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Veröffentlicht am 11.01.2025 06:30

Die Hochschule Ansbach bot einen Blick in die Comic-Szene

Eine Lesung der besonderen Art fand am Donnerstag in der Hochschul-Bibliothek statt. Zum ersten Comic-Vortrag in Ansbach waren Anastasia Braun, Lisa „Mullana“ Schmidt und Jeff Chi zu Gast. Unter dem Titel „Talking Heads“ präsentierte das Netzwerk Comic in Bayern diese Veranstaltung.

Comics einem weiteren Publikum erschließen wolle man mit dieser Lesereihe, erklärte Professor Sebastian Stamm, der im Bereich „Visualsierung“ lehrt. Unterstützt werden die jungen Zeichnerinnen und Zeichner durch Comic in Bayern, einer Initiative der IO, des Berufsverbands „Illustratoren Organisation“ als Projektträger, der auch bei der Beantragung von Fördergeldern hilft.

Comics für Erwachsene

Ein vorwiegend junges Publikum – für einige Studierende als Pflichtveranstaltung – hatte sich zu dieser Lesung eingefunden. Comic, so scheint es, ist eine ganz eigene Szene, die sich im Gegensatz zu den klassischen Vorreitern wie Micky Mouse, Asterix oder Fix und Foxi vornehmlich an ein erwachsenes Publikum wendet. Hier scheinen die Möglichkeiten unbegrenzt.

Die Vortragenden verfolgen höchst unterschiedliche Konzepte, durch die offensichtlich wird, wie heterogen die ganze Szene ist. Es gibt keine allgemeine Form, sondern Sparten wie 24-Stunden-Comics, Solarpunk, Cyberpunk, Hopepunk, Climate Fiction und mehr. Kategorien, die es dem unbedarften Leser schwer machen dürften, sich zurechtzufinden.

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Comics als Spiegel der Zeit

Jede dieser Nischen hat ihre eigene Philosophie, mitunter mit scharf abgesetzten Kontrasten, etwa wenn sich der optimistisch positive Solarpunk am düsteren Cyberpunk reibt. In der Mitte der Gesellschaft anzukommen dürfte sich auf diese Weise als problematisch erweisen, ist aber Spiegel unserer desorientierten Zeit.

Und es ist interessant. Hinter vielen dieser Comics verbirgt sich der Versuch, sich einer Welt anzunähern, die immer weniger greifbar, konkret, verstehbar ist. Besonders sichtbar wird dies bei den Arbeiten von Lisa Schmidt, die unter dem Künstlernamen „Mullana“ firmiert.

Eher düster, mystisch verwirrend ist der Beitrag „Allnacht“ von Anastasia Braun, eine Bachelor-Arbeit. Die beiden Hauptfiguren, ein Mädchen, das ein wenig aufdringlich wirkt, und ein Junge, der sehr verloren scheint, arbeiten sich aneinander ab. Eine spannende Geschichte, die jedoch viele Fragen offenlässt.

Ihre Comics sprechen viele Themen an, sind höchst unterschiedlich in der Machart, probieren sich aus, experimentieren, testen – ein breiter Katalog, der seinen Schwerpunkt noch sucht. Im Brotberuf Illustratorin ist ihr das Zeichnen zur zweiten Natur geworden. „Ich bin süchtig danach“, gesteht sie. Sie nimmt an Wettbewerben teil, in denen in 24 Stunden eine schlüssige Story entstehen soll. Sehr originell ist ihr Werk „Vom Weben“, das amüsante Wortspiele entwickelt und analoges Handwerk in Beziehung zur digitalen „Web-Welt“ setzt. Zugleich ein typisches Beispiel für den Solarpunk.

Hommage an Scatman John

Gereift und professionell wirkt Jeff Chi, der in seinem Buch „The Scatman“ die Biographie des Musikers John Paul Larkin erzählt. Seinen charakteristischen Scat-Gesang entwickelte dieser aus dem Umstand, dass er stotterte. Mit „Scatman“ hatte er einen einzigen großen Welt-Hit.

Jeff Chi unterlegt seine Lesung mit akustischen Einspielungen, was seine Geschichte sehr lebendig werden lässt. Die Comic-Form setzt Larkins außergewöhnliches Leben in ein besonderes Licht. Ein Werk, das wohl die besten Chancen hat, in der Mitte der Leserschaft allen Alters anzukommen.

Gaben eine Comic-Lesung in der Hochschule Ansbach: Anastasia Braun, Jeff Chi, Lisa „Mullana“ Schmidt (vorne, von links), Julian Reichel (links) und Sebastian Stamm. (Foto: Martina Kramer)
Gaben eine Comic-Lesung in der Hochschule Ansbach: Anastasia Braun, Jeff Chi, Lisa „Mullana“ Schmidt (vorne, von links), Julian Reichel (links) und Sebastian Stamm. (Foto: Martina Kramer)
Gaben eine Comic-Lesung in der Hochschule Ansbach: Anastasia Braun, Jeff Chi, Lisa „Mullana“ Schmidt (vorne, von links), Julian Reichel (links) und Sebastian Stamm. (Foto: Martina Kramer)

Von Martina Kramer
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