Holzmechanikerin Pia Müller aus Sachsen bei Ansbach ist die Beste in Deutschland | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 08.01.2025 09:00

Holzmechanikerin Pia Müller aus Sachsen bei Ansbach ist die Beste in Deutschland

Der Wunsch nach einem selbst ausgebauten Camping-Mobil hat Pia Müller dazu veranlasst, eine Ausbildung zur Holzmechanikerin zu absolvieren. Da die Zeit für den Ausbau neben der Arbeit knapp war, ist in dem Sprinter hinter ihr bislang nur das Bett vorhanden. Der Rest soll aber folgen. (Foto: Luca Paul)
Der Wunsch nach einem selbst ausgebauten Camping-Mobil hat Pia Müller dazu veranlasst, eine Ausbildung zur Holzmechanikerin zu absolvieren. Da die Zeit für den Ausbau neben der Arbeit knapp war, ist in dem Sprinter hinter ihr bislang nur das Bett vorhanden. Der Rest soll aber folgen. (Foto: Luca Paul)
Der Wunsch nach einem selbst ausgebauten Camping-Mobil hat Pia Müller dazu veranlasst, eine Ausbildung zur Holzmechanikerin zu absolvieren. Da die Zeit für den Ausbau neben der Arbeit knapp war, ist in dem Sprinter hinter ihr bislang nur das Bett vorhanden. Der Rest soll aber folgen. (Foto: Luca Paul)

Mit den eigenen Händen Dinge schaffen und erschaffen – das tun zahlreiche Handwerkerinnen und Handwerker jeden Tag. In einer Serie stellt die FLZ erfolgreiche Nachwuchstalente aus Westmittelfranken und ihre Berufe vor. Diesmal geht es um die Holzmechanikerin Pia Müller.

Leicht in Mitleidenschaft gezogen sind die beiden Außenspiegel des weißen Citroën-Sprinters, der vor dem Haus steht. Links bedeckt rotes Klebeband das schwarze Plastik. Rechts ragen bunte Kabel heraus.

Stolz zeigt Pia Müller ihr Herzensprojekt. In der Ladefläche, die knapp sechs Quadratmeter umfasst und knapp zwei Meter hoch ist, hüpft sie lachend mit dem Oberkörper voran auf die gelbe Bettwäsche. Bis auf das schwebende Holzbett, das sie selbst gebaut hat, ist der Innenraum noch recht kahl. Die Küchenzeile fehlt ebenso wie Möbel, die Stauraum bieten. Auf dem Dach sind schon Solarpaneele angebracht und auch neue Fenster sind eingebaut. Die 22-Jährige aus Sachsen bei Ansbach (Landkreis Ansbach) richtet sich ein Camping-Mobil ein.

Mit einem Sprinter verreisen, wild campen und vorübergehend darin leben. Das hatte sie sich als Plan schon in ihrer Jugend in den Kopf gesetzt. Handwerkliches Können und Wissen ist für einen derartigen Umbau zwingend erforderlich. Bis vor ein paar Jahren mangelte es bei Pia Müller noch an beidem. Jetzt ist sie gelernte Holzmechanikerin. Und das als Bundesbeste in ihrer Fachrichtung.

„Ich wusste nur, dass ich ein Auto ausbauen wollte und mich gefragt habe, welche Skills ich dazu brauche“, erzählt sie. Bei der Suche nach einem Beruf, in dem sie all das lernen kann, was sie für den Umbau benötigt, ist sie auf die perfekte Sparte gestoßen: auf Tiny-Häuser. „Bei Tiny-Häusern ist von vorne bis hinten alles drin.“ Beworben hat sie sich bei allen möglichen Firmen, die diese Minihäuser herstellen. Bei all denen, die auf der Deutschland-Karte zu finden sind, so Müller. „Ich wollte unbedingt Tiny-Häuser bauen.“ 400 Kilometer von ihrer westmittelfränkischen Heimat entfernt ist sie fündig geworden.

Selbstsicher im Handwerk gestartet

Und das, obwohl ihre handwerklichen Fähigkeiten „nie sonderlich ausgeprägt“ waren. Gefühlt hat sie – ein bisschen überspitzt gesagt – bei ihrem Arbeitgeber „das erste Mal einen Akkuschrauber benutzt“. „Aber ich habe mir einfach immer viel zugetraut“, sagt Müller selbstsicher.

