Wenn Stephan Weber durch die Räume geht und die Details des Komplexes mit Restaurant, Hotel und Heilpädagogischer Werkstatt erklärt, huscht ihm bisweilen ein Lächeln übers Gesicht. Nach mehrjähriger Planungs- und Umbauphase steht für das Kaspar-Hauser-Zentrum der Endspurt an: Am 1. Oktober soll eröffnet werden.
Der Projektleiter wirkt entspannt und in sich ruhend. Beinahe fünf Jahre sind ins Land gegangen von den ersten Plänen 2018 bis zur jetzigen Umsetzung. Fraglos viel Zeit – die war aber auch nötig und wurde sinnvoll genutzt, erklärt Weber. Im Rückblick war die Zwangspause für das Vorhaben aufgrund der Pandemie sogar ein Glücksfall, lässt Weber durchblicken. „Die Entwicklung ist gesund, weil sie gereift ist. Mit dem Stand von 2020 wären wir nicht so glücklich geworden“, mutmaßt der Projektleiter.
Da das historische Anwesen, das drei Gebäudeteile in der Pfarrgasse 16 bis 20 umfasst, immer wieder Überraschungen in bautechnischer Hinsicht offenbarte, musste Bauherr und Architekt Hermann Pfeiffer mit dem Betreiberteam zwangsläufig immer wieder über bestehende Pläne nachdenken und diese anpassen. Als Konsequenz daraus wird das in dem Komplex integrierte Hotel nun über einige Zimmer mehr als zunächst angedacht und insgesamt 60 Betten verfügen.
„Es ist ein Wunder, dass das Haus gehalten hat“, kann Weber inzwischen nicht ganz ernst gemeint verkünden. Einige in die Jahre gekommene Dachbalken mussten entfernt und ersetzt werden. Zudem waren im Obergeschoss verbaute Balken im Lauf der Jahrhunderte herausgenommen und anderweitig im Gebäude verwendet worden.
Im Dach ist die einem Puzzle gleichende Handwerkskunst der Zimmerer deutlich zu sehen. Eine Gaube ist bereits gesetzt, sechs weitere in Richtung Montgelasplatz, Pfarrstraße und zum Innenhof mit Blick auf die St.-Johannis-Kirche sollen folgen – damit erhält der Bereich der Seminarräume mit klimatisierten Übernachtungsmöglichkeiten für Eltern mit Kindern im Spitzdach ausreichend Tageslicht.
Schon jetzt ist der warmherzige Charme spürbar, den das Kaspar-Hauser-Zentrum einmal verbreiten soll. Die Strukturen im Innenbereich sind gut zu erkennen: Decken sind frisch verputzt, Wände eingezogen und die nach historischem Vorbild gestalteten Fenster größtenteils eingebaut. „Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen“, sieht Weber Gastfreundschaft nicht nur als eine Vokabel des Marketings und verspricht: „Das wird kein Hotel von der Stange.“
Das wird kein Hotel von der Stange.
Der Haupteingang des ehemaligen Schreibwarengeschäfts Gebhardt bleibt mit seinen drei Treppenstufen so zentral, wie ihn viele Ansbacher kennen. Unmittelbar dahinter öffnet sich ein großer Raum: Links wird die Küche Platz finden, zur rechten die Bar mit Gastrobereich. Eine tragende Mauer wurde entfernt, stattdessen verschaffen zwei Säulen dem Gesamtbild viel Freifläche.
Im ersten Stock wird gerade ein historisch anmutendes Parkett aufgearbeitet, das sich unter drei übereinandergelagerten Böden fand. Nebenan passen Handwerker neue Balken an. Eine Etage darüber wird das Gebälk der Seminarräume verglast, im Anschluss liegt das Zimmer, in dem Kaspar Hauser seine letzten Lebensjahre verbrachte: Es soll aber keinen musealen Charakter mit Biedermeier-Möbeln erhalten, sondern als Raum der Stille zum Meditieren genutzt werden können.
Auch an der Fassade sind Fortschritte zu verzeichnen: Der Außenputz ist weitestgehend aufgetragen, an einem der Fenster sind die ersten Versuche zu sehen, wie die Simse und Wandvorsprünge nach historischem Vorbild gestaltet werden könnten. Klar ist: Bis zum 1. Oktober bleibt noch viel zu tun.