Der Andrang in der Bäckerei Thoma ist in den vergangenen Tagen groß gewesen. „Wir sind gestürmt worden“, erzählt Barbara Thoma-Fischer. Ihre Schwägerin Monika und sie notierten zahlreiche Vorbestellungen. Viele wollten sich noch mit Brot und Semmeln eindecken. Der Dentleiner Traditionsbetrieb schließt nach 143 Jahren. Am Freitag war der letzte Tag.
Nach vier Generationen ist Schluss. Der in Weidenbach geborene Martin Thoma gründete die Bäckerei 1880. Ihm folgte sein Sohn Friedrich nach, der 1951 wiederum an seinen Sohn Christian und dessen Frau Betty übergab. Nach dem plötzlichen Tod von Betty Thoma 1977 unterstützten Sohn Christian – damals 22 Jahre alt – und Tochter Barbara – damals 18 Jahre alt – ihren Vater, übernahmen Verantwortung und kümmerten sich um das Geschäft.
1991 übergab Christian Thoma – er war von 1960 bis 1990 Dentleins Bürgermeister – die Bäckerei an seinen Junior und dessen Frau Monika. „Unser Vater half bis zu seinem Tod 2000 immer mit“, teilt Barbara Thoma-Fischer (63) mit. Jetzt gibt es keinen Nachfolger.
Die Tochter und der Sohn von Monika und Christian Thoma haben andere Interessen. „Wir haben aber auch nicht erwartet, dass sie die Bäckerei übernehmen“, betont die 63-jährige Monika Thoma.
„Den Job will keiner mehr machen“, sagt Christian Thoma. Das frühe Aufstehen, die vielen Stunden in der Backstube. Dort steht der Bäckermeister und schaut, während er erzählt, in die Rührmaschine. Die Formen für den Biskuit stehen schon bereit. Die süßen Sachen macht der 67-Jährige immer als letztes. Inzwischen ist es Vormittag. In der Backstube ist es warm. „Hier ist es immer warm, Winter wie Sommer“, meint Christian Thoma schmunzelnd. „Im Sommer ist es schon oft extrem gewesen.“ Die Fenster weit aufmachen, geht aus Hygienegründen nicht.
Jahrzehnte lang sah ein Arbeitstag von Christian Thoma – bis auf die drei Wochen Urlaub im August – so aus: Um 16 Uhr heizte er den Steinbackofen, der mit Holz und Briketts befeuert wird, vor, brachte ihn auf zirka 250 Grad Celsius. Bis ungefähr 19 Uhr war er mit weiteren Vorbereitungen beschäftigt. Ob er sich anschließend noch einmal hinlegte, kam darauf da: „Wenn im Fernsehen Fußball lief, dann nicht.“
Ab 23 Uhr – freitags meistens früher – stand er in der Backstube. Licht an, Radio an und den inzwischen auf etwa 210 Grad Celsius abgekühlten Ofen noch einmal nachheizen – das waren die ersten Schritte.
Dann ging es ans Teigmachen und backen: Brot, dann Semmeln, dann Brezen und Laugenstangen und als letztes Süßgebäck. Seine Frau Monika half oft mit. Gegen Mittag war der 67-Jährige fertig. Dann musste noch sauber gemacht werden.
Der Steinbackofen, der 1960 eingebaut wurde, ist in der heutigen Zeit eine Besonderheit. Da braucht es Erfahrung. Ist der Ofen zu heiß, „wird alles schwarz“. Klar, mit einem modernen thermostatgesteuerten elektrischen Ofen wäre alles einfacher gewesen, räumt Christian Thoma ein. Aber: Der Aufwand, einen solchen einzubauen, wäre zu aufwendig gewesen, die Investition hätte sich nicht gelohnt.
„Es ist viel Wehmut dabei“, bekennen Christian Thoma, seine Frau Monika und seine Schwester Barbara im Gespräch kurz vor der Schließung. Ihrem Mann und ihrer Schwägerin falle es schwerer, meint Monika Thoma. „Die zwei sind schließlich in der Bäckerei aufgewachsen.“
Vermissen werde sie sicher, so die 63-Jährige, den Austausch mit den Kundinnen und Kunden, von denen viele der Bäckerei jahrzehntelang die Treue gehalten haben. Dafür ist die Familie sehr dankbar.
Monika Thoma freut sich auf mehr Zeit mit ihrer Enkeltochter. Barbara Thoma-Fischer und ihr Mann Hans wollen „sich mehr gönnen, mehr verreisen“. Im Mai ist bereits ein Urlaub geplant.
An die Rührmaschine gelehnt sagt Christian Thoma: „Es war schön, aber jetzt ist es auch gut.“