Laut ihrer Mama wollte die heute 22-Jährige auch früher schon immer alles selbst machen, erzählt sie. Sie gehört zu den Personen, die „Sachen lieber reparieren als es machen zu lassen“. Von Elektrik und Metallbau über Sanitäranlagen bis hin zu Abdichtungen und Holzarbeiten: Die Ausbildung der 22-Jährigen in Detmold in Nordrhein-Westfalen war sehr umfangreich. „Ich wusste nicht einmal, wo Detmold liegt, als ich zum Praktikum hingekommen bin“, erinnert sie sich.

Gelernt hat Müller in der Werkstatt „super viel“. „Die Lernkurve war sehr steil am Anfang.“ Ihre Kollegen haben sie direkt integriert. „Ich habe mich mit den Leuten, die mir Sachen beigebracht haben, sicher gefühlt“, sagt sie. Zudem haben ihre Kollegen ihr noch mehr zugetraut, als sie sich selbst, erzählt die junge Frau. Wenn man das erste Mal eine Flex in der Hand hat, hat man schon Respekt.“

Viel Handarbeit in der Werkstatt

Sogar das Schweißen hat sie gelernt. Nicht unbedingt das, was man bei einer Holzmechanikerin erwartet. Wer sich online über den Beruf informiert, erhält eher einen industriellen Eindruck. Große Hallen, große Maschinen, die reine Herstellung folierter Möbel und viele Knöpfchen drücken. Bei Müller war das nicht der Fall. In ihrer Firmen-Werkstatt wurde meist mit gängigen Handmaschinen gearbeitet. Erst zum Schluss ihrer Ausbildung kam eine Formatkreissäge hinzu.

Berührungspunkte mit industriellen Maschinen hatte die 22-Jährige in der Berufsschule. „Bei uns gab es die Möglichkeit, den CNC-Fachbrief zu machen.“ Da Müller in einer gemischten Klasse mit Tischlern war, durfte sie dieses Zertifikat erwerben. Normalerweise ist das nicht Teil der Ausbildung zur Holzmechanikerin, sagt sie.

Die Berufsschule sei vor allem dafür da gewesen, um über das, was sie beim Tiny-Haus-Bau lernte, hinauszuschauen. Wie zum Beispiel das Erstellen von Dateien für den 3D-Druck. „Was ich auf der Arbeit gebraucht habe, habe ich auch auf der Arbeit gelernt.“ Und das beherrscht sie. Ihr Gesellenstück – ein Loft in einem Tiny-Haus – hat überzeugt. Nur fünf Punkte fehlten bis zur vollen Punktzahl.

Bei insgesamt drei Preisverleihungen wurde die 22-Jährige ausgezeichnet. Als Erstes in Detmold auf Regionalebene, dann in Siegen auf Landesebene und in Berlin auf Bundesebene. „Es kam sehr überraschend. Es war nichts, worauf ich hingearbeitet habe“, sagt sie.

Endprodukt voller Leben

Zu sehen, was alles möglich ist, ist für die 22-Jährige das Tolle an ihrem Ausbildungsberuf. Zu wissen, „man kann aus dem Nichts etwas erschaffen, worin Menschen leben können“. Wenn der Kunde zufrieden mit der Handwerksarbeit ist, ist das ein gutes Gefühl, so Müller. „Das ist schon schön.“

Manchmal musste ihr Team für Reparaturen die fertigen Tiny-Häuser noch einmal besuchen. Zu sehen, „wie die Leute darin leben“ sei besonders spannend, so die Holzmechanikerin. „Und dann ist immer ein Teil von einem darin.“

Wie es für sie nun weiter geht? „Erst einmal tatsächlich weg von dem, was ich gerade gelernt habe. Was aber auch sehr schade ist“, sagt sie. Ob Geschichte, Archäologie, Modedesign oder Maschinenbau: Ihre Interessen sind breit gefächert und die Wahl des Studiums fiel nicht leicht. „Ich denke wenig in Berufen, sondern darin, was mir gerade taugt.“

Was die 22-Jährige schon sicher weiß: Sie wird an ihrer „Blechbüchse“ weiterarbeiten. Früher wollte sie immer darin leben, doch jetzt möchte sie lieber Fuß fassen, einen festen Alltag haben. Den Mobilitätsfaktor braucht sie nicht unbedingt. „Einfach machen“ ist ihr Motto in Sachen Van-Ausbau. Mit Autos kennt sie sich nicht sonderlich aus, doch als Holzmechanikerin hat sie nun das Gespür dafür, was wie zu tun ist. „Ich bleibe immer jemand, der Sachen handwerklich angeht. Das bleibt auf jeden Fall immer bei mir.“


Luca Paul
Luca Paul
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
north