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Veröffentlicht am 24.05.2024 17:30

Wie Bewegung Lungenkranken in Ansbach bei Atemnot hilft

In einer Gruppe mit anderen Erkrankten vergleicht man sich nicht mit der Leistung von Gesunden, die deutlich belastbarer sind. (Foto: Silvia Schäfer)
In einer Gruppe mit anderen Erkrankten vergleicht man sich nicht mit der Leistung von Gesunden, die deutlich belastbarer sind. (Foto: Silvia Schäfer)
In einer Gruppe mit anderen Erkrankten vergleicht man sich nicht mit der Leistung von Gesunden, die deutlich belastbarer sind. (Foto: Silvia Schäfer)

Auch wenn es schwerfällt, Bewegung hilft – gerade Menschen, die an der chronischen Lungenkrankheit COPD leiden. Noch besser geht es in der Gruppe und mit Anleitung für achtsames Atmen. Deshalb organisiert die Diakoneo-Rangauklinik Ansbach immer wieder Wandertage für Patienten.

Fast 50 Betroffene aus der Region nutzten das jüngste Angebot. Darunter zahlreiche Mitglieder des Lungenstammtischs Marktbergel. Pflegedienstleister Harry Zießler verteilte zu Beginn kleine Wasserflaschen als Durstlöscher für unterwegs an die Teilnehmenden. Physiotherapeuten der Rangauklinik animierten zu Atem- und Dehnübungen zur Mobilisierung des Brustkorbs und Kräftigung der Atemmuskulatur. Ergänzt um den freundlichen Hinweis an die Gruppe, dass der Nutzen für die Gesundheit umso größer ist, je häufiger sportliche Aktivitäten und Übungen in den Alltag integriert werden. Bereits leichte Bewegung, etwa ein regelmäßiger Spaziergang, wirke dabei positiv.

Lippenbremse bei der Ausatmung

Ein wichtiges Werkzeug für das Atemtraining ist die Lippenbremse. Dabei wird die Luft durch die Nase eingeatmet und durch den gespitzten, nur leicht geöffneten Mund langsam und kontrolliert wieder ausgeatmet. Der dadurch erhöhte Widerstand bei der Ausatmung sorgt für einen Luftrückstau, welcher den Luftdruck in den Bronchien erhöht und einen Kollaps der Atemwege verhindert.

Mit gutem Schuhwerk, Rucksack, Rollator zur besseren Mobilität, Wanderstöcken und teilweise Sauerstoffflaschen machten sich die Frauen und Männer auf eine ebenerdige, 1,5 Kilometer lange Strecke durch die Natur unterhalb des Klinikgeländes oder legten die Fünf-Kilometer-Route mit Anstieg und Unebenheiten zurück.

Übungen für den Alltag

Zwischendurch zeigten die Therapeuten in aktiven Pausen Entspannungsübungen und überprüften bei jedem Teilnehmer mit einem Finger-Clip den Sauerstoffgehalt im Blut und die Herzfrequenz als Indikator für den Gesundheitszustand. Dieser schmerzlose Schnelltest verwendet Infrarotlicht, um die Menge an Sauerstoff im Blut zu bestimmen.

Für gesunde Erwachsene liegt der normale Bereich der Sauerstoffsättigung bei 95 bis 100 Prozent. Ist der Wert deutlich niedriger, kann das zu körperlichen Problemen führen. Größere Abweichungen konnte Timo Beck nicht feststellen. „Alles im grünen Bereich“, sagte der Physiotherapeut beim Blick auf die Messergebnisse.

Ideales Ausflugswetter sorgte für gelöste Stimmung. Beim Wandertag haben Betroffene die Chance, in einem geschützten Kreis auszuprobieren, ob und wie viel körperliche Anstrengung ihnen gut tut. Gerade weil Bewegung bei COPD-Patienten Atemnot verursachen kann, liegen Vermeidungsstrategien oft nahe – und sind genau die falsche Reaktion auf die Krankheit. Nach der Rückkehr an der Rangauklinik setzte sich die Freude am Austausch untereinander an der frischen Luft bei Kaffee und Obst fort.

Heute weiß man, dass Bewegung Betroffenen chronischer Lungenleiden hilft, wieder Kraft aufzubauen. Früher waren „viel Ruhe und wenig Anstrengung“ gängige Empfehlungen. Das hat sich grundlegend geändert. Betroffene meiden körperliche Anstrengung häufig aufgrund ihrer Atembeschwerden. Aber Bewegungsmangel bewirkt Muskelschwund, der sich mit dem Älterwerden verstärkt. Auch die chronischen Entzündungsprozesse in den Bronchien zehren an der Körpersubstanz.

Schonung ist deshalb nicht ratsam, weil Muskelkraft auch für die Atmung benötigt wird. An der Rangauklinik wird Lungensport in der Gruppe unter professioneller Leitung angeboten. Das Therapiebad steht nach Genehmigung durch den behandelnden Arzt auch zum freien Schwimmen während der Öffnungszeiten zur Verfügung. Selbsthilfegruppen für Menschen mit Lungenschwäche leisten einen wichtigen Beitrag für soziale Aktivitäten der Betroffenen, um deren Lebensqualität zu verbessern.


Von Silvia Schäfer
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