Der Begriff ist abgedroschen, doch in diesem Fall passt er bestens: In Merkendorf ist eine Ära zu Ende gegangen. Willi und Walli Helmreich haben ihr Gasthaus „Sonne” zum Jahresende zugesperrt. Für immer. Wobei, so ganz richtig ist das nicht.
„Mit der Metzgerei geht es weiter. Und auch das Catering läuft weiter”, betont Walli Helmreich, die eigentlich Walburga heißt, aber von niemandem so genannt wird. Auch der Männergesangverein hat bis zum Ende des Sängerjahres im Sommer noch eine Bleibe in der zentral in der Altstadt gelegenen Wirtschaft. Ebenso wollen die beiden Wirtsleute noch die ein oder andere Familien- oder Vereinsfeier ausrichten. „Wenn es halt passt”, sagen sie übereinstimmend. Aber: „Wir wollen es jetzt auch einmal schöner haben.”
Ausflüge wollen sie machen. Auch einfach mal ein paar Tage am Stück wegbleiben können. Die Corona-Pandemie war der erste Schritt auf dem Weg zum Ruhestand. Denn mit den Einschränkungen, als die Gastronomie geschlossen war, merkten die Helmreichs, dass es auch mit weniger Arbeit geht. Als die Auflagen ausliefen, schränkte das Paar die Öffnungszeiten des Gasthauses ein. Die Küche blieb teilweise kalt. Vor 2020 war Dienstag bis Sonntag immer mittags und abends geöffnet, zuletzt nur noch freitags.
Fast 50 Jahre hat das Ehepaar die „Sonne” betrieben – seit 1976. Die meiste Zeit davon parallel zur benachbarten Metzgerei, die Sohn Bernd vor acht Jahren übernommen hat. Es waren anstrengende Jahre. „Wir haben den ganzen Tag gearbeitet.”
Um 4.30 Uhr ist Willi Helmreich aufgestanden, hat in der Metzgerei gearbeitet. Um 12 Uhr wechselte er in die Wirtschaft, wo er fürs Bedienen zuständig war, Ehefrau Walli hat sich um die Küche, die Kinder und um den ganzen Rest gekümmert. Kaum war die Wirtschaft um 14 Uhr zu, ging es für Willi Helmreich zurück in die Metzgerei und um 17 Uhr sperrte er die Kneipe wieder auf. Dort ging es dann bis oft nach Mitternacht. Und am nächsten Morgen um 4.30 Uhr klingelte der Wecker wieder. „Man ist da so reingewachsen”, erzählt Willi Helmreich im Rückblick. „Dann hält man das schon aus.”
Das ganze Leben hatte sich nach der Arbeit zu richten. So war das damals. Geheiratet wurde erst nach der Merkendorfer Kirchweih. Vorher war keine Zeit dafür.
In den Anfangsjahren vermieteten die Helmreichs noch Zimmer. „Viele Holländer haben damals bei uns übernachtet, auf dem Weg nach Süden. Das war, bevor die A6 eröffnet wurde.” Auch Vertreter nutzten die Unterkunft an der Verkehrsachse B13 für einen Zwischenstopp. Als 1986 der Altmühlsee offiziell eingeweiht wurde, gab das einen weiteren Schub bei den Übernachtungszahlen. Doch in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wurde es dem Paar zu viel und sie hörten auf damit, Zimmer zu vermieten. Inzwischen hatte sich im Neuen Fränkischen Seenland bereits eine Infrastruktur mit Übernachtungsmöglichkeiten aufgebaut.
Dafür widmeten sich Willi und Walli Helmreich anderen Projekten. Der Hof hinter Wirtschaft und Metzgerei wurde zum Platz fürs Bierzelt an der Kirchweih. Das Paar und sein Team mussten in kürzester Zeit viele Gäste bewirten. 200 Essen in drei Stunden. „Das war schön, aber auch sehr anstrengend. Ohne unser tolles Personal hätten wir das nicht geschafft.” Elf Jahre haben die Helmreichs die Kirchweih ausgerichtet.
Auch so manch anderes Fest, das der hauseigene Stammtisch oder ein Verein auf die Beine stellen wollte, wäre ohne die Kooperation mit der „Sonne” vermutlich nichts geworden. Das Altstadtfest, Geburtstagsfeiern, Weihnachtsfeiern – irgendwann im Jahr kam jeder Merkendorfer in die Wirtschaft. Und im Ort gibt es wohl kaum jemanden, der mit den beiden Wirtsleuten nicht per Du ist.
Für die Stadt sei die Schließung der „Sonne” bitter, sagt auch Bürgermeister Stefan Bach. Viele Vereine wüssten nicht, wo sie nun mit ihren Treffen hingehen sollten. Um die Vereine tut es Walli und Willi sehr leid. Denn die noch bestehenden Gasthäuser haben nicht so regelmäßig geöffnet, um alle aufnehmen zu können.
Dennoch war den Wirtsleuten klar: „Wir müssen einen Schlussstrich ziehen.” Schließlich sind sie mit fast 75 und 70 nicht mehr die Jüngsten. Die beiden Kinder zeigten kein Interesse daran, die Gastwirtschaft fortzuführen. „Das muss man akzeptieren”, sagt Walli Helmreich. Die Rückmeldungen der Gäste seien durchweg bedauernd, aber verständnisvoll gewesen. „Die meisten haben gesagt: Da habt ihr recht.”
So ganz aufhören wollen und können die beiden ohnehin nicht. In der Metzgerei und beim Catering werden sie weiterhin mithelfen, wenn sie gebraucht werden. Wer so viel gearbeitet hat, kann halt auch nicht mehr ohne.