Ickelheim: Eine Exkursion in den „floristisch interessantesten Weinbergen“ | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 30.07.2024 09:00

Ickelheim: Eine Exkursion in den „floristisch interessantesten Weinbergen“

Heinrich Beigel erklärte den rund 80 Exkursionsteilnehmern viel Wissenswertes über die Flora und Fauna der Weinberge bei Ickelheim. (Foto: Hans-Bernd Glanz)
Heinrich Beigel erklärte den rund 80 Exkursionsteilnehmern viel Wissenswertes über die Flora und Fauna der Weinberge bei Ickelheim. (Foto: Hans-Bernd Glanz)
Heinrich Beigel erklärte den rund 80 Exkursionsteilnehmern viel Wissenswertes über die Flora und Fauna der Weinberge bei Ickelheim. (Foto: Hans-Bernd Glanz)

„Die Weinberge bei Ickelheim sind die floristisch interessantesten“, sagte Heinrich Beigel. Wohl auch deswegen waren rund 80 Naturliebhaber zur Veranstaltung „Von Pfahlweinbergen und Alabaster-Knollen – eine naturkundliche Exkursion“ gekommen.

Eingeladen hatte der Landschaftspflegeverband zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde. Mit dabei war auch Landrat Dr. Christian von Dobschütz, der Nachfolger von Helmut Weiß als Vorsitzender des Landschaftspflegeverbands ist. Im Gänsemarsch ging es vom Treffpunkt bei der Geißleite Richtung Wald und über einen teils steilen Weg hinauf auf den Schlossberg. Im Fokus stand der Lebensraum von Pflanzen und Tieren – und mit Heinrich Beigel leitete ein ausgewiesener Experte die Führung.

Die Verbuschung nimmt Lebensraum

So wurde unterwegs immer wieder Halt gemacht, um Pflanzen zu betrachten, die teils vom Aussterben bedroht sind und nur an wenigen bekannten Stellen noch vorkommen. Der „Erdbeer-Klee“ ist so eine Pflanze, die Beigel mit sicherem Auge in einer Wiese entdeckte. Die Pflanze des Monats Juli im Jahr 2019 findet immer weniger Lebensraum.

Der Schmetterlingsblütler benötigt zum Überleben feuchte bis nasse Standorte, so der Experte. Deutschland sei zwar eines der Hauptverbreitungsgebiete, aber seit mehreren Jahrzehnten ist die Verbreitung des Erdbeer-Klees mit seinen rosafarbenen Blütenständen wegen Entwässerungsmaßnahmen und zunehmender Versiegelung deutlich rückläufig. Hinzu kämen Verbuschungen, die auch anderen Pflanzenarten zunehmend den Lebensraum nähmen, sagte Heinrich Beigel.

Kaiser Karl schon von der Lage begeistert

Spannend wurde es dann erneut, als Beigel am Weinberg anschaulich den Pfahlweinbau erklärte. Der Ickelheimer Schlossberg sei demnach nicht nur eine Lage, die bereits unter Kaiser Karl der Große Erwähnung fand, sondern „er ist damit der Älteste und mit rund 1800 Quadratmetern der größte deutsche Pfahlweinberg“. Mit rund 600 Arbeitsstunden sei zur Bearbeitung eines Morgens, etwa 2000 Quadratmetern, ein intensiver Arbeitsaufwand nötig, erfuhren die Teilnehmer.

Vorteilhaft war die Bewirtschaftung mit unterschiedlichen Methoden nebeneinander, so dass die interessierten Teilnehmer direkt vor Augen hatten, wie ein Stickel im Weinbau zur Anwendung kommt. Weiter ging es, diesmal einen steilen Abstieg hinab.

Dort war ebenfalls zu sehen, wie der Hang zunehmend verbuscht, wenn nicht ein Schäfer seine Herde regelmäßig durchtreiben kann oder von menschlicher Hand dem Aufwuchs von Sträuchern und Dornengewächsen Einhalt geboten wird. Ja, und weil nach dem Abstieg vor dem Aufstieg war, ging es am gegenüberliegenden Hang ebenso steil wieder bergauf.

Kreuzotter nicht mehr gesichtet

Eine Diskussion über das Auftreten von Kreuzottern entspann sich währenddessen. Seit Jahren sei keine Sichtung im hiesigen Gebiet bekannt, sagte Beigel. Letztmals sei in den 1980er Jahren bei Burgbernheim ein Auftreten registriert worden. Dafür lernten die Naturfreunde, dass Ringelnattern und Schlingnattern den Lebensraum am Schlossberg bevölkern.

Der Verbreitungsschwerpunkt der Schlingnatter liegt unter anderem in den wärmebegünstigten Regionen Süddeutschlands, die oft zugleich Weinanbaugebiete seien. Die für den Menschen völlig ungefährliche Schlange werde indes immer wieder mit der Kreuzotter verwechselt.

Die Art stehe unter Naturschutz und dürfe weder verfolgt noch gefangen werden. Bevor es wegen eines heranziehenden Gewitters eilig zu den Autos zurückging, informierte Heinrich Beigel noch ausführlich über das Gipsvorkommen bei Ickelheim – über die Entstehung, den Abbau und die Verwendung von Gips, die das häufig verwendete Baumaterial in einem ganz anderen Licht erscheinen ließen.


Von Hans-Bernd Glanz
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