Edeka macht sein Zentrallager in Sachsen bei Ansbach dicht | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 16.10.2023 17:23, aktualisiert am 17.10.2023 17:47

Edeka macht sein Zentrallager in Sachsen bei Ansbach dicht

Hier gehen spätestens Mitte 2025 die Lichter aus: Das Edeka-Zentrallager in Sachsen bei Ansbach wird geschlossen. Die Waren für das Gebiet Nordbayern-Sachsen-Thüringen werden künftig vom oberfränkischen Marktredwitz aus in die regionalen Märkte verteilt. (Foto: Irmeli Pohl)
Hier gehen spätestens Mitte 2025 die Lichter aus: Das Edeka-Zentrallager in Sachsen bei Ansbach wird geschlossen. Die Waren für das Gebiet Nordbayern-Sachsen-Thüringen werden künftig vom oberfränkischen Marktredwitz aus in die regionalen Märkte verteilt. (Foto: Irmeli Pohl)
Hier gehen spätestens Mitte 2025 die Lichter aus: Das Edeka-Zentrallager in Sachsen bei Ansbach wird geschlossen. Die Waren für das Gebiet Nordbayern-Sachsen-Thüringen werden künftig vom oberfränkischen Marktredwitz aus in die regionalen Märkte verteilt. (Foto: Irmeli Pohl)

Das Edeka-Zentrallager in Sachsen bei Ansbach wird geschlossen. Während der Betriebsrat gegenüber der FLZ noch von Ende 2025 ausging, erklärte Edeka die Schließung „innerhalb des ersten Halbjahres 2025“. Betroffen sind etwa 180 Festangestellte. Die Mitarbeitervertretung beschreibt chaotische Zustände.

Neben dem Trockenlager in Sachsen wird bereits Ende 2024 auch das Edeka-Frischelager in Schwabach schließen. Dort werden die zu kühlenden Lebensmittel aufbewahrt und in die Märkte in ganz Nordbayern verteilt. Insgesamt sind in beiden Warenlagern rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. „Das kontinuierliche und in den letzten Jahren besonders stark ansteigende Wachstum im Umsatz- und Absatzvolumen führte dazu, dass die aktuellen Lagerstandorte und Logistikzentren langfristig nicht mehr das notwendige Volumen abwickeln können“, erklärte das Unternehmen die Gründe für die Schließungen.

„In Ermangelung von Erweiterungsmöglichkeiten entsprechen die beiden Logistik-Standorte in Sachsen und Schwabach aus den 60er Jahren nicht mehr den Anforderungen einer Logistik von heute“, teilte Edeka weiter mit.

Neues Zentrallager für gut 300 Millionen Euro

Stattdessen hat die Unternehmensgruppe Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen ein komplett neues und hochmodernes Logistikzentrum im oberfränkischen Marktredwitz gebaut, das künftig als Zentrallager mit 500 bis 600 Beschäftigten dienen soll. Das Unternehmen investierte hier mehr als 300 Millionen Euro. Von Marktredwitz aus – und damit fast 200 Kilometer von Ansbach entfernt – werden künftig Waren an rund 900 Märkte in Franken, der Oberpfalz, Thüringen und Sachsen geliefert.

Das Lager in Sachsen bei Ansbach wird stillgelegt, „wenn wir mit dem Hochlauf des neuen Logistikzentrums in Marktredwitz beginnen“, so Edeka. Das Unternehmen widerspricht in diesem Zusammenhang auch den aufgekommenen Gerüchten, dass der Edeka-Markt in Sachsen ebenfalls geschlossen werden soll.

Die angekündigte Schließung erklärt auch die hohe und dauerhafte Streikbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vergangenen Monaten. Denn ein Sozialplan zwischen Edeka-Gesamtbetriebsrat und Unternehmen wurde bereits ausgehandelt. Die Höhe der Abfindung bemisst sich am Bruttogehalt: Je höher also der neue Tarifabschluss ausfällt, desto höher wird die Abfindung der Betroffenen sein.

Edeka erklärt dazu: „Wir sehen in Summe über alle fränkischen Lagerstandorte seit September einen deutlichen Rückgang der Streikbeteiligung. Dieser fällt in Sachsen bei Ansbach jedoch etwas weniger stark aus. Insofern ist ein gewisser Effekt erkennbar.“ Die nächste Tarifverhandlungsrunde ist für 21. November angesetzt.

Betriebsräte erhielten Hausverbot

Laut Christian Schneider, dem stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden des Lagers in Sachsen, hält sich Edeka aber nicht vollumfänglich an die Vereinbarungen des Sozialplanes, was der Konzern abstreitet. „Verdi hatte hier bei uns zuletzt Beitritte wie noch nie zuvor. Das liegt daran, wie man hier mit den Leuten umgeht“, erklärt Schneider, dem nach eigener Aussage gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden inzwischen ein schriftliches Hausverbot ausgesprochen wurde.

Neben den rund 180 Stammkräften werden laut der Mitarbeitervertretung aktuell auch massenhaft Beschäftigte aus Polen und Rumänien eingestellt. Schneider bezeichnet sie als „Streikbrecher“. Dasselbe spielt sich laut dem dortigen Betriebsratsvorsitzenden Andreas Rotärmel auch im Lager in Schwabach ab. Die ausländischen Mitarbeiter werden demnach befristet, manchmal nur zwei Wochen lang, bei Edeka angestellt. Denn während eines Streiks darf ein Unternehmen keine Leiharbeiter einstellen.


„Da werden die Ärmsten der Armen aufs Schändlichste ausgenutzt.“

Christian Schneider

„Da werden die Ärmsten der Armen aufs Schändlichste ausgenutzt“, findet Schneider. Er spricht von Wochen, in denen bis zu 40 solcher Arbeiter neu eingestellt werden. Dies führe dazu, dass die Zahl der Unfälle zuletzt exorbitant zugenommen habe, schließlich seien die Neuen kaum eingelernt und könnten sich nur schwer verständigen. Edeka widerspricht: „Dass sich Unfälle im Lager gehäuft hätten, können wir nicht bestätigen.“ Zu den vielen Neueinstellungen teilt das Unternehmen mit: „Es ist richtig, dass wir in der gesamten Logistik aufgestockt haben, um das Auftragsvolumen abwickeln zu können.“

Insgesamt, so der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, sei die Stimmung in Sachsen inzwischen „grottenschlecht“. Dennoch wird das Lager nach aktuellem Stand noch über ein Jahr offen sein. „Viele gehen schon jetzt, wenn sie etwas Besseres finden. Andere werden hier 2025 das Licht ausmachen.“


Philipp Zimmermann
Philipp Zimmermann
Redakteur für Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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