„Die überregionalen Verbindungen des Klosters Feuchtwangen seit dem frühen Mittelalter“ – zu diesem Thema hat Dr. Manfred Jehle seine Zuhörer jetzt beim traditionellen Karlstag auf eine Zeitreise mitgenommen. Dazu war der Historiker auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte eigens aus Berlin angereist.
Bei seiner Begrüßung der rund 50 Gäste in Feuchtwangen hatte Arbeitsgemeinschaft-Sprecher Peter Schlecht den Referenten als fachkundigen Autor des historischen Atlasses von Bayern und als Koryphäe in Sachen mittelalterlicher Urkunden vorgestellt. Er freue sich, dass die Organisatoren Manfred Jehle für den diesjährigen Karlstag hätten gewinnen können. Die inzwischen traditionelle Veranstaltung hatten Fritz Wünschenmeyer und Dr. Fritz Scharf 1990 aus der Taufe gehoben.
Einen Schwerpunkt seines Vortrags legte Historiker Jehle auf den aus dem Jahr 824 überlieferten Eintrag des Feuchtwanger Konvents in der Gebetsverbrüderung des Klosters Reichenau am Bodensee. Dabei handle es sich um die bedeutendste überlieferte Quelle für die Geschichte des hiesigen Klosters.
Der Liste zufolge haben vor nunmehr 1200 Jahren 86 Mönche in Feuchtwangen gelebt, was der Referent als eine enorm hohe Zahl im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung in dem seinerzeit dünn besiedelten Gebiet bezeichnete. Aus dem Dokument gehe hervor, dass der damals amtierende Feuchtwanger Abt Gozbert geheißen hat und zur selben Zeit dessen Namensvetter als Abt in St. Gallen tätig war. Ebenso sei belegt, dass bereits vor 824 ein Abt Namens Wigrat in Feuchtwangen gewirkt hatte.
Zugleich müsse hinterfragt werden, woher die Initiative für eine Klostergründung gekommen war. Es sei gesichert, dass nur eine kleine Führungsschicht des Hochadels überhaupt in der Lage gewesen sei, Leitungspersonal für das Kloster zu stellen. Folglich sei davon auszugehen, dass die ersten Äbte und ein Teil der Mönche des Klosters in Feuchtwangen aus hochadeligen Familien stammten. Historiker hätten deshalb auch anhand der Vornamen der Mönche deren Verwandtschaften erforschen können.
So könne beispielsweise der Werdegang von Wigrat als Kleriker im Freisinger Domkloster bis 812 verfolgt werden. Frühestens in jenem Jahr sei er dann im Alter von etwa 60 Jahren nach Feuchtwangen gekommen. Wigrats Vorgänger, Abt Gozbert, gehörte wiederum einer Adelsgruppe an, die Besitztümer in Fulda hatte. Von dort aus seien vermutlich Klostergründungen in Ansbach, Feuchtwangen, Herrieden und Marktbergel erfolgt.
Ebenfalls ein Abt namens Gozbert habe gegen Ende des 10. Jahrhunderts das Kloster Tegernsee geleitet. Er sei es auch gewesen, der seinen Mönch Wigrat mit einer Delegation nach Feuchtwangen entsendet hat. Denn seinerzeit habe Bischof Liutold von Augsburg beschlossen, das Kloster hier zu reformieren, wozu Mönche vom Tegernsee nach Feuchtwangen bestellt worden waren.
In diesem Zusammenhang sprach Jehle von einem Glücksfall, zumal die Reformversuche ausführlich dokumentiert seien: Die Briefe, die der Mönch Froumund zwischen 993 bis 996 geschrieben hat, gäben Zeugnis vom Klosterleben in Feuchtwangen. In diesem Zusammenhang würdigte der Referent ausdrücklich die Arbeit der Feuchtwanger Heimathistoriker Dr. Stefan Mühling, Fritz Wünschenmeyer und Dietrich Weiß. Mit ihrem Beitrag „Die Feuchtwanger Briefe des Mönchs Froumund aus dem 10. Jahrhundert“ im ersten Band der Schriftenreihe „Feuchtwanger Heimatgeschichte“ hätten sie eine wichtige Forschungsarbeit geleistet.
Nachdem das Reformprojekt in Feuchtwangen, das dem damaligen Abt und einigen Klosterbrüdern offenbar missfallen hatte, 996 eingestellt worden war, zogen sich die Tegernseer Mönche wieder zurück. Indes gebe es keine weiteren Aufzeichnungen zum Klosterleben in Feuchtwangen aus den folgenden beiden Jahrhunderten. Zwar sei das Kloster erhalten geblieben, jedoch nicht mehr in der Lage gewesen, den Interessen des Bistums zu dienen, und habe deshalb nur noch eine untergeordnete Rolle gespielt.
Während die Klöster in Ansbach und Herrieden bereits zuvor in politisch bedeutendere Chorherrenstifte umgewandelt worden waren, sei dieser Schritt in Feuchtwangen wohl erst später erfolgt. Laut Jehle war das vermutlich erst nach dem Neubau von Kirche und Kreuzgang im 12. Jahrhundert der Fall.