„Ich muss da was drüber schreiben“. Das hat Deborah Wüstner gedacht, als sie in einem Band von Gerfrid Arnold auf die Dinkelsbühler Sage „Der Sohn des Scharfrichters“ gestoßen ist. Daran erinnert sie sich genau. Und sie hat sich des Stoffs angenommen. Entstanden ist ein historischer Roman. „Die Hexe und der Henker“ heißt er.
Nach einer Biografie über Christoph von Schmid und den ebenfalls historischen Roman „Auf Gnad und Ungnad“ ist es das dritte Buch der Dinkelsbühler Autorin und Pädagogin. Um ihr neustes Buch vorzustellen, lädt die 40-Jährige in den Rothenburger Torturm. Der Ort für das Gespräch mit der FLZ ist nicht zufällig gewählt. In dem über der Tordurchfahrt gelegenen „Drudengewölbe“ fand im Zuge der Hexenverfolgung in Dinkelsbühl, mit der sich die Autorin intensiv beschäftigt hat, die „peinliche Befragung“ statt. Außerdem war in dem Turm lange die Dauerausstellung zur Geschichte der Hexenverfolgung in Dinkelsbühl zu sehen.
„Ich muss da was drüber schreiben.
Einen Blick in die Gefängniszellen, die über dem „Drudengewölbe“ liegen, gewährt Bernd Lindörfer. Er gehört dem Vorstand der „Dinkelsbühler Reichsstädter – Freunde historischer Spiele“ an. Der Verein wurde im Dezember 2021 mit dem Zweck gegründet, den Rothenburger Torturm zu erhalten. Zudem liege ihnen der Denkmalschutz in Dinkelsbühl im Allgemeinen am Herzen, erklärt Lindörfer. Die „Reichsstädter“ haben den Turm von der Stadt gepachtet. Sie bieten etwa Spielenachmittage und Schauspielführungen mit unterschiedlichen Charakteren aus dem Dreißigjährigen Krieg an.
Im Buch von Deborah Wüstner ist der Dreißigjährige Krieg gerade zu Ende gegangen. Sie nimmt ihre Leserinnen und Leser mit ins Jahr 1649. In eine Zeit des Misstrauens und der Angst, des Hasses und der Gewalt, aber auch der Liebe zweier junger Menschen.
Anna hat im Dreißigjährigen Krieg alles verloren. Sie weiß nicht wohin. Dann findet sie eine Stelle als Magd in der Reichsstadt Dinkelsbühl, wo ihr jedoch mit Misstrauen begegnet wird.
Christian ist ein junger Scharfrichter, seines Amts wegen in der Stadt unentbehrlich, aber unerwünscht. Er hat keine Perspektive. Er träumt davon, wegzugehen, dorthin wo keiner weiß, dass er der Sohn eines Scharfrichters ist. Er will Menschen nicht quälen, sondern sie heilen.
Anna und Christian verlieben sich ineinander. Doch ihr gemeinsames Glück währt nur kurz. Als die Pferde ihrer Herrin sterben, wird Anna bezichtigt, einen Schadenszauber ausgeübt zu haben. Sie wird verhaftet, was Christian in eine furchtbare Lage bringt. Denn sein Amt zwingt ihn dazu, der vermeintlichen Hexe in Verhören und durch Folter ein Geständnis abzupressen. Er weiß genau, dass niemand diese Qualen lange durchhält und Anna der Tod auf dem Scheiterhaufen droht.
Anna hat nur eine Chance: Christian muss ihr zur Flucht aus dem Gefängnis im bewachten Turm verhelfen. Ob ihm das gelingt, verrät Deborah Wüstner – ganz Profi – im Gespräch natürlich nicht.
Die zugrundeliegende Sage, die sie nicht mehr losließ, habe sie für ihren Roman „dramatischer gemacht“, bekennt die 40-Jährige. Sie habe beim Schreiben versucht, sich in die Lage von Anna hineinzuversetzen, erzählt Wüstner. Was fühlt, was denkt eine Person in solch einer Situation? Was macht es, neben den physischen Qualen, psychisch mit einem?
Auf der anderen Seite steht Christian, der die Frau, die er liebt, foltern muss. Doch hält eine Liebe, eine Beziehung stand, die auf eine solch unmenschliche Art und Weise auf die Probe gestellt wird? Dieser Frage nachzugehen fand Deborah Wüstner ebenfalls spannend.
Den historischen Roman „Die Hexe und der Henker“ gibt es bei der Autorin, im Buchhandel und im Internet.