Eine kleine fränkische Stadt feiert ein Jubiläum und lädt dazu einen aus Franken stammenden Chor ein, der ebenfalls ein Jubiläumsjahr begeht: In der Kirche eines Klosters, das den Namen eines alten Adelsgeschlechtes trägt, gastierte der Windsheimer Knabenchor.
Er ist einer der renommiertesten Knabenchöre der Welt und bot ein geistliches A-Cappella-Musik-Programm unter der Leitung von Ludwig Böhme. Schon lange vor Konzertbeginn war die Klosterkirche Schwarzenberg restlos gefüllt. Wer diesen Chor, der heuer stolze 80 Jahre besteht, einmal gehört hat, vergisst nie mehr diese glasklaren, leicht metallischen Knaben- und Männerstimmen, die sich zu einem mehrstimmigen Gesamtklang formieren, der aus einer einzigen Kehle zu stammen scheint, so präzise und homogen wird jede Note intoniert.
Wie Meereswogen, so ausgeglichen und als könnte es gar nicht anders sein, schwillt zartes Piano zum donnernden Forte an und fällt wieder in sanftes Kräuseln zurück. Da schert keine Stimme aus, da ist kein Wackeln, keine Unsicherheit, sondern einfach nur eine Reinheit, so frisch wie neugefallener Schnee, dessen Kristalle im Sonnenschein glitzern. Sie sind hochkonzentriert, diese Jungsgesichter – manche wirken ganz brav, anderen traut man eher einen Schabernack zu. Aber die Stimmen von Engeln haben sie alle. Seit 80 Jahren schon ist es möglich, durch beharrliches Üben mit kompetenten Chorleitern, durch guten Willen, Disziplin und das kleine Gottesgeschenk einer stimmlichen Disposition einen Chor auf Weltklasseniveau zu halten.
Ist die Anspannung zu Beginn noch zu spüren, werden die Gesichter zunehmend entspannter, die Haltung lockerer. Fernchöre, bei denen ein Teil des Chores von der Empore heruntersingt, werden mehrmals genutzt. „Unser Leben ist ein Schatten“ von Johann Bach, dem Großonkel des Altmeisters, ist ein Bravourstück für ausgefeilte Interpretation. Die Sänger auf der Empore agieren ohne Unterstützung des Chorleiters, und doch ist jeder Einsatz präzise.
Zwei der jungen Sänger erzählen vom Chor, vom Programm. Felix Mendelssohns „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ ist ein Lieblingsstück, wie auch nicht. Klassisch sind die Harmonien, wohlig kann man in den getragenen Anfangsworten schwelgen. Vom selben Komponisten erklang auch „Denn er hat seinen Engeln“ für acht Stimmen – Melodien, so sanft, wie es Psalm 91 mit Worten beschreibt, voller Vertrauen in die göttliche Allmacht.
Doch sie können auch anders: Speziell für das Windsbacher Ensemble komponierte Reiko Füting „Viel: kamen, kommen, werden“. Lautmalerei, Zischen, Hauchen, ein Mischen von Sprechen und Gesang geben den Zuhörerinnen und Zuhörern Spielraum für eine eigene Interpretation. Ein Spiritual als Zugabe ist ein Dankeschön für die stehenden, nicht enden wollenden Ovationen. Die Windsbacher. Wieder eine Sternstunde des Chorgesanges mehr.