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Veröffentlicht am 05.02.2025 07:00

Der Bauernkrieg war Thema beim Feuchtwanger Karlstag

Dr. Hans Moser, Peter Schlecht und Gerd-Volker Malessa (von links) von der Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte Feuchtwangen referierten beim Karlstag über den Bauernkrieg vor 500 Jahren. (Foto: Friedrich Zinnecker)
Dr. Hans Moser, Peter Schlecht und Gerd-Volker Malessa (von links) von der Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte Feuchtwangen referierten beim Karlstag über den Bauernkrieg vor 500 Jahren. (Foto: Friedrich Zinnecker)
Dr. Hans Moser, Peter Schlecht und Gerd-Volker Malessa (von links) von der Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte Feuchtwangen referierten beim Karlstag über den Bauernkrieg vor 500 Jahren. (Foto: Friedrich Zinnecker)

Mit dem Bauernkrieg im Jahr 1525 in der Region um Feuchtwangen hat sich die Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte im Verein für Volkskunst und Volkskunde Feuchtwangen bei ihrem diesjährigen Karlstag beschäftigt. Gleich drei Referenten befassten sich für gut drei Dutzend Interessierten mit dieser kriegerischen Auseinandersetzung vor 500 Jahren.

Peter Schlecht ging in seiner Einführung auf die damalige turbulente Zeit ein. Es seien nicht nur Bauern gewesen, die den Aufstand gegen die Obrigkeit gewagt hätten, sondern auch Handwerker und Bürger, schlechthin also der „gemeine Mann“. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung sei in ganz Europa latent gewesen. Kriege, Krankheiten und Hungersnöte setzten den Menschen ebenso zu wie die zu entrichtenden Abgaben.

Überdies sei der Glaube in Frage gestellt worden. Schlecht verwies auf die Bibelübersetzung Martin Luthers und an dessen Thesenanschlag zu Beginn der Reformation.

Eine Kette von Aufständen

Der Begriff „Bauernkrieg“ sei etwas irreführend, erklärte Dr. Hans Moser. Es habe sich nicht um einen Krieg im klassischen Sinn mit zwei Fronten gehandelt, sondern um eine Kette von Aufständen im süddeutschen Raum.

Die Ständepyramide mit König, Klerus, Adel und zuletzt Bauern und Bürger habe dazu geführt, dass die Herren von ihren Vasallen Abgaben in Naturalien und Geld verlangten sowie den Frondienst einforderten. Der Zehnt war zu entrichten und alle möglichen Materialien wurden besteuert.

Die Bauern waren das „Melkvieh“ der Obrigkeit. Als sich auch noch die Missernten häuften, war der unterdrückte Stand in seiner Existenz gefährdet. Ohne Vorräte drohte gar der Tod durch Verhungern.

Luthers Rolle beleuchtet

Das reichlich vorhandene Wild fraß die Felder leer, aber die Jagd blieb dem Adel vorbehalten. Ganze Jagdgesellschaften mit ihrer Hundemeute mussten von den darbenden Bauern auch noch verköstigt werden. Die Verzweiflung wuchs, das Aufbegehren setzte ein.

Moser ging auch auf Luthers Rolle ein. Dieser habe sich zunächst auf die Seite der Aufständischen gestellt, aber später in seiner Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten“ eine Bestrafung der Bauern gefordert. Die geknechtete Schicht hingegen forderte die freie Wahl des Pfarrers, das Ende der Leibeigenschaft, das Jagdrecht für alle, die Reduzierung der Frondienste und die Abschaffung willkürlicher Gerichtsurteile.

Gerd-Volker Malessa legte in seinen Ausführungen, gestützt auf die Aufzeichnungen von Kevin Neuberger aus Madison im US-Bundesstaat Wisconsin, den Fokus auf konkrete Ereignisse in Feuchtwangen. Der Bauernkrieg sei fast spurlos an der Kernstadt vorbeigegangen. Allerdings hätten sich die Spannungen zwischen Stadt und Stift durch gegenseitige Vorwürfe hochgeschaukelt. Während es in der Umgebung gebrodelt habe, habe Markgraf Kasimir lediglich angekündigt, dass „die Rebellen in Gewahrsam genommen werden“.

Aufstand wurde blutig niedergeschlagen

Bauern aus den umliegenden Dörfer Wüstenweiler, Krobshausen, Tauberschallbach und Gumpenweiler hatten sich inzwischen dem „Tauberhaufen“ bei Rothenburg und dem „Ellwanger Haufen“ angeschlossen, nachdem in Feuchtwangen selbst kein „Haufe“ aufgestellt worden war.

Volles Haus in der ehemaligen Turnhalle, die vom Campus jetzt vielfältig genutzt wird. Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger sprach über die Bauernkriege und vor allem die Beteiligung von Rothenburg, Ohrenbach und Brettheim. (Foto: Margit Schwandt)
Volles Haus in der ehemaligen Turnhalle, die vom Campus jetzt vielfältig genutzt wird. Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger sprach über die Bauernkriege und vor allem die Beteiligung von Rothenburg, Ohrenbach und Brettheim. (Foto: Margit Schwandt)

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1525 begehrten die „gemeinen Männer” auf. Auch in Rothenburg spielten sich entscheidende Szenen ab. Der Stadtarchivar erklärte im vollen Campus die Hintergründe.

Der Aufstand wurde aber durch einen Feldzug des Markgrafen schließlich blutig niedergeschlagen. „Bluthund“ Kasimir ließ die Anführer der rebellischen Truppen enthaupten. Feuchtwangen war im Wesentlichen verschont geblieben, nur der Nonnenprediger von Kloster Sulz wurde hingerichtet.

Auf die Anfrage von Bürgermeister Patrick Ruh nach verlässlichen Quellen wurde auf das Staatsarchiv in Nürnberg verwiesen. Allerdings seien Schrift und Grammatik nicht einfach zu lesen und zu verstehen, so die Referenten. Der Vortrag war gut strukturiert, der Inhalt mit Mord und Brandschatzung eher schwer verdaulich.


Von Friedrich Zinnecker
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