Schon von weitem ist die Rangauklinik vom Rezattal aus zu sehen. Viele, die auf der B13 vorbeifahren, wissen, dass sich am Waldrand eine Spezialklinik für Lungenheilkunde befindet. Was genau dort passiert, ist weniger bekannt. Beim Lungentag konnte sich die Bevölkerung ein Bild von der Arbeit in der Rangauklinik machen.
„Langsam und gleichmäßig. Nicht zu stark, sondern so, wie Sie ganz normal atmen würden. Einatmen durch den Mund, ausatmen durch die Nase.“ Bettina Nölp wiederholt die erklärenden Sätze an diesem Vormittag im Minutentakt, immer dann, wenn sich eine neue Person vor das Sole-Inhalationsgerät setzt. Die sind der Renner am Lungentag in der Rangauklinik und Nölp weiß auch, warum: „Bei diesen Geräten gibt es eine warme Inhalation. Das ist selten und das mögen die Patienten besonders. Normalerweise bekommt man eine kalte Inhalation.“ Inhaliert wird diesmal mit Emser Salz. Im Realbetrieb ist es zusätzlich möglich, in das Gerät von oben noch Medikamente zuzuführen.
Während die Inhalationsgeräte noch einigermaßen selbsterklärend sind, lassen die Schläuche und Kolben des Ultraschallverneblers oder des sehr seltenen Geräts zur Nasennebenhöhlen-Inhalation den Laien auf den ersten Blick doch ein wenig ratlos zurück. Es ist eben eine Spezialklinik, so viel ist schon nach wenigen Minuten klar.
Das wird rege angenommen. Die meisten aber waren aus irgendwelchen Gründen schon einmal hier. Man kennt sich, das Personal kennen die Patientinnen und Patienten. Das sei einer der großen Vorteile des Arbeitens in einer Spezialklinik, erklärt auch Chefarzt Dr. Thomas Fink. Darüber hinaus sei es für die Rangauklinik als verhältnismäßig kleines Spezialkrankenhaus (130 Vollzeitstellen) mit den Schwerpunkten Akutbehandlung und Reha auch besser möglich, sich wirtschaftlich stabil aufzustellen als für viele andere Häuser.
Diese Botschaft ist dem Chefarzt wichtig, schließlich hat der Träger Diakoneo mit der Schließung der Klinik in Neuendettelsau in der Krankenhausregion zuletzt für alles andere als positive Schlagzeilen gesorgt. Für Rehamaßnahmen kämen die Patientinnen und Patienten teilweise aus ganz Deutschland nach Ansbach.
Behandelt wird in der Rangauklinik laut Fink alles von der klassischen Lungenentzündung bis zur Tuberkulose, aber auch Lungenkrebspatienten. Ein wichtiger Baustein sei außerdem das Beatmen in Akutsituationen, auch bei Patienten zu Hause. Ein Thema sind zudem die schlafbezogenen Störungen, also die Behandlung von Atempausen in der Nacht. In Nordbayern sei man die einzige pneumologische Rehaklinik. Pneumologie ist der Fachbegriff für Lungen- und Bronchialheilkunde. Dementsprechend gebe es keine Konkurrenzsituation, sondern eher das Problem der langen Wartezeiten. „Wir müssen nicht aktiv um Patienten werben“, verdeutlicht Fink.
Dennoch, so der Chefarzt, muss natürlich auch die Rangau-Klinik dafür sorgen, „dass wir uns selbst tragen und dass wir wirtschaftlich bleiben“. In diesem Zusammenhang hebt er besonders hervor, „dass wir hier immer noch unser Bewegungsbad haben“.
In dem lichtdurchfluteten Bad mit Blick ins Rezattal gibt es mehrmals pro Woche Einheiten für die Patienten. Aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es bestimmte Zeiten, in denen sie das Bad nutzen können. Von außen kommen ebenfalls Gruppen, etwa für den Reha-Sport oder zum Babyschwimmen.
Das Bad sei nie ernsthaft in Frage gestellt worden, versichert Fink auf Nachfrage. Dennoch sei der Betrieb natürlich ein finanzieller Kraftakt. In den Jahren 2020, 2021 und 2022 sei man durch die Corona-Ausgleichszahlungen ziemlich gut über die Runden gekommen. „Die sind dann 2023 komplett weggefallen. Gleichzeitig hatten wir hohe Energiepreise, die Inflation und deutliche Lohnsteigerungen“, verdeutlicht Fink. Das Bad, so bezeichnet es der Chefarzt, müsse „querfinanziert“ werden.
Dass eine Lungen-Spezialklinik während der Hochzeit der Pandemie eine wilde Zeit hatte, erklärt sich von selbst. Mitarbeiterinnen bekommen heute noch eine Gänsehaut, wenn man sie darauf anspricht. Auch wenn diese Zeiten inzwischen vorbei sind, wird Covid-19 der Rangauklinik erhalten bleiben. Aktuell sei Post-Covid ein großes Thema. „Das ist einfach eine Krankheit, die es vor vier Jahren noch nicht gab. Das verlängert natürlich auch die Wartezeiten für alle anderen Patientinnen und Patienten“, erklärt Chefarzt Fink.