Hilsbach: Dem Panzer gegenüber steht die Kunst | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.09.2023 07:00

Hilsbach: Dem Panzer gegenüber steht die Kunst

Im Zentrum der Ausstellung: eine vieldeutige Bildergruppe samt Objekten. (Foto: Martina Kramer)
Im Zentrum der Ausstellung: eine vieldeutige Bildergruppe samt Objekten. (Foto: Martina Kramer)
Im Zentrum der Ausstellung: eine vieldeutige Bildergruppe samt Objekten. (Foto: Martina Kramer)

„The Dark Side of the Mood“ heißt eine internationale Werkschau mit 33 Künstlerinnen und Künstlern. Diese von Mathias Deutsch kuratierte Ausstellung ist zurzeit in der Kunsthalle Hilsbach zu sehen.

Die Anspielung auf das berühmte Album „The Dark Side of the Moon“ der britischen Psychedelic-Band Pink Floyd ist offensichtlich. „Es hat mir Spaß gemacht, mit der Änderung nur eines Buchstabens eine hintergründige Assoziation zu erzeugten“, sagt Mathias Deutsch.

Der schwierige Schaffensprozess

Ebenso unerforscht wie die Rückseite des Mondes ist bisweilen die Stimmung, die viele Kunstschaffende während ihres Arbeitsprozesses erleben. Die allgemeine Vorstellung von Leichtigkeit, Unbeschwertheit und fröhlicher Kreativität möchte der Kurator hinterfragen. Mit dem Weinglas in der einen Hand, den Pinsel in der andern vor einer Leinwand stehend, im Hintergrund die südliche Kulisse einer mediterranen Landschaft, so stellt sich gar mancher das künstlerische Schaffen vor.

Demgegenüber steht ein mitunter quälender Prozess, begleitet von Selbstzweifeln, Mutlosigkeit, Einsamkeit, unter dem so manches Kunstwerk Form annimmt. Warum sie mit dem Singen angefangen habe, wurde einst die früh verstorbenen Bluessängerin Janis Joplin gefragt. „Weil man da nicht so allein ist“, lautete damals ihre vielsagende Antwort.

Von ähnlichen Erfahrungen kündet der Text von Mathias Deutsch, den er zur Vernissage vorgetragen hat. Da geht es um ein wahres Stimmungstief, einen seelischen Kater, entsprungen einer Begegnung des Künstlers mit einem Fliegenpilz. „Die Schilderung eines Tages übelster Laune“ heißt diese launische Reflexion, die von einer nüchternen Bestandsaufnahme des eigenen Zustands bald in philosophische Gefilde mit phantastischen Elementen abdriftet. Ein greifbares Bild, das wohl nicht selten mit dem Schaffensprozess von Kunst einhergeht.

Diffuses und zugleich facettenreiches Bild

Die in Hilsbach gezeigten Arbeiten künden davon und erzeugen in ihrer Gesamtwirkung ein ebenso diffuses wie facettenreiches Bild freier Kunst. Malerei, Skulptur und Video heißen die drei Säulen, auf denen diese heterogene Ausstellung fußt. Im Zentrum befindet sich ein Kollektiv von Gemälden, das in Petersburger Hängung arrangiert ist.

Im Fokus die drei Tannen von Niina Lehtonen Braun, die auch die Einladungskarte zieren. Drum herum gruppiert hat Mathias Deutsch die Bilder in einem mehr intuitiven als rationalen Prozess. Spannend dabei die Beziehungen, die sich unter den Gemälden ergeben. Eher dem Zufall geschuldet sind so manche Ähnlichkeiten oder auch Widersprüche. Der Betrachter kann vieles für sich herausziehen und soll dies auch.

Am Fuß der Bilderkollektion eine kleine Porzellan-Skulptur von Hausherrn Kuno Ebert: Ein Kopf mit Füßen, dessen Gesicht am Boden daneben liegt. Im Vordergrund fläzt sich in bedrohlichem Realismus ein stattliches Panzer-Modell, das Tobias Sternberg geschaffen hat. Prompt evoziert diese Kombination Assoziationen an ganz aktuelle Ereignisse. Dies kombiniert mit einem Solo-Bild von Eva Schwab gemahnt an die Apokalypse. Und macht klar, dass Krieg nicht ausschließlich männlich ist, denn ihr Atompilz ist weiblich, eine „Atomfrau“.

Kunst mit satirischer Note

Wichtig findet Mathias Deutsch, dass Kunst auch einen absurden, satirischen, von schwarzem Humor geprägten Aspekt haben kann. Dies zeigt sich in den Collagen von Thomas Hartmann, Alfie Zuppinger oder Hannah van Ginkel.

Und auch das im Kellerraum präsentierte Video, das Günter Zehetner zeigt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. „Das schöne Mädchen“ heißt dieses 1997 entstandene Filmexperiment, das noch auf eine VHS-Kassette gebannt wurde. Daraus erklärt sich die Bildqualität, die aber dem bisweilen abstrusen Geschehen, das zudem jeglichen Tones entbehrt, eine besondere Note verleiht. Es ist ein Fundstück, das der filmaffine Künstler Zehetner zufällig entdeckt hat.

Zufällig oder auch durch ganz bewusstes Hinschauen Interessantes entdecken, das bietet diese spannende Ausstellung dem aufgeschlossenen Besucher an.

Die Werkschau in der Hilsbacher Kunsthalle dauert noch bis zum 17 September, sonntags geöffnet von 14 bis 18 Uhr.


Von Martina Kramer
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