Frank Siebenschuh, als Regisseur und Schauspieler am Theater Ansbach wohlbekannt, hatte schon lange den Wunsch, „Antigone“ von Sophokles zu inszenieren. Gespielt hat er die antike Tragödie bereits, vor vielen Jahren, jetzt bringt er das Stück auf die Bühne im Theater Ansbach. Nicht im großen Haus, sondern hinterm Eisernen.
Das ist nicht einfach, denn die Inszenierung war für die große Bühne konzipiert, für ein Publikum mit einem gewissen räumlichen Abstand zum Geschehen und mit Bewegungsfreiheit für die Darsteller. Wegen des Brandschutzes darf der Theatersaal aber vorerst nicht bespielt werden, so dass Siebenschuh und sein Team umdenken mussten. Neu organisieren, drehen und wenden, um die Produktion einzupassen auf die kleinere Bühne hinterm Eisernen Vorhang.
Nur gut 60 Plätze werden dort verfügbar sein, damit der geplante Bühnenaufbau möglich ist. Zu dem möchte Siebenschuh noch nicht allzu viel verraten: Eine schräge Spielfläche wird es geben und Projektionen in einem abstrakten Raum, „einem Interpretationsraum“.
Und die Kostüme? Nicht antikisierend, aber auch keine Jeans, sagt Siebenschuh, um auch hier nichts vorwegzunehmen. Der Regisseur hat „eine stark reduzierte Fassung“, basierend auf der Übertragung von Walter Jens, erarbeitet. Aus dem antiken Chor werden „Chor-Elemente“.
Der Inhalt ganz kurz: Die verfeindeten Brüder Polyneikes und Eteokles haben sich im Kampf um den Thron in Theben gegenseitig getötet. Der neue Herrscher Kreon ordnet an, dass sein Neffe Polyneikes als Vaterlandsverräter nicht bestattet werden darf. Antigone, die Schwester der beiden Krieger, will das nicht zulassen. Trotz der von Kreon angedrohten Todesstrafe und der Warnungen ihrer Schwester bestattet sie ihren Bruder Polyneikes. Kreon spricht ein Todesurteil gegen Antigone aus und lässt sie lebendig einmauern. Noch mehr Opfer sind die Folge.
„Die Geschichte spielt nach dem Krieg, die Menschen haben Verluste und Schicksalsschläge erlitten“, schildert Siebenschuh. „Wie gehen sie damit um? Mich interessiert vor allem die Familiengeschichte und weniger die junge Frau, die gegen das Regime kämpft. Jeder hat seinen persönlichen Hintergrund, der die Menschen dazu bringt, in einer bestimmten Art zu handeln.“
Jeder glaube, das Richtige zu tun, sagt Siebenschuh. „Dadurch entsteht eine Verhärtung der Positionen, jeder denkt, er hat recht. In dem Text steckt sehr viel Emotionalität, das interessiert mich.“ Nur zwei Männer werden in der Inszenierung vielen Frauen begegnen, denn nach dem Krieg sind nur die Frauen und die Kinder übrig.
Es geht um junge Menschen und ihre Positionen in dem rund 2500 Jahre alten Drama. Daher hofft das Theater-Team auch auf ein junges Publikum; das Stück und die Inszenierung seien bestens geeignet für Schülerinnen und Schüler der höheren Klassen.
„Antigone“ hat am 6. April um 19.30 Uhr Premiere. Neun weitere Vorstellungen sind bereits angesetzt, zusätzliche Aufführungstermine sind geplant. Infos unter www.theater-ansbach.de.