Zu ihrem 100. Todesjahr widmet das RothenburgMuseum einer großen Künstlerin der Stadt, Elise Mahler, eine Ausstellung. Die Stadt erfülle damit einen gesellschaftlichen und kunsthistorischen Auftrag gegenüber dem Lebenswerk der Malerin und Fotografin, so Dr. Florian Huggenberger bei der Vernissage.
Im Jahr 1895 ließ sich die Flensburger Künstlerin Elise Mahler in Rothenburg nieder, um hier mit ihrer Malkunst den Lebensunterhalt zu verdienen. Zusammen mit der Wienerin Maria Ressel gründete sie im Spitalbereiterhaus eine Malschule für Frauen, die bald regen Zuspruch fand.
Zahlreiche Werke von Elise Mahler sind nun im Museum ausgestellt: unter anderem Rothenburger Motive wie zum Beispiel das Burg- oder das Kobolzeller Tor, Porträts oder Naturstudien. Das RothenburgMuseum hat es sich mit der Jubiläumsausstellung zur Aufgabe gemacht, das Leben von Elise Mahler genauer zu beleuchten. Sie habe ein „vielfältiges und vielschichtiges Werk“ geschaffen, so Huggenberger.
Als Frau sei sie konsequent und selbstbewusst ihren Weg gegangen, zu einer Zeit, in der Frauen es schwer hatten, sich beruflich und künstlerisch zu behaupten. Huggenberger verwies insbesondere auf die „Genreszene vor dem Renaissance-Rathausportal“, das einen ganz anderen Blick auf das Portal zeigt als die Darstellung von Arthur Wasse.
Er dankte insbesondere dem Kurator der Ausstellung, Dr. Hellmuth Möhring, und Stadträtin Jutta Striffler, die mit Nachdruck das Ziel einer Elise-Mahler-Ausstellung verfolgt hatte.
Elke Nickchen trat an das Rednerpult: Sie ist die Urgroßnichte von Elise Mahler, war für die Ausstellungseröffnung aus Husum angereist und erzählte einiges aus dem Leben der Malerin. Diese habe als bedeutende und sympathische Künstlerin gegolten, die „immer tätig war“. Gemeinsam mit der Wienerin Maria Ressel habe sie eine Zeit lang in Rothenburg – in der Bronnenmühle – gelebt und gearbeitet.
Sie habe das Baumeisterhaus gemietet, dort eine Kunsthandlung eingerichtet und im Obergeschoss ihre Werke ausgestellt. Dazu habe sie ein kleines Café eröffnet: Im Innenhof stellte sie Mühlsteine aus dem Taubertal als Tische auf – eine „originelle Idee, die viele Gäste anlockte“.
Geboren wurde Elise Mahler 1856 in der Nähe von Flensburg als Tochter eines Ziegeleibesitzers, der ihr zeichnerisches Talent erkannte und förderte. 1881 zog sie nach Hamburg und absolvierte eine Ausbildung zur Kunstmalerin, ab 1883 nahm sie privaten Malunterricht bei Conrad Fehr in Berlin.
Während ihrer Rothenburger Zeit unternahm Elise Mahler immer wieder Studienreisen nach Italien oder Ägypten. Neben ihrer Arbeit in der Malschule handelte sie mit Radierungen und Postkarten. Finanzielle Unabhängigkeit war der Künstlerin wichtig, sie schuf Zeichnungen, Ölbilder, Aquarelle und Wandteppiche. Zudem war sie eine begabte Fotografin. Weniger bekannt war Elise Mahler als Porträtistin, obwohl sie auch hier immer wieder Aufträge bekam.
Von den männlichen Kollegen wurden sie und Maria Ressel oft belächelt oder als „Malweiber“ und „Terpentintanten“ verunglimpft. Die beiden setzten sich jedoch energisch durch und verließen die Stadt erst, nachdem der Erste Weltkrieg die Käuferschichten hatte wegbrechen lassen.
Elise Mahler hat Rothenburg ein großartiges Erbe hinterlassen: Sie hat die Stadt aus ihrer ganz eigenen Perspektive betrachtet, neue Blickwinkel eröffnet, Kontraste gezeigt und damit kraftvolle Kompositionen erschaffen.
Die Ausstellung „Elise Mahler: ‚Malweib‘, unerschrockene Künstlerin und Unternehmerin“ ist bis zum 31. Dezember während der regulären Öffnungszeiten im RothenburgMuseum zu sehen.