Herbert Albrecht war bei den Bürgerversammlungen in diesem Jahr nicht unbedingt zu beneiden. Immer und immer wieder musste der Bürgermeister erklären, warum der Umbau der Kläranlage im Ortsteil Adelmannssitz rund 1,6 Millionen Euro teurer wird als geplant. Und er erklärte, warum der Paragraphen-Dschungel der Fördermaßnahmen gar keine andere Wahl ließ.
Wenn es ums liebe Geld geht, werden auch mal unbequeme Fragen gestellt, das ist normal und ja durchaus angebracht, findet Herbert Albrecht. In Petersaurach und den Ortsteilen wird die Abwasserbeseitigung nebst Kanalnetz grundlegend saniert. Das ist teuer. So teuer, dass es sich die Gemeinde, kurz gesagt, nicht leisten kann. Daher muss die Bürgerschaft die Finanzierung übernehmen – zumindest in großen Teilen, und das hat sie bereits.
Die ersten Raten der vom Gemeinderat beschlossenen und in einer Sanierungssatzung manifestierten Verbesserungsbeiträge sind geleistet. Wenn im Herbst dieses Jahres die Schlussrechnung auf die Einwohner umgelegt werden muss, wird dieser Betrag allerdings deutlich höher sein als ursprünglich gedacht. Grund dafür ist die Kostensteigerung von 3,1 auf 4,7 Millionen Euro in der Kläranlage in Adelmannssitz – und ein wenig auch die Förderrichtlinien im Freistaat.
Im Kern geht es um die Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben, kurz RZWas – an sich ein probates Werkzeug des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz, um Kommunen bei der Umsetzung von wasserwirtschaftlichen Projekten zu unterstützen. So weit, so gut. Andere Fördertöpfe ließen sich für den Umbau der Kläranlage in Adelmannssitz, den Anschluss per Druckleitung an die Anlage in Petersaurach und den Bau des Regenrückhaltebeckens Süd im Hauptort nicht anzapfen.
Um aber rechtzeitig bis zum Jahresende den entsprechenden Antrag einreichen zu können, bedurfte es einer bestimmten Investitionssumme, führte Bürgermeister Albrecht bei den Versammlungen aus. Bei 2500 Euro pro Kopf liegt da die Grenze für die Gemeinde.
„Der Zeitfaktor spielte eine große Rolle“, sagt Albrecht weiter. Sprich: Hätte die Gemeinde bis zum Jahreswechsel 2024/2025 „nicht groß investiert, hätten wir keine Förderung bekommen“, legte Albrecht bei den Versammlungen dar. Dabei drohte aber im September letzten Jahres ein Baustopp der Anlage in Adelmannssitz, weil die vorgesehenen Spundwände zu klein waren. „Die passenden Teile waren aber nicht lieferbar, und wir mussten innerhalb von 24 Stunden entscheiden, wie es weitergeht.“
Die pragmatische Lösung lautete zusammengefasst: Es wurden kurzerhand die zur Verfügung stehenden größeren Spundwände eingebaut. Die Arbeiten an der Anlage konnten weitergehen und die Fördermittel wie vorgesehen und noch rechtzeitig einen Tag vor Heiligabend beantragt werden. Derweil hatten sich die Kosten für Bauteile und Materialien im Vergleich zum Planungszeitraum insgesamt deutlich erhöht.
Die größeren Spundwände nebst Folgekosten hatten im ersten Aufschlag einen Mehraufwand von rund 270.000 Euro zur Folge. Allerdings, und darauf legt Albrecht nachvollziehbar gesteigerten Wert, kam die Gemeinde dadurch noch in die Härtefallregelung und generierte aus der Förderung für wasserwirtschaftliche Vorhaben viel Geld. „Das war 1,5 Millionen Euro wert“, erklärte der Bürgermeister gegenüber der FLZ.