Finnin schreibt Buch über Georg Wilhelm Steller aus Windsheim | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 13.11.2024 18:12

Finnin schreibt Buch über Georg Wilhelm Steller aus Windsheim

Die Neuerscheinung zu Georg Wilhelm Steller umfasst rund 310 Seiten. Die Ausgabe ist leicht zu lesen und gut verständlich. (Foto: Verlag Kohlhammer)
Die Neuerscheinung zu Georg Wilhelm Steller umfasst rund 310 Seiten. Die Ausgabe ist leicht zu lesen und gut verständlich. (Foto: Verlag Kohlhammer)
Die Neuerscheinung zu Georg Wilhelm Steller umfasst rund 310 Seiten. Die Ausgabe ist leicht zu lesen und gut verständlich. (Foto: Verlag Kohlhammer)

Er ist der wohl bekannteste Sohn Bad Windsheims: Georg Wilhelm Steller. Das städtische Gymnasium ist nach ihm benannt worden, es gibt die Steller-Weiße und einen Steller-Weg. Außerdem werden regelmäßig Führungen angeboten, bei denen man mehr über den Entdecker erfährt. Nun gibt es ein neues Buch über ihn.

Geschrieben hat das rund 310 Seiten starke Werk, das im Verlag W. Kohlhammer veröffentlicht wurde, die Finnin Aura Koivisto. Sie betont ausdrücklich, keine Historikerin zu sein und keine Fachbuchautorin, sondern einfach nur Schriftstellerin. „Das Buch ist ein Muss für jeden, der sich für Entdeckungen und die Geschichte von Natur und Wissenschaft interessiert“, schreibt die Autorin selbst über ihr Werk.

Interesse für Umwelt und Geschichte

Denn Koivisto ist fest davon überzeugt, dass dieses Buch nicht nur sinnstiftend für all jene sei, die sich für Geschichte und Biografien interessieren, sondern auch und vor allem für diejenigen, die sich für die Natur interessieren. „Mein Ziel war es, unsere Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was jetzt in unserem Leben mit der Natur und der Umwelt passiert.“ In diesem Zusammenhang verweist die Autorin auf die Steller’sche Seekuh und den noch viel zu wenig beachteten Riesenkormoran, die beide durch Menschenhand gestorben und so letztlich ausgerottet worden seien.

Das zu betonen, darauf legt auch Rainer Volkert stets größten Wert. „Die Steller’sche Seekuh ist nicht ausgestorben, sie wurde ausgerottet“, sagt er. Das sei ein enormer Unterschied, der klar kommuniziert werden müsse.

Volkert beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Steller. Er war maßgeblich an der Entstehung des Steller-Weges durch die Altstadt von Bad Windsheim beteiligt, der an 14 Stationen Wissenswertes über den Arzt, Botaniker und Ethnographen vermittelt. Und Volkert wird nicht müde, sich dafür einzusetzen, Steller in seinem Herkunftsort Bad Windsheim noch bekannter zu machen und ihn auch touristisch zu nutzen.

Die Expedition an die Ostküste Amerikas missglückt

Auf die Neuerscheinung über sein Steckenpferd Steller war Volkert schon sehr gespannt. Gegliedert ist es in fünf Hauptkapitel: „Große Pläne“, „Alaska“, „Die Beringinsel“, „Kamtschatka“ und „Sibirien“ sowie „Was nach Steller kam“ als Ergänzung. Im Mittelpunkt der Erzählung steht eine russische Expedition in den 1740er Jahren. Ihr Ziel: die Ostküste Amerikas zu vermessen. Mit von der Partie war Vitus Bering, ein dänischer Marineoffizier in russischen Diensten.

Die Expedition missglückt. Bering und andere Mitglieder der Mannschaft werden krank. Wegen schlechten Wetters stranden sie schließlich auf der heutigen Beringinsel und müssen dort ein Jahr lang ausharren. Die Autorin Koivisto beschreibt in ihrem Buch die Expedition und das Leben des Expeditions-Teams.

Auf einer Insel gestrandet: Ein Jahr in der Natur

Und sie lässt Steller schwärmen: über seine einzigartige Freiheit, den Forschergeist schweifen lassen zu können, von „den Blumen und Gräsern der wogenden Steppenlandschaft“ und von der „smaragdgrünen Taiga“. Es seien „bittersüße Momente“, in denen die Natur mit ihrer Schönheit das Herz zu durchbohren schien und den Atem zum Stocken brachte, heißt es in der Geschichte.

Als eingeschworenem Steller-Experten sind Rainer Volkert beim Lesen des Werkes ein paar kleine Ungereimtheiten aufgefallen. So habe Steller zwar Theologie studiert, er sei aber nie als Pfarrer tätig gewesen. Außerdem sei der Entdecker nicht im Jahr 1742 gestorben, sondern 1746. Über diese minimalen Fehler vermag Volkert aber hinweg zu sehen. Einige erklärt er sich damit, dass die Übersetzung vielleicht einfach unglücklich sei. Was ihn aber ein Stück weit untröstlich macht, ist die Tatsache, dass Windsheim, in dem Steller am 10. März 1709 geboren worden war, nur am Rande erwähnt wird.

Windsheim sei „eine Kleinstadt in Mittelfranken“, heißt es auf Seite 20. Kurz wird noch auf Stellers Vater verwiesen, der als Kantor tätig gewesen war. Außerdem hätte die Familie Steller „sage und schreibe zehn Kinder“ gehabt. Das war’s dann aber auch schon mit den Wurzeln in Windsheim. Kein Wort davon, wie diese Kleinstadt ihren berühmten Sohn einst geprägt hat.

Windsheimer Lateinschule hat jungen Steller geformt

Volkert bedauert das sehr, zumal die damals in Windsheim existierende Lateinschule den jungen Steller maßgeblich geformt haben muss. „Das war ja keine Kuschelschule, vielmehr gehörten Härte und Verzicht zu seinem Bildungsalltag“, so Volkert. Zudem hätte Georg Wilhelm Steller eine Abi-Rede gehalten und sei Jahrgangsbester gewesen. Ein bisschen mehr über die Zeit in Windsheim hätte es Volkert zufolge also gerne sein dürfen.

Insgesamt bezeichnet er die Neuerscheinung als „informatives Sachbuch“. Es sei leicht zu lesen und gut zu verstehen und bei weitem keine rein wissenschaftliche Abhandlung. Die Autorin habe sich vielmehr sehr darum bemüht, dem ganzen Geschehen Leben einzuhauchen und dabei die Zeit des 18. Jahrhunderts zu reflektieren.

Viel Wert legt Koivisto auch darauf, das damalige Verständnis für Natur und Umwelt mit dem heutigen zu vergleichen. Darin sieht Volkert eine Stärke des Buches. So seien Tiere wie die Steller’sche Seekuh bereits damals ausgerottet worden. Und diese Entwicklung setze sich fort. „Man ist daraus nicht klüger geworden.“

Das Werk indes werde Volkert zufolge dem berühmten Sohn Bad Windsheims durchaus gerecht. So sei es auch all jenen zu empfehlen, die sich neu mit Steller beschäftigen – oder aber sich weiter mit ihm beschäftigen wollen.

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