Unter dem Titel „Psychische Gesundheit – Junge Menschen gesund durch die Ausbildung bringen“ stand das achte Ausbildungsforum des Landkreises, moderiert von Angelika Götz-Eigenberger vom Jobcenter der Stadt Ansbach. Drei Referentinnen und Referenten beleuchteten das Thema unter verschiedenen Aspekten.
Dass die Anforderungen an junge Auszubildende heutzutage anders sind als früher, machten diese Vorträge deutlich. Ein markanter Wendepunkt war dabei die Zeit der Wiedervereinigung zusammen mit der zunehmenden Digitalisierung und der damit einhergehenden Globalisierung. Begriffe wie Werte, Autoritäten, Abläufe, Routinen, Rituale und Individualisierung sind nur einige Beispiele, die dabei eine andere Gewichtung erfahren haben. Dies betrifft auch den Arbeitsmarkt und die Ausbildung junger Menschen.
In der Folge dieser Entwicklung vollzog sich eine zunehmende Verunsicherung, nicht selten mit psychischen Problemen unterschiedlichster Art. Dies spiegelt sich greifbar in der Zunahme von Fehltagen und Krankmeldungen in den letzten zehn Jahren um 48 Prozent.
Wie dagegen angehen? Das Ausbildungsforum des Landkreises richtet sich an Auszubildende und Ausbilder gleichermaßen und möchte vor allem den Dialog fördern. Nach einem Grußwort von Berufsschulleiter Jürgen Schmitt versuchte Bernhard Ranz von der Eltern-, Jugend- und Familienberatungsstelle des Landratsamts Ansbach einen Einblick darüber zu geben, „wie ticken Jugendliche?“.
Dabei seien Bezeichnungen wie „Generation Z, Y oder X“ wenig hilfreich, findet er, da sie zu sehr verallgemeinerten. Aufschlussreicher sei die „Sinus-Studie“, die den sozialen Hintergrund von Jugendlichen einbeziehe. Heute müssten sich Heranwachsende nicht nur mit ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld auseinandersetzen, sondern stünden durch die digitalen Medien in einem globalen Vergleich. „Dies ähnelt dem Hochleistungssport“, so Ranz. Dazu komme die Pubertät, ohnehin ein Drahtseilakt.
In der Ausbildung sei es wichtig, das Selbstwertgefühl, die Beziehungsfähigkeit, aber auch Eigenständigkeit und Identitätsentwicklung zu fördern.
Die Soziologin und Kommunikationswissenschaftlerin Sigrid Thiem rückt das Thema Resilienzen in den Vordergrund. Diese auszubilden, trage wesentlich zu einer psychisch gesunden Entwicklung von jungen Menschen bei. „Wie kann man diese mit ihren Fähigkeiten vertraut machen?“ Um diese Frage beantworten zu können, bedarf es einer Analyse der Gegebenheiten, die am Ausbildungsplatz vorhanden sind. Ein Arbeitsplatz, der Sicherheit biete, der auf die Bedürfnisse des einzelnen Beschäftigten eingeht und ihm Aufmerksamkeit zukommen lässt sowie die Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Arbeitgeber könne helfen, die Bewältigungskompetenz der Auszubildenden zu stärken.
Wie dies in der Praxis bereits in manchen Unternehmen umgesetzt wird, erläuterte Wirtschaftsfachwirtin Franziska Dietrich, Business-Leiterin und Ausbilderin der Oechsler AG in Ansbach. Mit einem dreistufigen Programm soll den jungen Menschen dort der Eintritt in ihre Ausbildung erleichtert werden.
Es gibt Azubi-Veranstaltungen in Form von Willkommens-Tagen, kleinen Ausflügen und gemeinsamen Unternehmungen. Daneben gibt es Azubi-Projekte, bei denen zum Beispiel die Gestaltung eines Informations-Tages in die Hände der Auszubildenden gelegt wird. Außerdem besondere Azubi-Tage, etwa Workshops zu Themen wie Social-Media, Stressbewältigung oder Sucht am Arbeitsplatz. Vor allem sei es wichtig, Vertrauen aufzubauen und so die Kommunikation zu ermöglichen.