Gelegentlich muss man innehalten und reflektieren. Bin ich noch auf dem richtigen Weg? Tue ich das, was ich will? Der Neustädter Autor Jonas Pöltl macht genau das und schreibt darüber. Jetzt ist der zweite Band seiner Nomaden-Trilogie erschienen.
„Der Traum der Nomadin” spielt in der Wüste, in einer Zeit vor rund 50 Jahren. „Sonst hätte jeder Hauptakteur ein Handy in der Hand“, sagt Jonas Pöltl und lacht. Für seinen Roman hat sich der Neustädter Autor in die Rolle einer jungen Frau hineinversetzt. Seine Probeleserinnen hätten ihm attestiert, dass seine Hauptakteurin glaubwürdig ist, so der 40-Jährige.
In der Geschichte geht es um Carla. Die 16-Jährige wird seit frühester Kindheit in die Aufgabe der fürsorglichen Schwester gedrängt, muss ihre Pflichten im Haushalt erfüllen und soll nun einen einflussreichen Adeligen heiraten. Statt dem Willen des Vaters zu folgen, nimmt sie den Rat einer weisen Alten an, verlässt das elterliche Haus und macht sich auf in ein Abenteuer in der Wüste. Auf der Flucht vor dem zukünftigen Ehemann findet sie zu sich selbst und trifft auf Nael.
Nael dürfte die Leserschaft, die Pöltl folgt, schon kennen. Er ist jener Sinnsucher aus dem ersten Band der Nomaden-Triologie. Die beiden Bücher sind ineinander verwoben und haben eine Gemeinsamkeit: Sie beschreiben eine Reise zu sich selbst.
„In jedem meiner Bücher spiegelt sich eine Phase meines Lebens wider“, verrät der Autor. Als sein erster Sohn Niklas auf die Welt kam, habe sich für ihn alles verändert. „Was mache ich mit meiner Lebenszeit, wenn ich nicht mit diesem wunderbaren Lebewesen zusammen bin?”, habe er sich damals gefragt. Passt die Entscheidung, die ich vor vielen Jahren getroffen habe, noch zu mir? Diese Frage hat sich der Diplom-Elektroingenieur gestellt und sich für eine berufliche Veränderung entschieden.
In einem Erlanger Unternehmen, das Elektroautos baut, arbeitet er mittlerweile nicht mehr als Ingenieur, sondern ist jetzt Teamleiter und hat fünfzehn Angestellte unter sich. Kommunikation statt Technik. „Wäre die Idee nur in meinem Kopf geblieben, wäre ich heute noch Elektroingenieur”, sagt er. Stattdessen hat er Gespräche mit den Vorgesetzten gesucht und eine neue Rolle für sich gefunden.
Seinen beruflichen Wandel hat er schriftlich festgehalten. Das Ergebnis war sein erster Roman „Insel der Erkenntnis”, in dem der gestresste Manager Matt lernt, neue Wege zu gehen. Mittlerweile hat er vier Romane geschrieben und ein Sachbuch über Zielstrebigkeit, das er gratis zum Download auf seiner Homepage anbietet. Oft seien wir so mit den Dingen des Alltags beschäftigt, dass wir uns selbst dabei verlieren, ist sich Pöltl sicher. Alte Rollen, alte Hüte. Irgendwann müsse man sich die Frage stellen „Bin ich auf dem Weg, den ich gehen will?”, um sich nicht selbst zu verlieren.
Das bedeute nicht, dass man sein ganzes Leben über den Haufen werfen müsse, betont der Familienvater. Oft genügen auch kleine Anpassungen. „Ich selbst achte auf meine Zeit”, sagt er. Früher habe er beim TSV Obernzenn Fußball gespielt. Als seine Söhne auf die Welt kamen, waren ihm die Trainingszeiten zu unflexibel, und er ging lieber laufen oder ins Fitnesstraining. Mittlerweile ist er wieder beim Mannschaftssport angekommen und engagiert sich als Jugendtrainer beim HC Neustadt. Sein siebenjähriger Sohn Lukas spielt dort. Pöltl freut sich nicht nur, Zeit mit Lukas zu verbringen, sondern ist selbst überrascht, dass ihm das Training mit den anderen Kindern so viel Spaß macht.
All das sei nur möglich, weil er sich Zeit freigeschaufelt und darüber nachgedacht habe, was ihm im Leben wichtig sei. Gerade schreibt Pöltl an einem „Spaßprojekt” mit seinem Sohn Lukas als Co-Autor. Der Siebenjährige gibt die Ideen vor, aus denen der Vater eine Geschichte entwickelt. Man darf gespannt sein – auch auf den dritten Band der Nomaden-Triologie, in dem Kinder eine tragende Rolle spielen werden.
Jonas Pöltl will seine Leserinnen und Leser mit seinen Büchern zur Selbstreflexion anregen. Vom Ingenieur, der einen genauen Schreibplan brauchte, hat er sich zum Schriftsteller entwickelt, der seinen Figuren Raum für Entscheidungen lässt. Und wie wird sich die 16-jährige Nomadin Carla entscheiden? Soviel darf vorweggenommen werden: Pöltl gibt seinen Figuren Wurzeln mit, damit sie in einer sich verändernden Außenwelt auf sich und ihre Entscheidungen vertrauen können.
Jonas Pöltl, Der Traum der Nomadin – Schicksalhafte Begegnung, 2025, Books on Demand,, ISBN: 978-3-6951-9595-4; www.jonaspoeltl.de