Das Markt Erlbacher Hauptstraßen-Projekt ist fast fertig | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 20.11.2024 07:00

Das Markt Erlbacher Hauptstraßen-Projekt ist fast fertig

Im Aufenthaltsraum des neuen Übergangswohnens für psychisch Erkrankte sprachen über das ungewöhnliche Projekt (von links) Sonja Borzel, Stefan Paulus, Anja Kohles, Nadine Paulus, Birgit Kreß und Denny Spyra. (Foto: Ulli Ganter)
Im Aufenthaltsraum des neuen Übergangswohnens für psychisch Erkrankte sprachen über das ungewöhnliche Projekt (von links) Sonja Borzel, Stefan Paulus, Anja Kohles, Nadine Paulus, Birgit Kreß und Denny Spyra. (Foto: Ulli Ganter)
Im Aufenthaltsraum des neuen Übergangswohnens für psychisch Erkrankte sprachen über das ungewöhnliche Projekt (von links) Sonja Borzel, Stefan Paulus, Anja Kohles, Nadine Paulus, Birgit Kreß und Denny Spyra. (Foto: Ulli Ganter)

Es ist ein besonderes Objekt, das allen Beteiligten eine Extra-Portion Einsatz abverlangte. Jetzt ist ein Markstein erreicht: Das neue Gebäude neben dem ehemaligen Gasthof Hagen wurde der AWO übergeben.

Bauherrin ist nicht der Markt, sondern die Familie Wust/Paulus, die ansonsten eher durch Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien bekannt ist.

Auch für Nadine Paulus waren es deshalb zwei besondere Jahre, die gestern mit der Übergabe zumindest für diesen Gebäudeteil endeten: Sie fuchste sich gemeinsam mit dem Architekten Denny Spyra und ihrem Mann Stefan Paulus so in Baufragen hinein, dass am Schluss eine hohe Identifikation mit dem Neubau in der Hauptstraße entstand. Ein Beispiel: „Als die Planänderung vom Mutter-Kind-Haus zum Übergangswohnen für psychisch Erkrankte kam und es hieß, dass dafür in den schönen, hellen Aufenthaltsraum im Erdgeschoss eine Wohnung gebaut werden soll, waren wir uns alle drei einig, dass das nicht passieren darf.“

Auch auf Seiten des Betreibers, des AWO-Bezirksverbandes Ober- und Mittelfranken, war Pioniergeist und viel Überzeugungsarbeit gegenüber dem Bezirk nötig. Denn ein solches Übergangswohnen für psychisch Erkrankte gibt es in Bayern noch kaum. Für den Bezirksverband ist es tatsächlich das erste derartige Objekt. Der Bedarf sei groß.

Tagesstruktur für psychisch Erkrankte

Im Neubau sollen acht psychisch Erkrankte zum Beispiel nach einem Klinikaufenthalt allmählich wieder in ein selbstständigeres Leben geführt werden, erläuterte Anja Kohles, die Abteilungsleiterin für Eingliederungshilfe bei der AWO. Sie rechnet damit, dass im März die ersten Menschen die Wohnungen beziehen. Zuvor gilt es, geeignetes Personal zu finden.

Nebenan ist im ehemaligen Gasthaus Hagen eine Tagespflege geplant. In die oberen Stockwerken werden dauerhaft Menschen mit Pflegebedarf einziehen.

Architektonisch soll sich der Neubau durch seine Putzstruktur und Holzelemente organisch in die Hauptstraße fügen. Für Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß ein deutliches Plus für den Innenort, auch wenn das Amt für Denkmalpflege den Vorgängerbau als „barock“ klassifiziert hatte. „Ich weiß nicht. Ich habe mir unter barock immer etwas anderes vorgestellt.“

Froh über lokal verwurzelte Investoren

Die Gemeinde ist froh darüber, dass mit der Familie Wust/Paulus ortsansässige Investoren gefunden wurden. „Wenn man jemanden von außerhalb nimmt, dann muss man immer Angst haben, dass der während des Baus bankrott geht.“

Verbunden werden der Alt- und der Neubau durch ein zurückgesetztes Treppenhaus mit Aufzug und vielen Glasflächen, das, wie Architekt Spyra erklärt, eine vorsichtige Annäherung der beiden unterschiedlichen Bauteile ermöglicht.

Für den Markt ist wichtig, dass mit der Tagespflege ein weiteres Puzzlestück in das Angebot für Ältere eingefügt wird. Daneben ist das Gemeinschaftswerk – die Gemeinde kaufte das ehemalige Gasthaus samt nebenstehendem Haus, Wust/Paulus bebaute den Grundstücksteil, der an der Hauptstraße liegt, und die AWO betreibt die sozialen Einrichtungen – ein Beleg dafür, dass man im Innenort bauen kann. Es verursacht viel Arbeit, wurde in den Gesprächen am Rande der Übergabe an die AWO deutlich, aber es erfüllte auch alle Akteure mit sichtlicher Zufriedenheit, dass sie so manch dickes Brett schon einzeln und gemeinsam erfolgreich gebohrt haben.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
north