Fotos aus der Tagespflege „Oase“: Demenz neu sehen | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 18.02.2025 07:00

Fotos aus der Tagespflege „Oase“: Demenz neu sehen

Günter Schmidt in seinem Arbeitszimmer. Auf dem Computerbildschirm hat er die Aufnahme geöffnet, die beim Desideria Preis für Fotografie 2024 „Demenz neu sehen“ ausgezeichnet wurde. (Foto: Jasmin Kiendl)
Günter Schmidt in seinem Arbeitszimmer. Auf dem Computerbildschirm hat er die Aufnahme geöffnet, die beim Desideria Preis für Fotografie 2024 „Demenz neu sehen“ ausgezeichnet wurde. (Foto: Jasmin Kiendl)
Günter Schmidt in seinem Arbeitszimmer. Auf dem Computerbildschirm hat er die Aufnahme geöffnet, die beim Desideria Preis für Fotografie 2024 „Demenz neu sehen“ ausgezeichnet wurde. (Foto: Jasmin Kiendl)

Günter Schmidt geht das Thema nicht nur fotografisch an: Am Donnerstag organisiert er in Feuchtwangen eine Veranstaltung mit Dr. Sarah Straub.

„Fotografie hat mich schon immer fasziniert und interessiert“, sagt Günter Schmidt. Seit er im Ruhestand ist, beschäftigt er sich nun intensiv damit. Fotografisch und persönlich am Herzen liegen ihm dabei die Themen „Altern“ und „Demenz“. Mit Erfolg beteiligte er sich am Desideria Preis für Fotografie 2024 „Demenz neu sehen“.

Ausgelobt hat diesen Preis Desideria Care mit Sitz in München. Die eingereichten Arbeiten sollten „Menschen mit Demenz in einer positiv aufgeladenen Situation abbilden“, heißt es auf der Internetseite des Vereins. Denn viele „verbinden mit dem Thema ‚Demenz‘ Ängste und Ablehnung. Dabei erleben betroffene Familien diesen Lebensabschnitt keineswegs nur negativ.“

Momentaufnahmen vom Alltag

Diese Sichtweise habe ihn „sehr angesprochen“, habe er „sehr spannend“ gefunden, erzählt Schmidt, der in Feuchtwangen-Lichtenau lebt und freier Mitarbeiter der FLZ ist. Der 76-Jährige reichte insgesamt acht Fotos ein, die er in der Tagespflege „Oase“ des Evangelischen Vereins für Gemeindediakonie Feuchtwangen gemacht hat. Es sind Momentaufnahmen vom Alltag in der Einrichtung.

Eines seiner Fotos – es zeigt eine Seniorin, die nach einer Blüte an einem Busch greift – wurde mit einer „besonderen Erwähnung“ ausgezeichnet. Erst dachte Schmidt, das sei eine Art „Trostpreis“. Doch seines war eins von nur zwölf ausgewählten Bildern aus rund 570 Einsendungen von 78 Fotografinnen und Fotografen aus Deutschland und Österreich. Also ist die Auszeichnung „doch ganz ordentlich“, meint er und schmunzelt.

Kontakt bei einem Vortrag in Ansbach

Auf Desideria Care gestoßen ist Günter Schmidt durch Dr. Sarah Straub, die ihn dann auch ermutigte, am Fotowettbewerb teilzunehmen. Zum ersten Mal gesehen hat er die Neuropsychologin, Autorin und Liedermacherin in einem Musikformat im Fernsehen und war von ihr begeistert, erinnert sich Schmidt. Als Straub dann in Ansbach auftrat, schrieb er sie an, ob er bei ihrem Konzert fotografieren dürfe. Am Merchandise-Stand seien sie dann ins Gespräch gekommen und er habe ihr Buch „Wie meine Großmutter ihr ICH verlor“ entdeckt und gekauft.

Straub, die an der Ulmer Uni-Klinik zum Thema frontotemporale Demenz forscht, schreibt über ihre persönlichen Erfahrungen bei der Pflege ihrer dementen Oma. Günter Schmidt las das Buch, auch vor dem Hintergrund, dass sein Schwager die Diagnose Demenz bekommen hat.

Realistisches Bild von Demenz

Schmidt und Straub sind weiterhin in Kontakt. Und jetzt kommt sie nach Feuchtwangen. Am kommenden Donnerstag, 20. Februar, organisiert Schmidt zusammen mit dem „Evangelischen Forum Westmittelfranken – Bildung im Dekanat Feuchtwangen“ eine Konzertlesung. Beginn ist um 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Bei der Veranstaltung möchte Straub ein positiveres, aber dennoch realistisches Bild von Demenz vermitteln, kündigt Schmidt an. Sie verbindet dabei ihr Wissen als Demenzexpertin, mit ihren Erfahrungen als pflegende Angehörige ihrer Großmutter und ihres Schwiegervaters und mit ihrem Talent als Liedermacherin. Sie liest aus ihrem Buch, gibt fachliche Informationen über den aktuellen Forschungsstand zum Thema „Demenz“ und spielt Lieder von ihren aktuellen CDs zur Auflockerung und Ergänzung des Themas.

Es gehe darum, aufzuklären und zu sensibilisieren, sagt Günter Schmidt. Und auch darum, pflegenden Angehörigen Mut zu machen.

Unterwegs als Landmarker-Mitglied

Neben den Themen „Altern“ und „Demenz“ sowie der Konzertfotografie gilt die Leidenschaft von Günter Schmidt der Reise- und Städtefotografie. Seit 2021 ist der frühere Gesamtleiter des Kinder- und Jugendhilfeverbunds Sonnenhof in Feuchtwangens Stadtteil St. Ulrich Mitglied der Landmarker. Auf diesen Zusammenschluss von Fotografinnen und Fotografen aufmerksam geworden ist Schmidt bei Workshops von Rolf Nobel in Hannover. Der Fotojournalist und Professor für Fotografie ist selbst ein Landmarker.

Schmidt bekundete Interesse. „Ich musste mich jedoch etwas gedulden, bis ein Platz frei wurde“, berichtet er. Die Gruppe ist regelmäßig unterwegs und fotografiert jeweils als Gemeinschaftsprojekt eine Stadt im Stil klassischer Reisefotografie. Günter Schmidt war in Antwerpen, Riga, Breslau und zuletzt in Neapel dabei. Aufnahmen aus Riga zieren einen Teil der Wand in seinem Arbeitszimmer. Diese zeigen deutlich, dass es den Landmarkern, wie sie selbst betonen, nicht nur um Ansichten in außergewöhnlich schönem Licht geht, sondern immer auch um die Menschen.

north