Susdal in Russland ist seit 1988 Partnerstadt. Wegen des Krieges gegen die Ukraine ruht die Verbindung offiziell. Doch zur 1000-Jahr-Feier war eine kleine Gruppe mit 15 Leuten angereist – der Menschen wegen.
Harald Wohlfahrt und Erwin Bauer, Vorsitzender des Vereins für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen, gehörten zur Gruppe. Sie erläuterten, wie es dazu kam.
Wohlfahrt erinnerte an den früheren Oberbürgermeister Oskar Schubart, auf dessen Initiative die Städtepartnerschaft zustande kam. Dieser habe seinen Vater und ihn gefragt, ob sie 1989 mit nach Susdal fahren würden. „Ich war von der Idee dieser Partnerschaft begeistert“, erzählt Wohlfahrt.
Anfang der 1990er Jahre brachte er russische und hiesige Künstler hier in der Stadt zusammen, um sich austauschen zu können. „Die Partnerschaft war von Anfang an sehr lebendig“, betont Wohlfahrt. Es sei ein reger Austausch gewesen. Stadt und Verein hätten Susdal mit Spenden, die aus der Bevölkerung gekommen sind, stark unterstützt. Es seien von Anfang an sehr enge Beziehungen entstanden. Schubart brauchte gar nicht groß werben, meinte Wohlfahrt, es habe auch zwischen Schulen einen Austausch gegeben. Von 1997 bis 2019 regelmäßig, ergänzt Bauer.
Wohlfahrt machte einen großen Sprung in die Zeit der Coronaphase, in der man sich nicht gegenseitig besuchen konnte. Er habe dann geplant, im Sommer 2022 nach Susdal zu fliegen. Doch dann sei der Kriegsbeginn dazwischengekommen. „Ich habe trotzdem an meinen Plänen festgehalten“, erzählt Wohlfahrt, denn in über 30 Jahren seien Freundschaften entstanden. Dort habe er erfahren, dass der offizielle Kontakt irgendwie eingefroren worden sei. Das sei wohl bei allen circa 100 Partnerschaften zwischen Deutschland und russischen Städten so, wo die Beziehungen auf Eis gelegt wurden.
Schon 2022 wusste er, dass in Susdal die 1000-Jahr-Feier anstand. Die Vorbereitungen seien schon am Laufen gewesen. So machte sich Wohlfahrt natürlich darüber Gedanken. „Es war mir wichtig, dass die Partnerschaft möglichst wenig Schaden erleidet.“ Diese gründe sich auf einer Basis zwischen ganz normalen Bürgerinnen und Bürgern hier und ganz normalen Bürgerinnen und Bürgern dort, begründet er sein Handeln.
Auf beiden Seiten bestehe kein Interesse an den kriegerischen Auseinandersetzungen. „Die großen Herausforderungen kann man nur friedlich und gemeinsam lösen“, sagt Wohlfahrt und meint nicht nur den Krieg, sondern auch die Klimakrise. Nicht wissend, was alles noch mit der 1000-Jahr-Feier geplant ist, hatte er 2023 den Künstler Tigran Grigoryan, der aus Armenien stammt und seit über 30 Jahren in Deutschland lebt, beauftragt, ein Bild zu malen. Entstanden ist ein Friedensbild mit sieben Tauben. Am linken Bildrand sind drei Rothenburger Motive, am rechten Bildrand drei Susdaler Motive zu sehen.
Wohlfahrt ist der festen Überzeugung, dass in der großen russischen Zivilbevölkerung wie auch bei uns mehrheitlich die Meinung überwiege, dass man nur friedlich in der Welt die Herausforderungen meistern kann. Für ihn besitze das Bild eine große Symbolik. Er nahm es gerollt mit auf die Reise. Gerahmt wurde es dann in Susdal.
Wohlfahrt hat noch ein „Originalbild“ – nur mit Tauben, das vielleicht noch andere Einsätze bekommen wird. Von der Symbolik habe dieses Bild, wie Wohlfahrt betont, auch viel mit Weihnachten zu tun.
Die Gruppe wurde dann bei ihrem Besuch im August, wie Wohlfahrt und Bauer berichten, vom Vorsitzenden des Stadtrates und Vertretern des Partnerschaftskomitees eingeladen. Es sei aber keine Partnerschaftsreise gewesen, betont Bauer. Es seien nicht nur Leute von hier, sondern zum Beispiel auch aus Ulm dabei gewesen und natürlich auch welche aus dem Partnerschaftsverein. Bauer deklariert die Reise aber als eine private, die jeder selbst organisiert habe. Die letzte offizielle Partnerschaftsreise hatte im Februar 2020 mit 33 Leuten stattgefunden.
Jeder sei auch unterschiedlich lange geblieben. Bei den offiziellen Feierlichkeiten seien dann alle dagewesen. In Susdal habe man sich über den Besuch sehr gefreut.
Das Bild wurde dann an den Vorsitzenden des Stadtrates, Sergey Rodionow, überreicht. Aufgehängt werden soll es laut Bauer im Sitzungssaal des dortigen Rathauses.
In den Reden ist von beiden Seiten der Wunsch nach weiterem Kontakt angeklungen, auch, dass die Freundschaft weiter bestehen bleibt, sagt Bauer. 2018 sei eine Delegation aus Susdal zuletzt hier gewesen. Sie würden gerne wieder ihre Partnerstadt sehen, lautete der Wunsch. Doch dafür gebe es kein Visum. So gut wie alle seien in Susdal privat untergebracht gewesen, und die meisten hätten ihr Programm mit den Familien gemacht. Viele seien ja schon oft dort gewesen und pflegten langjährige Beziehungen.
Bei der 1000-Jahr-Feier gab es etwa einen mittelalterlichen Markt mit Ritterspielen. „Die beiden Städte sind sich extrem ähnlich“, meint Bauer. Auch ein sehr großes Musikfestival habe stattgefunden, ebenso kirchliche Veranstaltungen und klassische Konzerte. Oskar Schubart habe sich wirklich für die Partnerschaft eingesetzt, erinnert Wohlfahrt nochmals. Vielleicht könne man auch so sagen: „Setzen wir uns ein, dass die Partnerschaft weitergeht“. Wann allerdings der nächste Besuch stattfindet, sei noch offen.