Weihnachtsstimmung im November: Mit Geschichten, Gedichten, Erzählungen und Musik hat der fränkische Mundartdichter und Haselnussbauer Fritz Stiegler bei seinem Auftritt im Rahmen der Kulturreihe 230 Besucherinnen und Besucher des Musiksaals auf die Adventszeit eingestimmt.
Unterstützt von Sängerin Anja Lugert und Gitarrist Emil Hubner nahm Stiegler in seinem gelungenen Programm „Weihnachten und Drumrum“ liebevoll-pointiert die fränkische Lebenswirklichkeit aufs Korn. Die beim Publikum aufgerufene Gefühlspalette reichte dabei von Besinnlichkeit bis zu beschwingter Heiterkeit. Als Motive seiner Texte taugen Stiegler überwiegend eigene Erlebnisse, Alltagsbetrachtungen sowie Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend im bäuerlichen Mehrgenerationenhaus in Gonnersdorf bei Cadolzburg. Dies wird humorvoll verwurstet – oder wie er selbst vielleicht eher sagen würde, zum „Bressagg“ verarbeitet.
Geschickt kontrastiert Stiegler dabei den vertrauten und verträumten dörflichen Kosmos von einst mit Beobachtungen in einer sich immer schneller wandelnden Gegenwart. So ist Sankt Martin, der beim kleinen Fritz und seinen Freunden auf dem Dorf noch für Angst und Schrecken gesorgt hatte, bei der Jugend von heute völlig marginalisiert. Angesagt ist Halloween, und dem Pulzermärtel werden selbst die Knie weich. Dies klingt bei Stiegler dann so: „In der Nacht in der Gassen sind‘s rudelweis‘ g‘rennt. Es werden immer mehr, die Gespenster kommen her. Und der Pulzermärtel im Haus, traut sich nicht naus.“
Süßes, sonst gibt’s Saures, lautet die kompromisslose Ansage der Bagage, und wenn nicht geliefert wird, muss der verschreckte Franke die Erfahrung machen, wozu das führen kann. „Ist das Putzmittel gor, ist endlich Neujahr!“
Aber war früher wirklich alles besser? Seine Großeltern hat Stiegler als materiell nicht eben großzügig, ja geradezu knickerig, in Erinnerung. Denn die Zwei-Weltkriege-Generation der Stiegler-Dynastie lebte frei nach dem Motto „Der Kühlschrank ist leer, die Geldkiste schwer.“ Eben diese Schatulle hätte dann beinahe den dritten Weltkrieg ausgelöst. Denn: „Um diese Kisten haben wir dann jahrelang gestritten.“
Weniger gut war vor Jahrzehnten auch noch die Relation zwischen fränkischem Winterwetter in Form von plötzlich einsetzendem Blizzard und der sparsamen Motorisierung des durchschnittlichen Kraftfahrzeugs. Dadurch begab es sich zirka 1990, dass das Ehepaar Stiegler im 55 PS schwachen, heckangetriebenen VW bei 15 Zentimeter Neuschnee südlich von Puschendorf feststeckte und den ersten veritablen Krach einer damals noch jungen Ehe erlebte. „Gleich in der ersten Weh steck mer im Schnee!“ so der Vorwurf an den Fahrer. Brav befolgte „der Mo“ zwar die Anweisungen: „Du sollst kuppeln und schalten und dann nicht mehr halten!“ Was, man ahnt es schon, auch wieder nicht richtig war. Schließlich war das holde Weib ausgestiegen, um anzuschieben.
Sein Genre der heiteren fränkischen Mundartdichtung beherrscht Stiegler meisterlich. Über zwei Stunden lang kam das Publikum in den Genuss eines pointierten Anekdotenfeuerwerks. Nur mit dem Singen, damit hat Stiegler es nicht so sehr. Deswegen überlässt er dies meist lieber seiner Bühnenkollegin Anja Lugert, die begleitet von Emil Hubner auf der Gitarre, mit Klassikern wie „Atumn Leaves“ und „Winter Wonderland“ für den passenden musikalischen Rahmen sorgte.