Die VR-Bank Mittelfranken Mitte mit Sitz in Ansbach und die Raiffeisen Spar+Kreditbank Lauf wollen fusionieren. Das teilten die Banken am Mittwoch in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Das Geschäftsgebiet der deutlich größeren VR-Bank Mittelfranken Mitte wird dadurch im Nordosten im Landkreis Nürnberger Land erweitert.
Aufsichtsrat und Vorstand beider Banken haben die Aufnahme konkreter Fusionsverhandlungen beschlossen. Auch die Belegschaft wurde über die Planung informiert, geht aus der Mitteilung hervor. Über das Fusionskonzept, das in den nächsten Monaten erarbeitet wird, sollen in der zweiten Juni-Hälfte die Vertreterversammlungen der Banken in Lauf und in Ansbach abstimmen.
Deren Zustimmung vorausgesetzt, soll die Bankenhochzeit dann rückwirkend zum 1. Januar vollzogen werden, erklärte Dr. Gerhard Walther, der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Mittelfranken Mitte, gegenüber der FLZ. Die Umsetzung der technischen Fusion ist dann fürs letzte Wochenende im September ins Auge gefasst. Ansbach wird dabei die aufnehmende Bank sein, sodass für die Kundinnen und Kunden hier eher keine Änderungen zu erwarten sind, für Kundschaft im Landkreis Nürnberger Land wird die Fusion eine neue Bankleitzahl mit sich bringen. Weitere Details stehen bislang nicht fest.
Zusammen bringen es die beiden Genossenschaftsbanken auf rund 75.000 Mitglieder und 138.000 Kundinnen und Kunden. Beide Häuser weisen der Mitteilung zufolge stabile wirtschaftliche Verhältnisse auf. Deshalb sei der Zeitpunkt für den Zusammenschluss aus Sicht der Verantwortlichen bestens gewählt. Hinzu kommt, dass sich die Verantwortlichen beider Häuser seit Jahren verbunden sind, wie Gerhard Walther betonte.
Dr. Thomas Geißdörfer, der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen Spar+Kreditbank Lauf, geht Ende 2028 in den Ruhestand. Wenn solche Veränderungen bevorstehen, löst das in den Banken immer die Frage aus: Wird der Posten neu besetzt oder strebt man einen Zusammenschluss an?
„Die für eine Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit notwendigen Investitionen in Personal, Beratungsqualität, digitale Systeme sowie in die qualitative Weiterentwicklung von Spezialisten und Dienstleistungen zugunsten von Mitgliedern und Kunden lassen sich gemeinsam deutlich wirkungsvoller realisieren“, sind sich die Vorstandsvorsitzenden Walther und Geißdörfer einig. Beide Häuser hätten die gleiche Unternehmensphilosophie. Durch den Zusammenschluss könne der genossenschaftliche Auftrag „noch besser umgesetzt werden”, heißt es in der Mitteilung.
Die Bilanzsumme der VR-Bank Mittelfranken Mitte liegt bei rund 4,6 Milliarden Euro, die Laufer Kollegen sind mit etwa 600 Millionen Euro im Jahr deutlich kleiner. Eine ähnliche Verteilung ergibt sich bei der Zahl der Mitglieder (65.000 zu 9500) und bei der Zahl der Beschäftigten (534 zu 77). Zusammen bringen es beide Häuser auf 5,2 Milliarden Euro und ein betreutes Kundenvolumen von fast elf Milliarden Euro. Dank einer „soliden Eigenkapitalausstattung” sei man „für weiteres Wachstum gut gerüstet”. Oder wie es Dr. Gerhard Walther ausdrückt: „Wir können unsere Schlagkraft verbessern.” Mit dieser Bilanzsumme pirscht sich die VR-Bank an die Sparkasse Ansbach heran, die im vergangenen Jahr 5,6 Milliarden Euro vermeldet hatte.
Die VR-Bank Mittelfranken-Mitte entstand 2022 aus der Fusion der VR-Bank Mittelfranken West und der Raiffeisenbank Roth-Schwabach. Zuvor hatte es 2015 bereits Zusammenschlüsse der einstigen Ansbacher Gewerbebank und der VR-Bank Rothenburg gegeben. Im Nürnberger Land liegt die letzte Fusion hingegen deutlich länger zurück. Die Banken klagen seit Jahren über immer schärfere Regularien, die sie einhalten müssen. Dies sei für kleine Häuser kaum zu leisten. Deshalb werden die Kreditinstitute immer größer.
In der Pressemitteilung legen die Genossenschaftsbanken mit Sitz in Ansbach und Lauf Wert darauf, dass mit 25 Filialen im Geschäftsgebiet die Dezentralität auch in der neuen Struktur erhalten bleibe. Der Zusammenschluss ermögliche es, das Spezialistentum weiter auszubauen, was am Ende der Kundschaft in Form von besserer Beratung zugutekomme.
Es werde keine fusionsbedingten Kündigungen geben, versichern die Vorstände beider Banken: „Alle Mitarbeiter werden benötigt, damit wir in einem inzwischen sehr komplizierten Umfeld die großen Ziele viel besser erreichen.”