Die Kulturszene stimmt sich auf die Freilichtsaison in Feuchtwangen ein | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 15.04.2024 07:00

Die Kulturszene stimmt sich auf die Freilichtsaison in Feuchtwangen ein

Stimmten beim Festspielfrühling auf die kommende Saison im Kreuzgang ein (von rechts): Jan-Henrik Wagner, Viviane Ebert, Juliane Krug, Intendant Johannes Kaetzler und Bettina Ostermeier. (Foto: Martina Kramer)
Stimmten beim Festspielfrühling auf die kommende Saison im Kreuzgang ein (von rechts): Jan-Henrik Wagner, Viviane Ebert, Juliane Krug, Intendant Johannes Kaetzler und Bettina Ostermeier. (Foto: Martina Kramer)
Stimmten beim Festspielfrühling auf die kommende Saison im Kreuzgang ein (von rechts): Jan-Henrik Wagner, Viviane Ebert, Juliane Krug, Intendant Johannes Kaetzler und Bettina Ostermeier. (Foto: Martina Kramer)

Über der Straße hängt schon das Banner, das auf die kommenden Kreuzgangspiele hinweist. Ein erstes Vorglühen ist stets die Veranstaltung „Festspielfrühling“ des Fördervereins der Kreuzgangspiele.

„Wenn die Schauspieler in der Stadt sind, dann herrscht gleich ein ganz anderes Flair“, sagt Fördervereinsvorsitzender Herbert Lindörfer bei seiner Begrüßung in der Stadthalle Kasten. Zugleich betont er die hohe Bedeutung kultureller Bildung für ein gutes gesellschaftliches Klima, zu der die Kreuzgangspiele einen entscheidenden Beitrag leisteten. „Diese Festspiele sind ein Ort, der Begegnungen, Inspiration und vielschichtige Erfahrungen ermöglicht“, betont er und reicht das Mikrofon an Intendant Johannes Kaetzler weiter.

Die Vorschau auf die Stücke der kommenden Saison ist wie stets eine abwechslungsreiche Vorstellung, bei der auch Ensemblemitglieder mitwirken. Juliane Krug, Viviane Ebert und Jan-Hendrik Wagner lesen Textauszüge von Jorge Luis Borges, Aristoteles, Dürrenmatt, Agatha Christie und Astrid Lindgren. Für die musikalische Umrahmung sorgt Bettina Ostermeier, die bei „Ronja Räubertochter“ Regie führt.

Anspruchsvoll und spannend zugleich

Einen der noch heute meist gespielten Dramatiker wird Intendant Johannes Kaetzler inszenieren: „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt ist ein ebenso anspruchsvolles wie spannendes Stück, in dem viel Theatergeschichte steckt. Bis hin zu Aristoteles schlägt Kaetzler die Brücke. „Im Prinzip ist in der Antike bereits alles für das Theater Gültige formuliert worden.“ Aristoteles’ Definitionen von Tragödie und Komödie hätten auch heute noch Gültigkeit, auch wenn bedauerlicherweise sein Text über die Komödie verloren gegangen sei. Der italienische Erfolgsautor Umberto Eco lässt ihn in seinem Roman „Im Namen der Rose“ zusammen mit dem düsteren Mönch Jorge von Burgos in Flammen aufgehen, ein Motiv, wohl angelehnt an ein Traktat von Jorge Luis Borges.

Dürrenmatts Stück ist im Grunde eine Mischform, in der beide Dramentypen ineinander verschmelzen: eine tragische Komödie. Die Hauptfigur ist eine mysteriöse, reiche alte Dame, die von Rachsucht getrieben eine ganze Stadt mit Geld bestechen will, um ihr Vorhaben zu realisieren: Die Vergeltung für das, was ihr einst der in dieser Stadt lebende Alfred Ill. angetan hat. Das Motiv der Gier, an die Claire Zachanassian appelliert, zählt zu einer der Todsünden und ist damit universales Thema. „Dieses Stück ist heftig“, sagt Kaetzler. Das düstere Ende wird leicht abgemildert, verkündet er. „Das kann man heute so nicht mehr machen.“

Charme des Spielorts kommt zum Wirken

Bei dem zweiten Hauptstück „Mord im Orientexpress“ führt Lennart Matthiesen Regie. Dabei wird der ganze Charme des Spielortes zum Wirken kommen: Die Bögen des Kreuzganges als Kulisse des Luxus-Zuges. Obwohl weltbekannt und mehrfach verfilmt, bietet dieser Krimi-Klassiker doch immer wieder Überraschendes und bleibt dabei bis zum verblüffenden Ende hin spannend. „Seltsam, es ist so verwickelt, dass man den Schluss immer wieder vergisst“, so Kaetzler.

Mit „Ronja Räubertochter“ als Kinderstück ist ein weiterer Theater-Dauerbrenner angekündigt. „Es wird ein großer Spaß und sehr berührend werden“, verspricht Kaetzler. Dass Autorin Astrid Lindgren in Kindern die Zukunft sah, für die man die richtigen Weichen stellen muss, wird als eines ihrer zentralen Motive für ihr künstlerisches Schaffen erfahrbar.

Die Kreuzgangspiele haben also schon ein Gesicht, und die Neugierde auf die Stücke dürfte spätestens durch diese Veranstaltung geweckt worden sein. Der Vorverkauf sei bereits rege, lässt Johannes Kaetzler wissen.


Von Martina Kramer
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