Jetzt will Scheinfelds Heimat- und Kulturverein wieder richtig mit größeren Veranstaltungen loslegen. Am Wochenende ist dies überraschend gut gelungen: Ein Fachvortrag über die Schwarzenberger Brauerei in Scheinfeld und dessen Bedeutung für das Fürstenhaus und für die Scheinfelder Bürger lockte unerwartet viele Interessierte.
Professor Wolfgang Wüst konnte dabei mit einem hervorragenden Vortrag begeistern. Diesen hatte er anhand alter Schriften, Rechnungen und Vorschriften aus dem Schwarzenberger Archiv, das seit einigen Jahren wieder in Franken (im Nürnberger Staatsarchiv) untergebracht ist, erarbeitet.
Da gab es tiefgründige Informationen, die so manchen aufhorchen ließen. Heute spricht man viel von Nachhaltigkeit und Regionalität – damals wurden diese Begriffe bereits intensiv gelebt. Die Brauerei wurde nach dem Vieraugenprinzip geleitet, die Aufgaben waren klar verteilt.
Die für das Bierbrauen erforderlichen Zutaten, wie Gerste, Hafer, Weizen oder Dinkel sowie der Hopfen mussten von den Bauern aus der nahen Umgebung eingekauft werden oder in eigenen „Gärten“ angebaut und geerntet werden. Gleiches galt für die Herstellung der Eimer, Fuder (Fässer) und Metallreifen sowie das Pech, das zur Abdichtung der Holzgefäße gebraucht wurde.
Nur in Notfällen durften diese Dinge von außerhalb zugekauft werden. Ebenso wurde darauf geachtet, dass die Bürger in den Wirtshäusern und zu Hause nur Bier der fürstlichen Brauerei ausschenkten. Einzige Ausnahme war das Bräu der Kommunbrauhäuser, von denen es in jeder Gemeinde welche gab. Durch diese fürstliche Gesetzgebung war es eben auch das Bier, das die Herrschaft des Fürstenhauses Schwarzenberg im europäischen Raum, von Franken über Böhmen bis in die Hoheitsgebiete von Österreich, gefestigt hat.
Etwas weniger historisch aber ebenfalls lehrreich war der zweite Teil dieses Bierabends. Alfred Greiner, ein erfahrener Braumeister und weitgereister Fachmann, referierte bei einer Bierprobe über die unterschiedlichen Brauarten. Wie und wann hat man früher Bier gebraut? Warum so große Mengen? Was haben die Menschen speziell in Franken getrunken, wenn es im Sommer kein Bier mehr gab? Fragen über Fragen, die alle ihre Antwort bekamen.
Fünf Biere standen zur Verkostung bereit (Helles, Pils, Landbier, Weißbier und ein Doppelbock). Zu früheren Zeiten wurde Bier nur zwischen Oktober und Ende März gebraut. Die übrigen Monate waren für die Bierherstellung zu warm. Lagerung und die entsprechend notwendige Kühlungen war nur begrenzt möglich. Daher kommen in Franken die vielen Bier- und Eiskeller.
Die unterschiedliche Behandlung des Getreides beim Malzen macht den Unterschied zwischen hellen und dunklen Bieren aus. Auch wie das Malz behandelt wird, spielt für den späteren Geschmack eine große Rolle. Die Hopfenbeigabe bestimmt beim Kochvorgang die Würze des Bieres. Beim Pils eher etwas die Bitternote, bei dunklen Bieren den süffigeren, vollmundigen Geschmack. Weizenbiere waren ebenso wie die sogenannten Dünnbiere eher Durstlöscher und wurden, angesichts dessen, dass Wasser mangels Hygiene kaum trinkbar war, von allen Bevölkerungsschichten gerne getrunken.
In den Monaten, in denen es kein Bier mehr gab, wichen die Menschen auf vergorene Obstgetränke, wie Apfel- und Birnenmost oder eben Wein aus. Dieser konnte in kühlen, dunklen Kellern über den Sommer gelagert werden. Dass man aus Bier auch eine warme Mahlzeit zubereiten kann, erlebten die Bierverkoster auch. Eine eigens nach uraltem Rezept gekochte Biersuppe wurde im großen Topf serviert.
Die Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Tanja Jordan, zog eine positive Bilanz dieses ersten großen Vereinsabends nach den Corona-Einschränkungen.