In der Langenfelder Dorflinde klappern die Nadeln. Seit September vorigen Jahres treffen sich dort regelmäßig bis zu 15 Strickerinnen, die ihre Handarbeit mittlerweile auch für die Aktion „Grüne Socke“ in den Dienst stellen. Die älteste Teilnehmerin ist 90 Jahre alt, die Jüngste 14.
Geleitet wird die Gruppe ehrenamtlich von Heike Madiar. „Man sagt, ich konnte schon stricken, bevor ich lesen konnte“, erzählt sie. Seit 45 Jahren lässt sie die Nadeln tanzen. „Nach einem stressigen Tag holt das einen einfach runter“, sagt die Unternesselbacherin, die in der Küche der Dorflinde beschäftigt ist. Madiar nimmt im weltweiten Netzwerk an Schnellstrickwettbewerben teil. Dabei treffen sich Menschen im Internet in einer Gruppe namens „Sock Madness Forever“ (Sockenverrücktheit für immer) und treten gegeneinander an – auch im schnellen Nachstricken von neuen Mustern. Und Madiar kann dabei offenbar überzeugen: „Heikes Stand am Weihnachtsmarkt Scheinfeld war fantastisch“, schwärmt eine Strickerin.
Von Madiars Strickkünsten profitieren dann auch die Langenfelderinnen. Wenn die Frauen etwas über ein neues Muster wissen wollen, ist sie um keine Antwort verlegen. Schließlich ist sie seit Jahren nicht nur online in etlichen Strickkreisen unterwegs – auch Wollfirmen schreibt sie an. So ergab es sich, dass ihr angesichts ihrer vielen Bestellungen immer zu Weihnachten ein Knäuel grüne Sockenwolle geschenkt wurde und sie zeitgleich auf die Aktion „Grüne Socke“ stieß. Diese spendet die Exemplare an den Verein „Gynäkologische Krebserkrankungen Deutschland“. Teils stiftet Madiar diese Wolle, teils kaufen die Teilnehmerinnen ihre Knäuel auch selbst.
Rund 20 Exemplare der in frischen Grüntönen und raffinierten Mustern gestrickten Socken liegen auf dem Tisch – im Mai wird Madiar die Arbeiten aus Langenfeld abschicken. Sie sind mit der Banderole des Vereins versehen. „Mit uns bekommt ihr keine kalten Füße, aber viel Hilfe, Zuversicht und Information rund um gynäkologische Unterleibskrebserkrankungen“, lautet das Motto des Vereins.
Der gute Zweck – hauptsächlich kommen die Socken Frauen mit Eierstockkrebs zugute – ist das eine, die Leidenschaft der Strickerinnen das andere. Jedes Mal lernen die Frauen in der Gruppe etwas dazu, denn auch gegenseitig begutachten sie ihre Maschenwerke und unterstützen sich. Die Älteren lernen dabei sogar noch etwas von Jüngeren.
Eines können sie aber so ziemlich alle recht gut: Fersen stricken. „Es gibt vier Arten: die Bumerangferse, die Herzchenferse, die Zunahmeferse und die Fischlippenkussferse“, wird erklärt. Begeistert sind die Handarbeiterinnen vom Wollangebot im Landkreis. Die Wege führen sie nach Neustadt und Ullstadt, nach Bad Windsheim und Burghaslach. Die meisten wollen die Knäuel anfassen, bevor sie diese kaufen, aber viele bestellen auch im Internet. „Stricken mit Heike“ ist ein fleißiger, offener Kreis. Die nächsten Termine sind am Mittwoch, 13. März, am Dienstag, 19. März, sowie am Mittwoch, 27. März, jeweils ab 19 Uhr im Tagescafé der Dorflinde in der Flößleinstraße in Langenfeld. Rund drei Stunden sitzt man zusammen. „Es ist wie eine Sucht nach Maschen“, sagt eine Frau. Im April wird sich die Runde wahrscheinlich nachmittags ab 15 Uhr in der Dorflinde treffen.
Heike Madiar hat auch das Sonntagscafé ins Leben gerufen und gilt längst als „gute Seele“ der Dorflinde, welche sie „unglaublich mit Leben erfüllt“, beschreibt die dritte Bürgermeisterin Anna Ebener. Sie bewirtet die Strickerinnen mit Kaffee und Kuchen. Zu erreichen ist die Gruppenleiterin Heike Madiar unter Telefon 09164/996638.