Nach längerer Pause ist die Partnerschaft mit Morhange wiederbelebt: Eine Delegation aus Feuchtwangen hat die Kommune in Frankreich mit rund 3400 Einwohnern jetzt besucht. Dabei wurden neue Kontakte geknüpft, Geschenke ausgetauscht, ein Baum als Zeichen der Freundschaft gepflanzt und ein Gegenbesuch ins Auge gefasst.
Als Termin für die Reise von Feuchtwangens Stadtoberhaupt Patrick Ruh, seinem Stellvertreter Walter Soldner, Partnerschaftsbeauftragtem Wolfgang Hauf, Europa-Gemeinderat Michael Nowakowitsch (WwW) und SPD-Stadträtin Susanne Friedrich sowie deren Partnerinnen und Partnern hatten sich die Beteiligten auf die Gedenkfeier zum 110. Jahrestag der „Schlacht von Morhange“ verständigt. Bei dieser hatten deutsche und französische Soldaten am 19. und am 20. August 1914 – also kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs – gegeneinander gekämpft. Tausende Menschen ließen damals ihr Leben.
„Es war nach Corona und dem Wechsel im Gremium von Morhange die erste Gelegenheit, sich auf persönlicher Basis kennenzulernen“, schreibt der für die Partnerschaft mit der französischen Kommune zuständige Grünen-Stadtrat Hauf in einer Pressemitteilung und berichtet von einem herzlichen Empfang. Gleich nach der Begrüßung habe Morhanges ehrenamtlicher Bürgermeister Cristian Stinco zusammen mit seinem Stellvertreter Bernard Treuvelot und Partnerschaftsbeauftragter Malika Attou die Gäste aus Feuchtwangen durch das Rathaus geführt.
Später traf man sich in einem kleinen Museum, das derzeit aufgebaut wird und die Ereignisse in und um Morhange während des Ersten Weltkrieges thematisiert. Neben Waffen von damals seien dort nachgebildete Unterstände und Schützengräben zu sehen. „Das Erschreckende dabei war die Erkenntnis, dass sich diese brutalen Abnutzungskämpfe auf ähnliche Weise in der Gegenwart in der Ukraine wiederholen“, so Hauf.
Bei „einem fürstlichen Essen“ hätten sich dann anregende Unterhaltungen ergeben. Das trotz der Sprachbarriere, zumal die meisten Feuchtwanger kein Französisch und die meisten Morhanger kein Deutsch sprechen.
Der folgende Tag stand zuerst im Zeichen der „Schlacht von Morhange“: In Anwesenheit vieler Gäste durchtrennten die Bürgermeister Cristian Stinco und Patrick Ruh gemeinsam ein Band und eröffneten damit offiziell ein Biwak zum Gedenktag der „Bataille de Morhange“. Zudem wurden die französische, die deutsche und die europäische Fahne feierlich gehisst.
Das Biwak bevölkerten Personen in den Uniformen der damaligen Kontrahenten. Zudem war dort historisches Kriegsgerät ausgestellt. Wie zu erfahren war, hat Kaiser Wilhelm II. die Stadt Mörchingen – so hieß Morhange, das im ab 1871 von Deutschland annektierten Teil Lothringens lag damals – zweimal besucht. Hier waren seinerzeit vier Regimenter stationiert, die aufgrund der strategisch günstigen Lage auf einer Anhöhe einen französischen Angriff leicht abwehren konnten.
Später ging es per Bus nach Metz, wo die Geschichte der größten Stadt in der Umgebung bei Führungen erlebbar gemacht wurde. Einen Schwerpunkt bildete dabei die Kathedrale mit den Fenstern, deren neuste Marc Chagall geschaffen hat.
Als Höhepunkt des Besuches nennt der Partnerschaftsbeauftragte den folgenden Tag: Da wurde am deutschen Soldatenfriedhof feierlich ein Kranz niedergelegt, wobei französische und deutsche „Soldaten“ in historischen Uniformen mitwirkten. „Diese Friedhöfe dienen der Erinnerung, dem Mahnen, so etwas nie wieder zuzulassen, den Frieden auf Dauer zu bewahren“, schreibt Hauf. Ergänzend dazu berichtet er, dass auf diesem Friedhof auch ein Verwandter des ehemaligen Feuchtwanger Bürgermeisters Wolf Rüdiger Eckhardt beigesetzt ist.
Bei einer Messe – moderiert von Morhanges Partnerschaftsbeauftragter Malika Attou und von einer offiziellen Einheit der französischen Armee umrahmt – bezeichnete Bürgermeister Stinco das Erinnern an die Ereignisse von damals als wichtig für die kommenden Generationen, um einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten. Die Europäische Union mit dem französisch-deutschen Motor sei dabei die Triebkraft.
Ebenso hob Feuchtwangens Bürgermeister Ruh, dessen überwiegend auf Deutsch gehaltene Rede Hauf abschnittsweise ins Französische übersetzte, die Werte von Frieden und Freiheit hervor. Zugleich warnte er vor der Gefahr eines rechten Nationalismus und thematisierte die Eindämmung des Klimawandels als überlebenswichtige Aufgabe, wie es in der Mitteilung weiter heißt. All dies, so Ruh, könne nur im Einklang gelingen.
Schließlich würdigte Laurent Touvet, der Präfekt des Bezirks Mosel, die deutsch-französische Freundschaft und mahnte zur Bewahrung des Friedens „angesichts eines unberechenbaren Aggressors in Europa“. Danach wurden am Denkmal Gestecke abgelegt.
Als letzten Höhepunkt des Besuchs bezeichnet Hauf die Pflanzung eines Freundschaftsbaums auf dem Gelände des Mahnmals: „Der Ahorn soll dabei die Freundschaft zwischen beiden Städten dauerhaft sichtbar machen.“
„Der Aufenthalt in Morhange war äußerst gewinnbringend, die herzliche Aufnahme zeigte, dass unseren Partnern der Erhalt der Städtepartnerschaft wichtig ist“, bilanziert Hauf. In diesem Sinn erklärte Ruh, die Partner seien sich einig, „dass die deutsch-französische Freundschaft angesichts globaler Krisen wichtiger denn je ist“. Nun freuten sich alle auf einen Gegenbesuch aus Frankreich.