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Veröffentlicht am 14.09.2026 05:33

Einer will viel Sex, einer weniger - wie damit umgehen?

Ganz normal: Nicht immer haben in einer Beziehung beide gleich viel Lust.  (Foto: Joseffson/Westend61/dpa-tmn)
Ganz normal: Nicht immer haben in einer Beziehung beide gleich viel Lust. (Foto: Joseffson/Westend61/dpa-tmn)
Ganz normal: Nicht immer haben in einer Beziehung beide gleich viel Lust. (Foto: Joseffson/Westend61/dpa-tmn)

Am Anfang einer Beziehung können Paare oft gar nicht genug Sex bekommen. Sie fallen liebestrunken übereinander her, am liebsten gleich mehrmals am Tag. Doch irgendwann hat sich auch die romantischste Phase in Luft aufgelöst und Sex findet seltener statt. 

„Meist nach zwei Jahren wird die rosarote Brille abgesetzt“, beobachtet Heike Melzer, Neurologin sowie Paar- und Sexualtherapeutin aus München. Und weil wir in Beziehungen eben nicht wie eineiige Zwillinge programmiert sind, entwickele sich daher auch das Verlangen nach Sex unterschiedlich. 

Die eine hätte ihn am liebsten dreimal die Woche, dem anderen reicht dreimal im Monat. Ein Dilemma - und „ein typischer Fall“, wie die Therapeutin bestätigt. 

Grundsatz: Wer weniger Sex möchte, bestimmt die Anzahl

Für Melzer gibt es eine klare Regel: „Wer weniger Sex möchte, bestimmt die Anzahl.“ Dabei sei das aber auch wie ein Tanz zu zweit. Es gibt einen, der führt und der gleichzeitig die Challenge hat, dass durch seine Künste der Appetit beim Essen kommt - ohne zu viel Druck auszuüben.

Die Sexualtherapeutin schätzt, dass in 80 Prozent der Partnerschaften der Sex hoch ritualisiert ist. Der Idealfall sähe so aus, dass er mal von einem, mal vom anderen initiiert wird. „Aber es gibt nun mal keine Lust auf Knopfdruck“, erinnert Heike Melzer an die Realität. 

Eine Alternative für denjenigen, der mehr Sex möchte, sei dann, ruhig auf „Handbetrieb“, also Solo-Sex, umzuschalten. Allerdings rät Melzer in dem Zusammenhang von regelmäßigem Pornokonsum oder der Nutzung eines High-Tech-Sex-Toys ab und erklärt: „Da muss man aufpassen, weil die Gefahr besteht, dass man abstumpft.“ 

Wenn ein Partner seiner Ansicht nach zu wenig Sex bekommt, steigt erfahrungsgemäß auch das Risiko, dass er seine Lust vielleicht in fremden Betten befriedigt. Um aber keine außerpartnerschaftlichen Liebesausflüge zu riskieren, sollten Paare einen offenen Dialog darüber führen, so Melzer. Das Ergebnis könnte sein, dass man vereinbart, neue Impulse zu setzen. 

Warum nicht im Wechsel erotische Geschichte (weiter-)schreiben?

Sie fragen sich, wie solche Impulse aussehen könnten? Die Paartherapeutin nennt drei Beispiele: 

  1. Warum schreiben Sie nicht mal zusammen an erotische Geschichten? Etwa so: „Er startet mit dem ersten Absatz, sie schreibt den zweiten, usw.“, schlägt Heike Melzer vor.
  2. Statt sich nur praktische Nachrichten rund um den nächsten Einkauf oder Elternabend zu schicken, kann mal auch mal zwischendurch erotische Messages senden. „Denn unvorhersehbare Überraschungen bleiben in Erinnerung“, so Melzer.
  3. Warum nicht mal frivol ausgehen? Man könnte etwa einen Tantra-Workshop belegen, eine Partnermassage buchen - oder ein Erotik-Food-Dinner.

Sex ist eine lebenslange Reise, so Heike Melzer. Verändern sich die Umstände, so bedarf es Adaptationsprozessen. Gerade, wenn man zusammen alt wird und körperliche Funktionen nachlassen. „Wenn man nicht mehr in der Phase des Schneller-Höher-Weiter ist, muss man ein neues Kapitel aufschlagen. Denn Sex auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner geht meist mit Lustlosigkeit einher“, so die Expertin. 

Dagegen helfe nur, immer wieder neue Impulse zu setzen. Damit die von beiden Seiten kommen, habe sich die Einteilung in gerade und ungerade Wochen bewährt. Beispiel: In der geraden Woche ist einer dran, sich einen Impuls auszudenken, in der ungeraden Woche der andere. Es sei laut Heike Melzer vor allem das Stetige, was zum Erfolg führt - statt eines jährlichen Wellness-Wochenendes. Da habe man dann vielleicht viermal Sex, aber dann war's das wieder für Monate.

© dpa-infocom, dpa:260914-930-680825/1


Von dpa
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