Fotokunst im Quadrat: Thomas Wunsch stellt in Hilsbach aus | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.05.2025 20:44

Fotokunst im Quadrat: Thomas Wunsch stellt in Hilsbach aus

Abstrakte Fotografie sei eigentlich ein Widerspruch, findet er, aber genau darin liegt für ihn der Reiz: Thomas Wunsch. (Foto: Martina Kramer)
Abstrakte Fotografie sei eigentlich ein Widerspruch, findet er, aber genau darin liegt für ihn der Reiz: Thomas Wunsch. (Foto: Martina Kramer)
Abstrakte Fotografie sei eigentlich ein Widerspruch, findet er, aber genau darin liegt für ihn der Reiz: Thomas Wunsch. (Foto: Martina Kramer)

Er hat in Peking ausgestellt, in Seoul, Bremen, den USA und nun in Hilsbach, einem Gemeindeteil von Aurach im Landkreis Ansbach: Der international renommierte Fotograf Thomas Wunsch. „On Continental Grounds“ bewegt er sich mit seinen Werken, die vielfach als Covers von LPs und CDs, vornehmlich aus der Sparte Jazz, dienen.

So war es höchst passend, dass bei der Vernissage am vergangenen Wochenende der hochkarätige Jazz-Pianist Dieter Köhnlein am E-Piano einige seiner Stücke darbot. Umgeben von den abstrakten Fotografien Wunschs, konnte sich im Geiste der Zuhörenden schnell eine Verbindung von Musik und Bild einstellen. Obwohl der Künstler betont, dass er nie explizit auf eine solche hinarbeitet.

Bildbearbeitung am Computer

Vielmehr entstehen seine Werke ganz frei. Sie orientieren sich an dem, was sich zunächst an originärem Motiv findet. Danach beginnt die Bildbearbeitung am Computer und es entsteht etwas Neues, Unerwartetes, Experimentelles, das über das eigentliche Objekt nichts mehr verrät.

Das hat Methode bei Thomas Wunsch, weshalb er nicht preisgibt, was er da eigentlich fotografiert hat. „Ich finde es reizvoll, welch unterschiedliche Interpretationen sich bei den Betrachtenden einstellen.“ Deshalb haben seine Bilder auch keine Titel. „Allein diese würden ja schon die Phantasie in eine bestimmte Richtung lenken.“

Warum ein Quadrat demokratisch ist

Das Einzige, was bei Wunschs Fotografien festgelegt ist, ist das Format: ein exakter Quadratmeter. „Einen Meter kann man mit den Armen noch erfassen. Deshalb hat man sich einst bei dieser allgemeingültigen Maßeinheit auf diese Länge geeinigt“, so Wunsch. Seine Liebe zum Quadrat erklärt er damit, dass er dieses Format sehr demokratisch findet. „Beim Rechteck dominieren immer die längeren Seiten.“

Abstrakte Fotografie sei eigentlich ein Widerspruch, findet Wunsch. Ursprünglich als Dokumentationsmedium gedacht, sei es im Grunde absurd, die Fotografie ins Abstrakte zu heben. Dennoch, gerade darin liegt für ihn der Reiz. Denn es ist im Grunde wie Malerei, wenn er am Computer seine Bilder bearbeitet.

Davon können die Besucher der Hilsbacher Ausstellung einen lebhaften Eindruck gewinnen. Angenehm aufgeräumt hängt nur eine knapp bemessene Anzahl von Werken im Raum, sodass jedes Bild die optimale Wirkung entfaltet. Neben den klassischen Quadratmeter-Fotos finden sich zwei kleinere Arbeiten und ein doppelt so großes Bild, das auf LKW-Plane gedruckt ist.

Betrachtet man diese Werke mit ihrer geheimnisvollen Ästhetik, dann kann man sich kaum vorstellen, dass ihr Schöpfer einst in der Modeindustrie tätig war. Viel hat der in Remscheid geborene Fotograf in den Vereinigten Staaten gearbeitet. Dort war er auch als Portraitist tätig und hat so manche Berühmtheit vor die Linse bekommen, unter anderen Barbra Streisand, Frank Zappa, Yoko Ono, Harvey Keitel oder den Dalai Lama.

Auf der Suche nach Motiven an unspektakulären Stellen

Trotzdem ist er heute froh, dass er seit nunmehr 25 Jahren als freier Fotograf seinen ganz eigenen Weg gehen kann. „Das Gewimmel im Atelier bei der Modefotografie war einfach nervig“, gesteht er.

Heute geht es ruhiger zu. Zwar zieht er immer noch durch die Metropolen der Welt auf der Suche nach Motiven, die sich bisweilen an ganz unspektakulärer Stelle finden – eine Schliere in einer Pfütze, eine zerkratzte Mauer, ein zerschlissener Bodenbelag – doch er kann seinen Rhythmus selbst bestimmen. Und manchmal tut sich Überraschendes auch in nächster Nähe auf: Da gibt es etwa eine schön abgenutzte Scheunentür auf dem Galerie-Gelände in Hilsbach. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt zieht, entdeckt man viel Reizvolles. Dies spiegelt auch Thomas Wunschs Werkschau in Hilsbach wider.

Thomas Wunschs Ausstellung „On Continental Grounds“ in der Kunsthalle Hilsbach dauert bis zum 25. Mai, geöffnet sonntags von 14 bis 18 Uhr.


Von Martina Kramer
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