Mit dem Aufbau einer klimafreundlichen Energieversorgung geht es in Feuchtwangen weiter voran. Die Genehmigungsplanungen für den Elektrolyseur und damit für die Zukunftstechnologie Wasserstoff laufen auf Hochtouren. Zum Einsatz kommt dabei modernste Technologie.
Konkret geht es um einen „digitalen Zwilling”, der einer Pressemitteilung aus dem Rathaus zufolge als zentrales Instrument dient. Dieses softwaregestützte Modell der realen Anlage simuliere deren späteren Betrieb für die Elektrolyse bereits im Vorfeld und optimiere diese. „Wir setzen bewusst auf einen intelligenten und vorausschauenden Planungsansatz”, wird Bürgermeister Patrick Ruh dazu in der Mitteilung zitiert. Und: „So sorgen wir dafür, dass unsere geplante Wasserstoffproduktion und auch -nutzung über die gesamte Lebensdauer der Anlage effizient und wirtschaftlich abläuft.”
Der digitale Zwilling erlaube es, unterschiedlichste Szenarien zu berechnen – und zwar von Dunkelflauten im Winter über Feiertage bis hin zu Strompreisschwankungen oder historischen Wetterdaten. Auch mögliche Betriebsstörungen und Abnahmeverzögerungen könnten simuliert werden. Daraus ergäben sich wertvolle Erkenntnisse für die Auslegung und Steuerung der Anlage, so der Rathauschef. „Damit können wir etwa sicherstellen, dass auch bei wechselnder Einspeisung aus erneuerbaren Quellen die Wasserstofflieferungen verlässlich eingehalten werden können.”
Gefördert werde das betriebliche Energiekonzept für die neu gegründete Betreibergesellschaft H2 Hub nahKRAFT GmbH als Pionierarbeit vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Auf Beschluss des Stadtrats solle die IFSEC Green H2 AG der Schweizer IFSEC Gruppe, die als Partnerin bei der Wasserstoffproduktion gefunden worden ist, künftig mit 51 Prozent der Anteile Hauptgesellschafterin der H2 Hub nahKRAFT sein. Indes halte die Stadtwerketochter nahKRAFT GmbH 49 Prozent der Anteile.
Die Geschäftsleitung teilen sich Technischer Stadtwerkeleiter und nahKRAFT-Geschäftsführer Lothar Beckler sowie IFSEC-Geschäftsführer Marcus Reitmaier. Kaufmännischer Werkeleiter Thomas Stöhr und IFSEC-Treuhänder Fabio Lupisella fungieren als Prokuristen.
„Die IFSEC Gruppe verfügt über ein hervorragendes Netzwerk in der internationalen Wasserstoffwirtschaft und bringt zugleich tiefgreifendes Know-how bei der technischen Umsetzung mit”, begründet Bürgermeister Ruh die Entscheidung für die Partnerschaft. Diese bezeichnet er als wichtigen Schritt hin zur Realisierung des Feuchtwanger Elektrolyseurs. Denn: „Gerade für ein solch zukunftsweisendes Projekt brauchen wir einen starken, erfahrenen Partner an unserer Seite.”
Derweil berichtet Lothar Beckler von einem ersten Abnahmevertrag für grünen Wasserstoff. Über einen Zeitraum von drei Jahren sichere dieser Vertrag ab Januar 2027 die Abnahme von jährlich mindestens 200 Tonnen Wasserstoff – mit der Option auf maximal bis zu 600 Tonnen pro Jahr. Über weitere Abnahmeverträge werde bereits konkret verhandelt. Darüber hinaus zeigten schon jetzt weitere Investoren Interesse an der Nutzung der Abwärme des Elektrolyseurs ebenso wie am Ausbau der regenerativen Stromerzeugung vor Ort.
Dank seiner Lage nahe der Autobahnen, seiner Infrastruktur und des Potenzials für erneuerbare Energien sei Feuchtwangen ein strategisch hochinteressanter Standort, meint Rathauschef Ruh. Die Stadt könne sich „zu einem zentralen Knotenpunkt für die regionale Wasserstoffwirtschaft entwickeln“.