Wenn viele Angestellte krank ausfallen, packt auch der Geschäftsführer in der Werkstatt mit an. So wechselt Mario Farnbacher derzeit öfter mal Reifen am Auto eines Kunden, statt an Motorsport zu denken. Dabei steht der Rennfahrer aus Ansbach vor einer größeren Veränderung in seiner Karriere.
Denn Farnbacher wird das Team und die Marke wechseln. Der bisherige Werkspilot von Acura – unter diesem Namen werden Autos von Honda in den USA vermarktet – kehrt zum Rennstall Heart of Racing zurück und fährt 2024 in einem Aston Martin AMR Vantage GT3 in der nordamerkanischen Serie IMSA Sportscar Championship.
Für den 31-Jährigen geht es damit wieder eine Liga höher. Bei IMSA fuhr er zuletzt 2021 regelmäßig, 2019 und 2020 gewann er sogar zwei Klassentitel. Zuletzt absolvierte er dort nur sporadische Einsätze, dafür war er zwei Jahre Stammfahrer in der GT World Challenge America. Nach dem Titel dort in der Pro-Am-Klasse 2022 wurde er diesmal Gesamtzweiter in der höheren Pro-Klasse, jeweils an der Seite von Ashton Harrison.
Damit könnte man zufrieden sein, ganz ist es der Ansbacher aber nicht: „Wir hätten die Meisterschaft gewinnen können. Sagen wir mal so: Wir sind in diesem Jahr sechsmal von Kollegen umgedreht worden.“ Ein paar Dreher weniger – wer weiß?
Das Duo von Racers Edge Motorsports war trotz der Widrigkeiten bis zum finalen Rennen in Indianapolis im Titelkampf. Dort lief aber wenig zusammen, nachdem die beiden zuvor schon in Sebring nach der Einführungsrunde ihr Auto wegen eines Kühlerschadens abstellen mussten.
Für 2024 waren bei Acura nun Veränderungen vorprogrammiert. Denn zum Jahreswechsel geht Honda Performance Development, der US-Motorsportarm des japanischen Konzerns, in der Honda Racing Corporation auf. Die ist auf globaler Ebene vor allem für den Motorradsport bekannt. Nun werden alle Rennsparten unter einem Dach weltweit vermarktet. Hintergrund der Neuordnung ist die geplante Rückkehr von Honda in die Formal 1 im Jahr 2026.
Farnbachers „Lebensziel“ sei es, mal in der Königsklasse der Sportwagen-Prototypen zu fahren. Acura will in dem Bereich sein Programm bis 2025 ausbauen, der Ansbacher spekulierte auf eines der zusätzlichen Cockpits. Ein paar Testfahrten im Prototypen hatte er dieses Jahr absolviert, eine Perspektive habe er „leider“ in den Gesprächen mit Acura aber nicht bekommen. Und da der Hersteller im GT3-Bereich weniger Cockpits zur Verfügung hat und Ende 2024 seine Unterstützung für den Acura NSX GT3, den Farnbacher fünf Jahre lang fuhr, sogar einstellt, musste er eine schwierigere Entscheidung treffen, bei der er aber ein gutes Gefühl hatte, wie er betont.
Denn seit seiner ersten Saison in den USA 2014 besteht die Verbindung zu Heart of Racing (HoR), damals noch ein Porsche-Team. Sein damaliger Co-Pilot Ian James ist seit 2017 sogar sein Manager, so Farnbacher. James ist mittlerweile Teamchef bei HoR – und da hatte der Ansbacher alle Möglichkeiten.
„Ich kenne sogar noch einen Teil der Mitarbeiter von damals“, sagt Farnbacher. Zwischen 2014 und 2016 gewann er an der Seite von Ian James und Alex Riberas drei IMSA-Rennen. Riberas ist 2024 noch immer an Bord, er soll mit Ross Gunn bei allen 11 IMSA-Rennen des Aston-Martin-Werksteams gesetzt sein. Farnbacher ist bei den 5 Langstrecken-Rennen (Renndauer über 160 Minuten) der dritte Pilot.
Weitere Einsätze seien bei Terminüberschneidungen denkbar, aber es ist ein kleineres Programm für Farnbacher. Der steht allerdings auch vor der Herausforderung, ein neues Auto fahren zu müssen. „Es wird eine größere Umstellung.“ Unter anderem hatte der NSX einen Mittel-, der Vantage nutzt einen Frontmotor.
Doch das Auto der britschen Marke ist konkurrenzfähig. Bei IMSA hat HoR dieses Jahr vier Klassensiege in der GTD Pro und der GTD eingefahren. Außerdem erhält der Wagen ein Update für 2024. „Ich kann es kaum erwarten, die ersten Runden zu drehen“, sagt Farnbacher, der noch nie in einem Aston Martin gesessen habe. Im Dezember wird es erstmals bei Testfahrten in Daytona soweit sein. Dort findet Ende Januar mit dem prestigeträchtigen 24-Stunden-Rennen auch die Saisoneröffnung statt.