Das Münster St. Georg in Dinkelsbühl feiert an der Allerweltskirchweih, heuer am 20. Oktober, seinen Weihetag. An der spätgotischen Hallenkirche haben viele Baumeister ihre Spuren hinterlassen. Einer war wohl Hennse Stigelicz von Miltemperg. Ernst Stieglitz, Schreinermeister aus Sammenheim bei Gunzenhausen, hat seinen Stammbaum bis zu diesem Vorfahren zurückverfolgt.
30 Jahre lang hat sich Stieglitz in die Archive hineingegraben, wie er berichtet. 18 Generationen hat er dabei erforscht, die sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Einer seiner Vorfahren war im 15. Jahrhundert eben der um 1430 geborene Hennse Stigelicz von Miltemperg, der laut dem Hobby-Ahnenforscher am Bau von St. Georg in Dinkelsbühl erheblich beteiligt gewesen sein soll.
Mit den Baumeistern von St. Georg, Niclaus Eseler der Ältere und dessen Sohn Niclaus der Jüngere, sei sein Vorfahre Stieglitz zufolge ein ganzes Leben lang eng verbunden gewesen. Womöglich habe es die ersten Kontakte in Miltenberg am Main gegeben, da die Eselers auch den Mainzer Dom als Baumeister zu verantworten hatten und den roten Sandstein aus den Steinbrüchen bei Miltenberg bezogen, hat der Sammenheimer herausgefunden.
Niclaus Eseler der Ältere wurde 1447 von der Stadt Dinkelsbühl als Bau und- Werkmeister von St. Georg berufen. Im heutigen Münster finden sich viele Steinmetzzeichen – die einen versteckt, die anderen gut sichtbar. Direkt auf Augenhöhe unter der Orgelempore, in der Nähe des Taufsteins, sieht man zweimal deutlich das Zeichen von Hennse Stigelicz (Hans Stiglitz). Viele seiner Zeichen finden sich in verschiedenen Kirchen jener Zeit, beispielsweise in Rothenburg ob der Tauber und in insgesamt sieben Kirchen im Ries, so in Nördlingen und Bopfingen.
Womöglich hat Hennse Stigelicz um 1455 seine Meisterprüfung in Dinkelsbühl abgelegt, da man sich nach Steinmetztradition als neuer Meister gut sichtbar im Stein verewigen durfte, mutmaßt sein Nachfahr Ernst Stieglitz.
Der Höhepunkt seiner Karriere war der Ahnenforschung nach die St.-Wolfgangs-Kirche in Ellwangen, die er als Baumeister zu verantworten hatte. Dieses Bauwerk trägt einen vergleichbaren Stil des Dinkelsbühler Münsters, nur ist sie wesentlich kleiner. Hier hat er sich mit einem Selbstporträt am Eingang und nachweislich mit seinem Zeichen als Schlussstein im Chorraum verewigt.
Der Kunsthistoriker Elmar D. Schmid erklärt 1974 in seinem Buch „Ellwangen – St. Wolfgang“ das Zeichen folgendermaßen: Das obere „V“, genannt als „Dreschergabel“, ist das Steinmetzzeichen der Bauhütte Köln. Das große „S“ steht für Stigelicz, der Schrägstrich „/“ bedeutet das „h“ für Hennse.
Ob Hennse Stigelicz beziehungsweise Hans Stiglitz geahnt hat, dass seine Bautätigkeiten nach rund 550 Jahren noch standhalten und seine Nachfahren die Arbeiten bewundern, fragt sich der Sammenheimer Schreinermeister heute. Zumindest erfülle seine Familie „großer Stolz, Dankbarkeit und Freude“, dass einer ihrer Ahnen „maßgeblich am großartigen Bau des Münsters in Dinkelsbühl“ beteiligt war.