Ausbildung zum Orgelbauer gemacht. Dabei ist er sowohl Kammer- als auch Landessieger geworden.
In der Orgelbau-Werkstatt in Oberasbach arbeitet der 22-Jährige gerade an der technischen Anlage einer Pfeifen-Orgel und tauscht kleine Verschleißteile aus. „Dabei sind Feinmotorik und Geduld wichtig“, erklärt Christoph Lachmann.
Vor ihm liegt ein Registerzugmotor. Das elektrische Bauteil hat vorne einen Metallzylinder. Der hintere Teil besteht aus Holz und ist mit kleinen Drähten, Magneten und Spulen gefüllt. Mit seinen Fingerspitzen tauscht er vorsichtig ein winziges Metallstück aus und erklärt die technischen Hintergründe: „Die Luft kommt über kleine Löcher in die Pfeifen und erzeugt den Ton. Dieser Zugmotor hier sorgt dafür, dass sich die Löcher per Register öffnen und schließen lassen. Beim Spielen kann ich dann die Register ziehen und die Klangfarbe ändern. Das Prinzip ist wie bei einer Blockflöte“, sagt er.
Seine Begeisterung für das Instrument hatte sich schon früh entwickelt. „Ich hab mit vier Jahren angefangen, Klavier zu spielen, und mit ungefähr sechs hab ich mich dann in der Kirche an meine erste Orgel gesetzt“, erzählt Lachmann. Mittlerweile begleitet er an drei Sonntagen im Monat den Gottesdienst in den Neustädter Ortsteilen Birkenfeld und Schauerheim.
Dadurch lernte er seinen jetzigen Chef kennen und nach mehreren Praktika und Ferienarbeit entschied er sich für die Ausbildung als Orgelbauer: „Ich wusste dann ja, was auf mich zukommt, und hab mein Hobby zum Beruf gemacht.“
Die Ausbildung zum Orgelbauer dauert rund dreieinhalb Jahre. Für ganz Deutschland gibt es nur eine Berufsschule, und zwar in Ludwigsburg bei Stuttgart. „Dort haben wir vor allem die Theorie gelernt, ich bin aber eher der praktische Typ“, sagt er lachend. Dennoch hat Christoph Lachmann die Ausbildung mit einem Notendurchschnitt von 1,9 abgeschlossen, der ihn zum Landessieger machte. „In meinem Jahrgang gab es aber, glaube ich, nur einen Konkurrenten“, fügt er bescheiden an.
Danach hat ihn sein Chef übernommen. In der Werkstatt in Oberasbach ist er jedoch eher selten anzutreffen, denn hauptsächlich ist der junge Handwerker mit dem Geschäftsauto auf Montage unterwegs. Ungefähr 90 Prozent der Aufträge stammen von Kirchen. „Die haben Pflegeverträge mit uns, das heißt alle ein, zwei Jahre schauen wir vorbei und warten beziehungsweise restaurieren die Orgeln.“
Bei einer großen Kirchenorgel kann das auch mal mehrere Monate dauern. Hierbei sei ein gutes Gehör wichtig, denn „jede Orgel ist ein Unikat und reagiert sensibel auf Feuchtigkeit und Temperatur“. Dadurch kann sich das Holz verziehen oder die Tonhöhe ändern. Am Ende der Restaurierung muss Christoph Lachmann die Orgel wieder neu stimmen.
Gibt es auch etwas, was ihm nicht gefällt? „Im Winter ist es in den Kirchen richtig kalt. Auch körperlich kann es anstrengend sein, wenn eine Orgelpfeife mal 40, 50 Kilo wiegt“, erzählt der junge Handwerker. „Aber wenn ich dann zum ersten Mal auf einer Orgel spiele, die ich selbst zusammengebaut habe, ist das etwas Besonderes.“