Der Name „Holzöd“ bei Ippesheim lässt, dem Namen nach, nicht unbedingt etwas Spannendes vermuten. Weit gefehlt. Denn dort befindet sich ein Naturschutzgebiet. Die Pflanze, die mit dazu beigetragen hat, dass es eines geworden ist, wurde zur „Orchidee des Jahres“ gekürt: die Mücken-Händelwurz.
Einer, der viel darüber zu erzählen weiß, ist Walter Gebert aus Uffenheim. „Ich bin kein Orchideenspezialist“, sagt der Rentner, der ehemals als Architekt arbeitete. Über seinen Schwiegervater – den damaligen Fachberater Fritz Pachtner im Alt-Landkreis Uffenheim – kam er seinerzeit zu seinem speziellen Hobby: In der herrlichen Natur in seiner Heimat spazieren zu gehen und die Pflanzen zu dokumentieren.
Das war vor etwa einem halben Jahrhundert. Die Familie machte zusammen Urlaub im Allgäu, wo man sich gerne aufhielt und Orchideen entdeckte. Amüsiert erzählt er, dass er dann auf einmal gedacht habe: „Warum fotografierst du die denn nicht hier?“
Eine Dokumentation, die um das Jahr 1970 für das Landratsamt erstellt wurde, machte die Holzöd schließlich zum Naturschutzgebiet. Anhand der in der Dokumentation aufgeführten Orchideen begab sich Gebert auf seine naturkundlichen Exkursionen – nicht nur zu Orchideen. „Damals gab es dort zum Beispiel den Deutschen Enzian. Es wurden bis zu 200 Exemplare festgestellt. Heute keinen einzigen.“ Die Mücken-Händelwurz dagegen taucht schon ab und zu auf. Im Vorgespräch bezeichnete sie Gebert als „launisch“ – man weiß nie, warum sie in einem Jahr kommt und im anderen nicht. Aber, was heißt launisch? Orchideen brauchen zum Keimen einen bestimmten Bodenpilz. Und wer kann schon mit Sicherheit sagen, wann dieser sich im Boden befindet?
Über die Jahre ergab sich der Austausch mit dem Biologen Heinrich Beigel und anderen Naturschützern der Umgebung. Inzwischen hat Walter Gebert selbst ein Buch geschrieben: „Streifzüge durch die Lebensräume unserer heimischen Orchideen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim“. Es erschien im Jahr 2017. Herrliche Fotos dokumentieren das Orchideenvorkommen in etwa 50 Jahren, das Gebert zusammengetragen hatte. Über die Orchidee des Jahres 2024 heißt es im Buch „Diese Art erreicht aktuell bei Weitem nicht mehr die Mengen wie vor 50 Jahren.“ Damals seien es rund 300 Exemplare gewesen.
Im hiesigen Landkreis sind laut Heinrich Beigel aktuell rund 30 der etwa 60 in Deutschland wild lebenden Orchideenarten heimisch: Bleiches Waldvögelein und Schwertblättriges Waldvögelein, Sumpf-Stendelwurz, Braunrote Stendelwurz, Violette Stendelwurz, Spätblühende Stendelwurz, Kurzblättrige Stendelwurz, Breitblättrige Stendelwurz, Großes Zweiblatt, Vogel-Nestwurz, Herbst-Drehwurz, Netzblatt, Zweiblättrige Waldhyazinthe und Grünliche Waldhyazinthe, Gewöhnliche Mücken-Händelwurz, Bienen-Ragwurz und Fliegen-Ragwurz, Kleines Knabenkraut, Stattliches Knabenkraut, Helm-Knabenkraut und Purpur-Knabenkraut, Breitblättriges Knabenkraut, Fuchs' Knabenkraut, Holunder-Knabenkraut und Fleischfarbenes Knabenkraut, Hundswurz und Bocks-Riemenzunge.
Erfreulicherweise konnten sich die Bestände der meisten Arten halten, wenn auch manchmal nur mit wenigen Exemplaren. Bei einigen Arten wie dem Bienen-Ragwurz wurden sogar neue Fundstellen entdeckt. Das Fuchs' Knabenkraut oder Helm- und Purpurorchis weisen in günstigen Jahren an geeigneten Wuchsorte Populationen mit Hunderten von blühenden Exemplaren auf.
Orchideen standen laut Beigel schon immer nicht nur unter Schutz, sondern auch unter Beobachtung vieler Pflanzenfreunde. Deshalb wissen diese sehr gut über die Bestandsentwicklung Bescheid. Einige Unklarheiten gibt es dennoch: Wolfgang Subal hat im Juni 1990 am Frankenhöhe-Fuß ein Exemplar vom Korallenwurz gefunden.
Ob dieser völlig isolierte Wuchsort dort noch existiert, wäre zu überprüfen. Das Rote Waldvögelein gilt als verschollen. Aufgrund seiner Unverwechselbarkeit sind frühere Beobachtungen, beispielsweise von Naturschützer Hermann Weiß am Hohenlandsberg, aber gesichert.
Die Vorstände der Arbeitskreise Heimische Orchideen (AHO) Deutschlands haben auf ihrer Jahrestagung mit der Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), auch Große Händelwurz genannt, nach eigenen Angaben eine recht weit verbreitete und noch häufige Art zur Orchidee des Jahres gekürt. Sie gedeiht auf Mager-Böden. Intensiv bewirtschaftete Flächen sind nichts für sie. Orchideen wachsen besonders in nährstoffarmen, trockenen oder nassen Lebensräumen, die nicht landwirtschaftlich intensiv genutzt werden und inzwischen oft per Gesetz geschützt sind. Sie blüht von Mai bis August in einem großen Gebiet von Deutschland bis Japan. Die mehr oder weniger stark duftenden Blüten sind rosafarben bis dunkelpurpurrot. Der von den Blüten reichlich abgesonderte Nektar ist im Gegenlicht sichtbar und riecht nach Vanille. Da der Eingang des Sporns – der Hohlraum im Blütenbereich – weniger als einen Millimeter offen steht, ist der Nektar nur Schmetterlingen und anderen langrüsseligen Insekten zugänglich, und zwar sowohl Tagfaltern als auch Nachtfaltern. Dazu zählen der Kleine Weinschwärmer, das Taubenschwänzchen, die Gammaeule, die Messingeule und die Hausmutter. Auch der Rostfarbige Dickkopffalter und viele Zufallsbestäuber zählen dazu. Die Verbreitung erfolgt über Samen.