Mit Bravour hat Matthias Grünert sein „Heimspiel in Franken” absolviert. Der Kantor der Dresdner Frauenkirche war am Wochenende auf großer Orgelfahrt in der Region. Gespielt hat er zehn Konzerte an zehn sehr unterschiedlichen Instrumenten. Sie waren gut bis sehr gut besucht: Grünerts Orgelfahrten sind inzwischen ein Begriff.
Seit zehn Jahren reist er mit einem ehrenamtlichen Organisationsteam ins westliche Mittelfranken, um Orgeln, die er kennt oder kennenlernen will, in Konzerten vorzustellen. Sein Enthusiasmus scheint unerschöpflich, er steckt an und überträgt sich beim Spiel durch Grünerts frischen, energischen Zugriff.
Der Beifall ist jedes Mal groß. Zugaben sind fast selbstverständlich. Wie viele Menschen die Konzerte besucht haben, kann Matthias Grünert nur schätzen. Der Eintritt ist traditionell frei. Mehr als tausend Zuhörerinnen und Zuhörer, da ist er sich sicher, werden es gewesen sein.
Die Orgelfahrt führte den Kantor der Frauenkirche an Orte in den Landkreisen Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen. Im Landkreis Ansbach neu für ihn waren die Strebel-Orgel in St. Maria von Großhaslach, die Bittner-Orgel in der Marienkirche von Großlellenfeld und die Steinmeyer-Holländer-Koch-Orgel von St. Peter und Paul in Leutershausen allesamt solid gebaute und interessante Instrumente. Auf ihnen als Interpret zu überzeugen, ist nicht immer leicht.
Am meisten Kraft kostete das schwergängige Instrument in Großlellenfeld. Knochenarbeit sei das gewesen, gesteht er mit einem Schmunzeln. Man hörte es nicht. Er entlockte dieser Orgel der Romantik üppig warme Klangfarben und festlichen Schwung. Dass die Orgel in Leutershausen 1968 von einem spätromantischen Instrument in ein neobarockes umgebaut wurde, bedauert er. Aber im Vergleich sei hier das Experiment gelungen.
Das gilt auf andere Weise auch für die Orgel der Merkendorfer Stadtkirche, wo Grünert das Schlusskonzert gab. Paul Ott baute sie 1953. Er war seinerzeit einer der ersten, die sich den barocken Orgelbau als Vorbild nahmen. Dem Frauenkirchenkantor gefällt das Instrument sehr gut: „Die wussten damals schon, was sie taten.” Mit einem nordeutsch inspirierten Barockprogramm stellte er Vorzüge dieser Orgel heraus. Man hörte ihre hellen Pastellfarben und ihre Fähigkeit zu kraftvoller Dramatik.
Matthias Grünert nutzte zudem die Konzertreise, um für seinen YouTube-Kanal „Orgelfahrt“ neue Videos aufzunehmen. Dieses Mal sind es die Orgeln von Binzwangen, Dittenheim, Großlellenfeld, Leutershausen und Merkendorf gewesen. Die Videos werden im Lauf eines Jahres veröffentlicht.