Das für Herbst in Frankreich geplante Bierfest wird ausfallen. Denn die Freunde Panazols stehen ab Juli voraussichtlich ohne Vorsitzende da. Und ob Markt Erlbach eine Partnerschaft mit Panazols spanischer Partnergemeinde Picanya eingehen will, ist ebenfalls unklar. Diese Situation war Thema in der jüngsten Ratssitzung.
Am Donnerstagabend fand zudem eine offene Vorstandssitzung der Freunde Panazols statt. Darin beschloss man, der Mitgliederversammlung am 19. Juli die Auflösung des Vereins vorzuschlagen. Das gilt zumindest für den wahrscheinlichen Fall, dass sich nicht doch noch ein Kandidat oder eine Kandidatin für die Vereinsspitze findet. Die junge derzeitige Vorsitzende Sabine Truch hat bereits vor längerer Zeit angekündigt, nicht mehr für das Amt zur Verfügung zu stehen.
Die eigentlichen Probleme scheinen aber tiefer zu gehen: unklare Zielsetzung, unklare Aufgabenverteilung und unklare Kommunikationsstrukturen innerhalb Frankreichs, innerhalb Deutschlands, aber auch zwischen den Ländern. Birgit Fleischmann, Truchs Vorgängerin und immer noch sehr aktiv, sagt: „Ich mag nicht mehr ein Spiel spielen, dessen Regeln ich nicht kenne.“
Es sei dem Verein bewusst, dass eine Partnerschaft nicht zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde zählt und die Gemeindeverwaltung die Arbeit, die der Verein leistet, nicht in vollem Umfang übernehmen kann, heißt es zur Begründung des Auflösungsbeschlusses. Diese Arbeit gehe aber auch weit über das hinaus, was ehrenamtlich leistbar sei. „Der Vorstand beklagt die mangelnde Abstimmung der Aktivitäten, die überwiegend einseitig aus Panazol vorgegeben werden“, wird außerdem kritisiert. Missverständnisse, unter anderem durch wechselnde Ansprechpartner, nehmen zu.
Ein Beispiel: Im Gespräch ist offenbar ein trinationales Projekt zwischen Panazol, Picanya und möglicherweise Markt Erlbach zum Thema „Wie wirkt sich der Klimawandel lokal aus?“ Dafür sollen EU-Mittel beantragt werden. Bald findet dazu ein Treffen statt, an dem die Regionalpartnerschaftsbeauftragte des Bezirks, Sylvie Feja, teilnimmt. Die Freunde Panazols oder die politische Gemeinde blieben außen vor. Mangelnde Einbeziehung ist nur ein Problem. „Das Thema ist spannend – aber ein solches Projekt übersteigt auch unsere Kapazitäten“, urteilt Fleischmann weiter.
Es ist auch ein Beispiel dafür, dass alle Akteure sich einmal zusammensetzen und klären müssten, was sie sich von der Partnerschaft versprechen. Für die Freunde Panazols in Markt Erlbach zählen in erster Linie die Begegnungen der Menschen. Gerade erst fand das Nachtreffen für die Gastfamilien statt, die Jugendliche der Musikschule aus Panazol aufgenommen hatten. „Die Rückmeldungen waren durchweg positiv“, freut sich Fleischmann. Im August werden die Motorradfahrer mit ihren Freunden aus Frankreich auf Tour in die Bretagne gehen. Solche Kontakte von Vereinen untereinander, die zum Selbstläufer werden – das wäre ein Wunsch Fleischmanns.
Auf politischer Ebene wünscht sich der Vorstand eine Abstimmung der künftigen Aktivitäten in der Bürgermeisterrunde, unter Einbindung der Gemeinderäte und der Partnerschaftsvereine. „Ursprünglich war es mal so gedacht, dass die Gemeinde der Ideengeber ist und wir die Arbeit machen“, erläutert Fleischmann. Die Realität sehe momentan anders aus.
Wie von Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß in der Gemeinderatssitzung angesprochen, wünscht sich der Verein einen konkreten Ansprechpartner im Gemeinderat. Das sei in früheren Wahlperioden – zum Beispiel in ihrer eigenen Zeit als Gemeinderätin – noch üblich gewesen und betrifft durchaus nicht nur die Gemeindepartnerschaft. Auch der Senioren- oder Jugendbeirat sowie die Fairtrade-Gruppe wünschen sich demnach ein solches Bindeglied ins Gremium.
Bei aller Kritik gab es auch Aussagen, die Ansätze für die künftige Ausrichtung bilden. Kreß bekannte sich in der Ratssitzung ausdrücklich zur Partnerschaft mit Frankreich, die – in welcher Form auch immer – weitergeführt werden soll.
Die Freunde Panazols wiederum wollen, wenn auch nicht mehr als Verein, als lockerer Verbund oder Interessengemeinschaft weiter in Verbindung bleiben.
„Wenn es Klarheit über die künftige Ausrichtung der Partnerschaft gibt, kann man darüber nachdenken, ob und in welcher Form der Verein reaktiviert oder eine andere Struktur gefunden werden kann“, heißt es im Vorstandsbeschluss zum Auflösungsantrag abschließend.