Da raschelt Wind nicht bloß mit den Blättern, er fegt jäh durchs Geäst, Jäger galoppieren, Hörner schmettern – und danach weht bittersüße Melancholie herein: In Sachsen, im Haus der Bäuerin war das und noch viel mehr zu hören: Das Duo Gleichklang stellte sich vor. „Herbststürme“ hatte es sein Konzert überschrieben.
Bunt wie Laub im Herbst war das Programm, das sich die Geigerinnen Nan Hong Kim-Herberth und Erica Lunz sich für ihre Instrumente zurechtgelegt hatten. Sie schlugen einen Bogen von Vivaldis stürmischem Sommer-Gewitter, den kompletten Herbst und Winter über Tangos von Piazzolla und Gardél bis hin zum Elvis-Hit „Can’t Help Falling in Love“ als Zugabe.
Nun ist es nicht leicht, mit nur zwei Violinen ein abendfüllendes Programm zu bestreiten, das Publikum im Bann und die Spannung zu halten. Erica Lunz, die auch durch den Abend führte, und Nan Hong Kim-Herberth gelang das fabelhaft. Dass da zwei Geigerinnen auf der Bühne standen, die sich seit ihrer Jugend kennen und die gern in Fußgängerzonen spielen, sich also mit ihrer Musik behaupten müssen – ihrem musikantischen Zugriff war das anzuhören.
Ihre Interpretationen hatten eine schöne Entschiedenheit und rhythmische Energie. Vivaldi-Virtuosität lag ihnen genauso wie Astor Piazzollas Tango-Stolz oder Carlos Gardéls Tango-Sentiment. Der Passacaglia von Johan Halvorsen, einer freien Händel-Adaption, gaben sie Brillanz und Sogkraft.
Staunenswert war die blitzende Klangfülle, die sie Peter Tschaikowskys Jagdlied verliehen – toller als das Klavieroriginal. Bei Stücken wie Joseph Kosmas „Autumn Leaves“ und Tschaikowskys Herbstlied zeigten sie sich von ihrer empfindsamen Seite. Und mit Charles Auguste de Beriots „Duo Concertant“ setzten die Geigerinnen einen gewichtigen Schlusspunkt. Den Gleichklang haben sie nicht nur im Namen.