Innovative Förderung: In Rothenburg werden Inklusion und Lernen vereint | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 17.10.2025 12:09

Innovative Förderung: In Rothenburg werden Inklusion und Lernen vereint

Am Campus startete ein besonderes Berufsbildungsprojekt. Auf dem Bild zu sehen sind vorne (von links) Julia Scholz, die das Programm absolvierte, Cora Ebert, Claudia Müller und Rula Alnesr sowie hinten (von links) Willi Ulm, Dr. Florian Diener und Zeljko Lozo, sozialpädagogischer Fachdienst. (Foto: Christin Kohler)
Am Campus startete ein besonderes Berufsbildungsprojekt. Auf dem Bild zu sehen sind vorne (von links) Julia Scholz, die das Programm absolvierte, Cora Ebert, Claudia Müller und Rula Alnesr sowie hinten (von links) Willi Ulm, Dr. Florian Diener und Zeljko Lozo, sozialpädagogischer Fachdienst. (Foto: Christin Kohler)
Am Campus startete ein besonderes Berufsbildungsprojekt. Auf dem Bild zu sehen sind vorne (von links) Julia Scholz, die das Programm absolvierte, Cora Ebert, Claudia Müller und Rula Alnesr sowie hinten (von links) Willi Ulm, Dr. Florian Diener und Zeljko Lozo, sozialpädagogischer Fachdienst. (Foto: Christin Kohler)

Was macht eigentlich eine Verkäuferin? Und was gehört zum Beruf des Gärtners dazu? In Räumlichkeiten des Campus können nun Menschen mit Behinderung einen Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt erhalten und unter anderem Antwort auf diese Fragen erhalten. Einmal in der Woche werden sie dort in Theorie und Praxis geschult.

Das innovative Projekt „Kom(m)pass im Campus) zur inklusiven Bildung und Teilhabe am Arbeitsleben soll Menschen mit Behinderungen – insbesondere mit psychischen Beeinträchtigungen – den Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt erleichtern. Das Angebot richtet sich gezielt an Personen, die die Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes bisher noch nicht erfüllen oder den Besuch einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung ablehnen.

„Wir wollten einen Raum schaffen, in dem sich die Personen sicher fühlen”, erklärte der Leiter der Arbeits- und Tagesstruktur Diakoneo Rothenburg/Oberzenn, Willi Ulm, in einem Pressegespräch mit der Redaktion. Mit diesem Gedanken sei er auf den Geschäftsführer des Campus, Dr. Florian Diener, zugegangen – und der sei ebenfalls begeistert gewesen. „Wir haben hier einen Ort geschaffen, an dem Studierende und Menschen mit Handicap gemeinsam lernen können.” Und: „Wir verstehen uns als diverser und inklusiver Wissensort”, so Diener.

Zentrale Lage in der Stadt wichtig

Wichtig sei gewesen, so Willi Ulm, dass der Ort zentral in der Stadt gelegen ist. Diese Vorgabe sei mit den Räumlichkeiten am Campus Rothenburg erfüllt. Die Lage direkt in der Stadt ermögliche die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – und schaffe eine inklusive Lernumgebung. Hier sind lokale Geschäfte und Betriebe in der Nähe, die mit ins Bildungsangebot eingebunden werden können. Und was sind die Pläne für die Zukunft? „Wir sind noch nicht fertig”, verkündet Ulm lachend, „wir haben noch einige Träume”.

Entstanden ist ein Ort, an dem Interessierte im Rahmen des Projektes einmal die Woche an einem festen Schulungstag theoretische und praktische Unterstützung erhalten. Die Teilnehmenden lernen Tipps zu den Themen Selbstorganisation, soziale Kompetenzen oder auch zum Umgang mit psychischen Belastungen.

In verschiedene Berufe geschaut

„Wir haben zum Beispiel in verschiedene Berufe geschaut, waren einmal bei einer Verkäuferin dabei und haben hinter die Kulissen geschaut, was zu diesem Berufsfeld alles dazugehört”, erzählt Cora Ebert, die als Integrationsbegleitung im Berufsbildungsbereich für die Teilnehmenden am Projekt verantwortlich ist.

An den vier weiteren Wochentagen geht es für diese dann in den Praxisbetrieb: In Unternehmen in der Region können die Teilnehmenden in den Alltag verschiedener Berufsfelder hineinschnuppern und so langfristig darauf hinarbeiten, eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erhalten.

Vier Personen nehmen das Angebot derzeit in Anspruch. „Wir schauen individuell, wo die Stärken und Schwächen der jeweiligen Personen liegen”, so Cora Ebert. „Wenn eine Person merkt, das ist doch nichts für mich, ist es gar kein Problem, wieder aufzuhören. Es ist auch jederzeit möglich, wieder in die Werkstatt zu wechseln.” Zwei Jahre lang seien die Personen dann normalerweise im Projekt – es könne aber auch auf ein Jahr Laufzeit verkürzt werden.

In geschütztem Rahmen ausprobieren

Rula Alnesr, die aktuell Teil des Berufsbildungsprojekts ist, schätzt besonders das Vertrauen, das in den Räumen am Campus entstehe. Das Projekt biete für sie die Möglichkeit, sich in diesem geschützten Rahmen auszuprobieren. Bisher habe sie noch nicht das gefunden, was sie so richtig begeistert. Aber sie probiert sich weiter aus. Ähnlich geht es auch Claudia Müller, die mit ihren 57 Jahren schon einiges an Berufserfahrung hinter sich hat. Jetzt möchte auch sie sich neu aufstellen – mithilfe der Berufsintegration. „Ich kann ja noch einige Jahre arbeiten”, sagt sie lachend.

Das Projekt sei eine Alternative zum klassischen Werkstattangebot, ergänzt Willi Ulm. In einer offenen, wertschätzenden Atmosphäre können Personen wieder darin gefestigt werden, ihre eigenen Potenziale zu sehen und zu entdecken, selbstbestimmt zu agieren und sich eine berufliche Perspektive zu erarbeiten. Ulm: „Wir möchten hier in ein Modell für eine inklusive und vielfältige Arbeitswelt investieren”.


Irmeli Pohl
Irmeli Pohl
Volontärin
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